«Albis-Park»: Bauherrschaft geht über die Bücher

Anwohner hat Rekurs zurückgezogen – neue Ausgangslage für Leuthard und Migros Genossenschaft Zürich

Der «Albis-Park» ist unmittelbar am Autobahnanschluss in Affoltern geplant. Noch offen ist, wann die Baumaschinen auffahren. Für die Bauherrschaft hat sich nach so langer Wartezeit die Marktsituation verändert. (Bild Werner Schneiter)
Der «Albis-Park» ist unmittelbar am Autobahnanschluss in Affoltern geplant. Noch offen ist, wann die Baumaschinen auffahren. Für die Bauherrschaft hat sich nach so langer Wartezeit die Marktsituation verändert. (Bild Werner Schneiter)

Leuthard Baumanagement AG undGenossenschaft Migros Zürich – vereint in der einfachen Gesellschaft Chalofen Development – wollen am Autobahnanschluss in Affoltern einen OBI-Baumarkt, ein Gartencenter und einen weiteren Fachmarkt errichten. Die Pläne für den sogenannten «Albis-Park» sind inzwischen rund sieben Jahre alt. Rekurse verhinderten bisher auf dem 38'000 Quadratmeter grossen Grundstück, unmittelbar am Autobahnanschluss, das Auffahren von Baumaschinen.

Den einen Rekurs hat das Baurekursgericht abgelehnt, ein weiterer folgte nach einem Projektänderungsgesuch der Bauherrschaft gegen das Gesamtprojekt, weil der Albispark mehr Lagerflächen benötigt. Im Zentrum steht das künftige Verkehrsregime in der Nähe der Grossbauten von Albispark und Hornbach.

«Gemeindeversammlungsbeschluss nicht umgesetzt»

Der zweite Rekurs wurde nun vom Anwohner zurückgezogen. Dieser zeigt sich frustriert darüber, dass die Gemeinde einen Entscheid der Gemeindeversammlung vom 30. Januar 2012 nicht umgesetzt hat. Diese befürwortete nämlich überraschend eine Verbindungsstrasse zwischen Autobahnanschluss A4 über den Goldigen Berg in die Zwillikerstrasse sowie einen Halbanschluss Muristrasse. Die Baudirektion des Kantons Zürich genehmigte diese Pläne im November 2012. Die Gemeinde stellte sich auf den Standpunkt, dass hier der regionale Richtplan gilt. Die Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt (ZPK) sieht dies aber als kommunale Angelegenheit und wurde deswegen ebenfalls nicht aktiv. «Sehr enttäuschend, dass die Gemeinde hier nichts unternommen hat», so der Anwohner. «Was soll ich noch weiter rekurrieren, wo doch der Gemeinderat Gemeindeversammlungsbeschlüsse nicht umsetzt?», fragt sich der Anwohner resignierend. «An einer Gemeindeversammlung sieht mich niemand mehr.» Seinen Rekurs gegen die wegen der geplanten Ergänzung neu aufgegleiste Baubewilligung hat er auch zurückgezogen, damit nicht noch weitere Kosten anfallen.

Für Gemeindepräsident Clemens Grötsch stellt die Plangenehmigung durch die Baudirektion keineswegs einen «Freipass» für die Realisierung einer solchen Verbindungsstrasse dar. So würde die Strasse durch Fruchtfolgeflächen ausserhalb des Siedlungsgebiets führen, hätte überkommunalen Charakter und würde nach seiner Ansicht Mehrverkehr generieren. «Rechtlich eine verzwickte Situation. So würde das nie bewilligt», glaubt Clemens Grötsch.

Auslegeordnung nötig

Mit dem Rekursrückzug wird nun die Baubewilligung für den «Albis-Park» rechtskräftig. «Damit haben wir nun eine fundierte Grundlage», sagt Dieter Greber, CEO der Leuthard AG. Die Baumaschinen werden aber in nächster Zeit gleichwohl nicht auffahren, weil sich die Marktsituation in dieser langen Zeit des rekursbedingten Wartens verändert hat. «Vor sieben Jahren gabs noch keinen Zalando-Versand und keine Frankenstärke», stellt Greber fest. «Wir setzen uns Anfang Dezember mit der Migros an den Tisch und machen eine Auslegeordnung.»

Die Pläne können also durchaus Änderungen erfahren. Gemäss den heutigen umfasst der «Albis-Park» eine Fläche von 13'000 Quadratmetern, im Erdgeschoss einen OBI-Fachmarkt und ein Gartencenter. Im Obergeschoss sind auf einer Fläche von 7400 Quadratmetern weitere Fachmärkte vorgesehen: in erster Linie Angebote für Heimwerker, Möbel, Haus/Wohnen, Sportsortimente, Blumen/Dekoration usw.

«Albis-Park»-Nachbar Hornbach, der die Industriebrache derzeit zurückbauen lässt und im nächsten Herbst bereits eröffnen will, kommt dem «Albis-Park» nicht in die Quere. Der deutsche Baumarktriese bedient nämlich mehr die Handwerker als die Heimwerker.

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