«Kaderpersonal ist schwierig zu finden»

«Jobs mit Wirkung.» Mit dieser Aussage wollen sich die Städte und Gemeinden als attraktive Arbeitgeberinnen präsentieren. An der Kampagne, die der Verein Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (Vzgv) heute Freitag lanciert, beteiligen sich auch die Ämtler Gemeinden.

«Es lockt eine vielseitige, abwechslungsreiche Tätigkeit.» Auch Stallikon – hier Gemeindeschreiber Roberto Brunelli – macht mit in der Image-Kampagne des Vereins Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute. (Bild zvg.)
«Es lockt eine vielseitige, abwechslungsreiche Tätigkeit.» Auch Stallikon – hier Gemeindeschreiber Roberto Brunelli – macht mit in der Image-Kampagne des Vereins Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute. (Bild zvg.)

Manchmal ist es nicht ganz einfach, ­Verwaltungsstellen neu zu besetzen. Diese Erfahrung hat auch Roberto ­Brunelli, Gemeindeschreiber von Stallikon, ­gemacht. Schwierig sei es insbesondere, Kaderpersonal zu finden. Konkret: ­Gemeindeschreiberinnen, Bausekretäre, ­Finanzverwalter oder Steuersekretäre. «Es lassen sich zwar viele ausbilden», sagt er, «die Funktion übernehmen wollen sie dann allerdings oft nicht.»

Als mögliche Gründe nennt er einerseits die hohen Anforderungen: Als Bausekretärin oder Bausekretär etwa müsse man sich im Baurecht auskennen und auf dem aktuellen Stand halten, andererseits sei man – gerade in einer kleinen Gemeinde – sehr ausgesetzt und stehe von verschiedenen Seiten unter Druck: von der ­Bevölkerung, von der Verwaltung und von den Behörden. Und schliesslich müsse man damit leben können, dass die politischen Prozesse den Zeitplan vorgeben. «In der Privatwirtschaft geht vieles schneller», so ­Brunelli.

Etwas für die Gesellschaft tun

Trotzdem überwiegen für den Stalliker Gemeindeschreiber die positiven Seiten: Auf einer Gemeindeverwaltung könne man aktiv mitgestalten und etwas für die Gesellschaft tun. Es locken eine vielseitige, abwechslungsreiche Tätigkeit, gute Sozialversicherungen und klare Kriterien für Karriere und Lohnentwicklung, sowie eine gute Work-Life-Balance mit 42-Stunden-Woche und fünf ­Wochen Ferien. Zu den flexiblen Arbeitsbedingungen gehört zunehmend auch die Möglichkeit von Homeoffice. ­Möglich macht dies nicht zuletzt die Digitalisierung. «Vieles läuft bereits elektronisch», betont Roberto Brunelli, «da sind alle Gemeinden dran.» Auch lohnmässig sei ein Wechsel für Leute aus der Privatwirtschaft attraktiv, wenn man auch nicht mit der Finanzbranche mithalten könne.

Geradlinige Karrieren, wie er sie ­selber durchlaufen hat – vom KV-Stift in Affoltern übers kantonale Steueramt bis zum Gemeindeschreiberposten in Stallikon –, sind mittlerweile zwar nicht mehr die Regel, trotzdem spielt die Ausbildung von Lernenden doch immer noch eine wichtige Rolle. In Stallikon sind dies je eine oder einer pro Lehrjahr auf der Verwaltung, sowie jemand pro Ausbildungszyklus im Werkhof, also insgesamt vier Jugendliche. Auch hier ist die Stellenbesetzung nicht ganz einfach, steht man doch nicht nur mit der Privatwirtschaft in Konkurrenz, sondern auch mit den Gymnasien.

Administratives zusammenlegen, Entscheidungskompetenz behalten

Im Vergleich mit dem angrenzenden Ausland ist der Anteil der Staatsangestellten in der Schweiz eher tief. Im ­Verhältnis zu allen Beschäftigten im Land waren es in der Schweiz Stand 2016 10,1 Prozent, Deutschland kam auf 10,5, Italien auf 13,7 und Frankreich auf 22,1 Prozent.

Trotzdem gilt es zu prüfen, welche Dienstleistungen in der Gemeinde bleiben müssen und welche in Zusammenarbeit angeboten werden können. So sei ein gemeinsames Bausekretariat mit zwei, drei anderen Gemeinden durchaus wünschenswert, meint der Stalliker ­Gemeindeschreiber. Dies solle allerdings eine administrative Stelle sein, betont er, die Entscheidungskompetenz müsse weiterhin bei den kommunalen Behörden liegen. Die kurzen Wege seien insofern nicht mehr so zentral, da die meisten Kontakte inzwischen sowieso über E-Mail und Telefon laufen.

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