Abwasser-Entsorgung ist Gemeinschaftssache

Die meisten Gemeinden haben oder sind daran, die Abwasser­reinigung auszulagern. In ­Zukunft behandelt nur noch die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Zwillikon das Abwasser selbst.

Zukünftige Verteilung der Abwasserreinigung im Bezirk Affoltern.

Zukünftige Verteilung der Abwasserreinigung im Bezirk Affoltern.

(*geplante Projekte) (Grafik Dominik Stierli mit Datawrapper)

(*geplante Projekte) (Grafik Dominik Stierli mit Datawrapper)

Der Präsident des Abwasserverbandes Knonau, Mettmenstetten und Kappel, Nathanaël Wenger (Mitte), bedankt sich bei den involvierten Personen für die gute Zusammenarbeit. Im Hintergrund

Der Präsident des Abwasserverbandes Knonau, Mettmenstetten und Kappel, Nathanaël Wenger (Mitte), bedankt sich bei den involvierten Personen für die gute Zusammenarbeit. Im Hintergrund

Die Reinigung der Abwasser ist eine aufwendige Angelegenheit. Je nach Ausbaustandard der Kläranlagen wird das verschmutzte Wasser in mehreren Stufen gereinigt und danach in ein Gewässer abgelassen. Auf der Website der Stadt Affoltern sind mehrere Hinweise, was alles auf keinen Fall einfach hinuntergespült werden sollte: Öle oder Fette, alle Arten von Chemikalien, wie zum Beispiel Lacke oder Medikamente sowie Feststoffe wie Feuchttücher, Wattestäbchen, Essensreste oder Katzensand. Kurz zusammengefasst gehören nur menschliche Ausscheidungen und WC-Papier ins Abwasser.

Vorprojekt für Neubau in Zwillikon

Die Kläranlage der Stadt Affoltern steht auf Zwilliker Boden. Sie entsorgt neben dem Abwasser von Affoltern auch dasjenige der Gemeinden Aeugst (ohne Aeugstertal), Hedingen, Rifferswil und von einigen Weilern der Gemeinde Mettmenstetten. Die Anlage ist seit über 60 Jahren in Betrieb und soll neu gebaut werden. Eine Lösung mit einem gemeinsamen Neubau in Obfelden oder dem Anschluss nach Cham war 2021 nicht zustande gekommen.

An der Gemeindeversammlung im Dezember 2021 wurde ein Projektierungskredit für den Neubau angenommen. Besondere Herausforderungen für diesen sind die engen Platzverhältnisse vor Ort und der Bau während dem laufenden Betrieb. Gemäss Stadtschreiber Stefan Trottmann ist das Vorprojekt unterdessen spruchreif und Affoltern wird nächste Woche darüber orientieren. Die Abstimmung zum Projekt ist für 2025 vorgesehen. Die Umsetzung dauert bis voraussichtlich 2033.

Seit 1969 betreiben die Ämtler Gemeinden Stallikon, Bonstetten und Wettswil zusammen mit Aesch, Birmensdorf und Uitikon eine gemeinsame Kläranlage. Auch die Abwässer vom Aeugstertal fliessen via Stallikon zur Anlage an der Reppisch in Birmensdorf.

Im Oktober 2022 (Der «Anzeiger» berichtete) erfolgte der Spatenstich für den vierten und letzten Ausbau der Kläranlage Birmensdorf. Im nordwestlichen Teil des Areals wird eine Anlage zur Eliminierung von Mikroverunreinigungen ­gebaut, die zum Beispiel durch Medikamente, Hormone, chemische oder kosmetische Produkte im Abwasser ent­stehen und das Trinkwasser belasten können.

Die Gemeinde Mettmenstetten ist abwassertechnisch unterschiedlich organisiert. Wie bereits erwähnt, sind ­einige Weiler in Zwillikon angeschlossen. Von Dachlissen fliest das Abwasser nach Obfelden. Der Hauptanteil der Gemeinde wurde bisher in Knonau entsorgt. Dort ist seit Mittwoch das neue Pumpwerk in Betrieb, welches das Schmutzwasser von Knonau, Mettmenstetten und Kappel ins zugerische Cham in die ARA Schönau pumpt. (siehe Artikel auf dieser Seite).

Anschluss von Hausenin der Planung

Auch Hausen hat den Anschluss an die ARA Schönau beschlossen. An der Gemeindeversammlung im Dezember 2022 haben die Stimmberechtigten dem Budget zugestimmt. Für den Anschluss entstehen Kosten von rund drei Millionen Franken. Voraussichtlich kann die Leitung im 2024 in Betrieb gehen.

Obfelden bis 2028

In Obfelden wird auch das Schmutzwasser aus dem Weiler Dachlissen und der Gemeinde Maschwanden bearbeitet. Letztes Jahr hat die Bevölkerung dem Anschluss und Ausbau der ARA Reuss-Schachen in Merenschwand zugestimmt. Im Januar stimmten die involvierten Aargauer Gemeinden ebenfalls dem Zusammenschluss zu. Gemäss dem aktuellen Obfelder Gemeindebulletin ist das Projekt auf Kurs. Gegen die Submission an ein Ingenieurbüro wurden keine Rechtsmittel ergriffen, so dass nun geplant werden kann. Der Start für den Ausbau ist für August 2024 vorgesehen. Ab Januar 2026 folgt der Bau der Anschlussleitung von ­Obfelden nach ­Merenschwand, der Umbau der Anlage in Obfelden und deren Rückbau. Das Projekt wird voraussichtlich 2028 abgeschlossen werden.

Die Gemeinde Ottenbach entsorgt ihr Abwasser seit 2011 in der ARA Kelleramt, welche sich im aargauischen Unterlunkhofen befindet. So besteht aktuell nur bei der ARA Zwillikon Handlungsbedarf. Alle anderen Projekte sind beschlossen oder schon abgeschlossen.

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