Das Gewerbe sitzt wie auf Nadeln

Die Anspannung bei den ­Menschen in den Betrieben, die noch geöffnet haben dürfen, ist spürbar. Es ist die Ungewissheit, die den Chefs und Angestellten zu schaffen macht. Die Angst vor der Ansteckung mit dem Virus, rechtliche Grauzonen und die ungewisse finanzielle Zukunft.

Beat Graf vor der abgesperrten Autoausstellung. (Bild Martin Platter)
Beat Graf vor der abgesperrten Autoausstellung. (Bild Martin Platter)

Beat Graf wirkt angespannt. Es ist die Ungewissheit, die ihm zu schaffen macht. Er sagt: «Die Situation ist für uns alle völlig neu. Niemand weiss rechtlich genau Bescheid und kann abschätzen, wohin uns diese ausserordentliche Lage führt, wann und wie
sie enden wird.» Der Mitinhaber und Leiter Personenwagen der Garage
Graf in Mettmenstetten sieht es zwar als Privileg, dass «Werkstätten für Transportmittel» ausdrücklich von der bundesrätlichen Schliessungsverfügung ausgenommen wurden, um die Mobilität der Bevölkerung weiterhin zu gewährleisten.
Dennoch hat Graf Kurzarbeit angemeldet. «Das Gros unseres Verkaufsteams ist zu Hause. Wir verkaufen nur noch übers Telefon oder Internet. Persönliche Verkaufsgespräche von Angesicht zu Angesicht machen wir derzeit keine und haben den Ausstellungsraum deshalb abgesperrt.» Die Tankstelle und der Tankstellenshop seien jedoch offen. Die Mitarbeiterinnen würden durch eine Plexiglasscheibe vor direktem Kundenkontakt geschützt und es stehen Spender mit Desinfek­tionsmittel zur Verfügung. «In der Werkstatt arbeiten wir in zwei Schichten. Meine grösste Sorge ist, dass sich jemand ansteckt.»


Grosse Auslastung wegen reduzierter Teams
Bedingt durch die reduzierten Mannschaften in der Werkstatt sei die Auslastung hoch. Noch extremer sei es in der Lastwagenwerkstatt. «Die Transporteure arbeiten mit Hochdruck oder nutzen die ruhigere Zeit, um ihren Fuhrpark auf Vordermann zu bringen», erklärt Graf. Eine enorme wirtschaftliche und soziale Verantwortung, die die Angespanntheit des Geschäftsführers erklärt. Der gesamte Familienbetrieb zählt inklusive Inhaber 51 Personen. Wobei Beat Graf relativiert: «Meine Eltern sind inzwischen in den Ferien. Wir möchten nicht, dass sie
als Risikogruppe mit Kunden in Kontakt kommen.» Abgesagt ist auch die Frühlingsausstellung, die am kommenden Wochenende hätte stattfinden sollen. Der Schaden für die dafür produzierten Drucksachen, für die Werbung und den Postversand hält sich in Grenzen. Mehr schmerzen die nicht generierten Verkäufe. Graf hofft, dass diese im Verlaufe des Jahres wieder aufgeholt werden können.
Mit seinen Vorkehrungen, Beobachtungen und Befürchtungen ist Beat Graf nicht alleine, wie ein Augenschein in weiteren Geschäften gezeigt hat, die offen bleiben dürfen. Auch im eigenen Interesse legen die Geschäftsinhaber und Angestellten grossen Wert auf die Einhaltung der Schutzmassnahmen und versuchen das Beste aus der Notlage zu machen. Man ist sich bewusst, dass die komplette Schliessung eines Betriebes noch viel belastender für die Betroffenen ist.
 

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