Mettmenstetten bleibt «Energiestadt», verzichtet aber auf Gold-Label

Gemeinde will «Suffizienz» vermehrt in die Energiethematik einbinden

Mettmenstetten erreicht beim Energiesparen und Klimaschutz erneut weit überdurchschnittlich hohe Werte (von links): Energiestadt-Beraterin Rita Gnehm, Gemeinderat Marcel Eicher und Michael Schuler, Leiter Abteilung Bau, mit dem «Energiestadt»-Labe
Mettmenstetten erreicht beim Energiesparen und Klimaschutz erneut weit überdurchschnittlich hohe Werte (von links): Energiestadt-Beraterin Rita Gnehm, Gemeinderat Marcel Eicher und Michael Schuler, Leiter Abteilung Bau, mit dem «Energiestadt»-Label. (Bild Daniel Vaia)

Mettmenstetten darf für weitere vier Jahre die Auszeichnung «Energiestadt» verwenden. Das ist das Resultat der alle vier Jahre durchgeführten Überprüfung (Re-Audit) der Energiespar- und Klimaschutzmassnahmen. Auf die vor vier Jahren als erste Gemeinde im Säuliamt erzielte zusätzliche Auszeichnung «Gold» verzichtet die Gemeinde aber freiwillig.

Laut Gemeinderat Marcel Eicher wurde dem «Gold»-Zusatz nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher gegeben. Gleichzeitig könne die Gemeinde auf diese Weise Geld sparen, zumal die periodische Überprüfung der Klimaschutzmassnahmen für ein normales «Energiestadt»-Label günstiger ausfällt (einige tausend Franken) als für das «Gold»-Label. Der höhere Punktewert und der eher geringe Re-Audit-Aufwand für die Verwaltung zeigten, dass vieles im Alltagsgeschäft integriert sei. An der Wichtigkeit des Themas Klimaschutz und Energie der Gemeinde ändere sich indes nichts, auch die Bevölkerung werde keinen Unterschied spüren.

Als «Energiestadt» dürfen sich Schweizer Gemeinden und Städte bezeichnen, «welche überdurchschnittliche Anstrengungen im Bereich ihrer kommunalen Energie- und Klimapolitik unternommen haben», so der Trägerverein des Labels. Hauptziel ist, den CO2-Ausstoss einer Gemeinde bis spätestens im Jahr 2050 auf null zu senken («Netto null»).

Das Label «Energiestadt» tragen im Bezirk Affoltern neben Mettmenstetten auch Aeugst, Affoltern, Bonstetten, Hausen, Hedingen, Knonau und Obfelden. Gemäss der jüngsten Überprüfung erfüllt Mettmenstetten 77,2 Prozent der vom Label festgelegten Kriterien – der höchste Wert aller Gemeinden im Bezirk. Er ist sogar leicht höher als vor vier Jahren (76,5 %), trotz strengerer Kriterien und angepassten Massnahmenkatalogs.

Hoher Anteil erneuerbarer Energien

Auffallend ist unter anderem, dass in Mettmenstetten bereits über 70 Prozent aller Heizungen erneuerbar betrieben werden (Wärmepumpen, Solaranlagen, Holzheizungen). Der hohe Wert dürfte unter anderem mit der regen Neubautätigkeit in den letzten Jahren in Verbindung stehen. Im Kanton Zürich und in der Schweiz liegt die Vergleichszahl bei 42 Prozent. Mettmenstetten will diesen Wert weiter erhöhen, indem man auf den bestehenden und einen noch zu erstellenden Wärmeverbund grosses Gewicht legt. Wie Energiestadt-Beraterin Rita Gnehm vor Kurzem bei einem Besuch in Mettmenstetten erklärte, ermöglicht die Mitgliedschaft im Energiestadt-Trägerverein einer Gemeindebehörde, sich mit anderen Gemeinden auszutauschen, zu vergleichen und weiterzubilden. Die für das Raumentwicklungs-Büro Planar in Zürich tätige Beraterin sieht ihre Aufgabe unter anderem darin, Gemeinden auf Veränderungen, Neuerungen und mögliche Defizite aufmerksam zu machen.

«Brauche ich noch ein fünftes Velo?»

Aufgrund der aktuellen Label-Überprüfung, welche Defizite in der Kommunikation aufzeigte, möchte man in Mettmenstetten auch die bisherige Kommunikation gezielter steuern. Marcel Eicher: «Es stellen sich zum Beispiel Fragen: ‹Wie wollen wir die Bevölkerung gezielter informieren? Wie und wo soll die Bevölkerung mehr einbezogen werden?›» Eine Konsequenz sei, dass man künftig weniger auf den Massenversand von Flyern setze, sondern gezielter auf bestimmte Gruppen zugehen werde. Zum Beispiel auf jene, die noch mit Öl, Gas oder mit Elektroheizungen heizen. Zudem wolle man sich künftig vermehrt den noch eher unbekannten Themen Kreislaufwirtschaft und «Suffizienz» (Genügsamkeit) widmen.

Beim Thema «Suffizienz» gehe es darum, so Rita Gnehm, dass die Menschen vermehrt ihr (Konsum-)Verhalten hinterfragen: «Beispielsweise ist ‹Fast Fashion›* wirklich nötig, oder brauche ich tatsächlich noch ein fünftes Velo?» Aber auch das Lichterlöschen, wenn man einen Raum verlässt, das bewusste Steuern der Raumtemperatur oder die Nutzung eines Car-Sharing-Angebots anstelle eines Zweitwagens gehören zur Suffizienz. Jeder Konsumentscheid habe Auswirkungen auf den Energieverbrauch und damit aufs Klima.

*Fast Fashion (schnelle Mode) bezeichnet ein Business-Modell in der Modebranche, bei dem Kollektionen extrem schnell wechseln und die Kleidungsstücke zu tiefen Preisen hergestellt und verkauft werden

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