Asylwesen im Bezirk Affoltern: Höherer Aufwand und intensivere Betreuung

Raschere Überweisung von Flüchtlingen aus kantonalen Zentren

Marco Sailer, Liegenschaftsverantwortlicher im Sozialdienst Bezirk Affoltern (links) sorgt unter tatkräftiger Mithilfe von Asylbewerbern für schlicht, aber wohnlich eingerichtete Zimmer. (Bild Urs E. Kneubühl)
Marco Sailer, Liegenschaftsverantwortlicher im Sozialdienst Bezirk Affoltern (links) sorgt unter tatkräftiger Mithilfe von Asylbewerbern für schlicht, aber wohnlich eingerichtete Zimmer. (Bild Urs E. Kneubühl)

Alle Hände voll zu tun hat der Liegenschaftsverantwortliche des Sozialdienstes Bezirk Affoltern, MarcoSailer. Die Asylsuchenden werden dem Bezirk nämlich «mit leeren Händen», das heisst ohne Möbel und Haushalt-utensilien, zugewiesen, sodass der Asylbereich die Erstausstattung des Wohnraums übernehmen muss. Und da ist Sailer eben derjenige, der im Bezirk Affoltern die nun erneut notwendig werdenden zusätzlichen Wohnräume im Asylbereich einrichtet, Möbel, Geschirr und weitere Einrichtungsgegenstände beschafft und für funktionierendes Licht sorgt – energiesparend mit LED, soweit möglich. Dazu plant, organisiert und führt er Umzüge durch. Hierbei gehen ihm, der diese Funktion und Aufgabe mittlerweile seit 13 Jahren innehat, Asylbewerbende tatkräftig zur Hand.

Der Aufwand ist gegenwärtig äusserst gross, denn der zusätzlich beschaffte Wohnraum für die Asylsuchenden des Affoltemer Kontingents wird zurzeit eingerichtet. Die Grundausstattung von Zimmern und Wohnungen ist standardisiert: Pro Person ein Bett mit Bettinhalt, ein Schrank, Stuhl, ein kleiner Tisch (Nachttisch oder Beistelltisch), eine Bratpfanne, eine weitere Pfanne oder Topf sowie wie Service mit Teller, Tasse, Glas, Besteck und Rüstmesser. Sind weder Rollladen noch Fensterläden vorhanden, gehören auch Vorhänge mit dazu. Je Wohnungseinheit kommen zur gemeinsamen Nutzung ein Sofa, ein Esstisch mit Stühlen, Kühlschrank, Gefrierschrank, Badmöbel und Spiegel im Bad, Duschvorhang und ein Fernseher hinzu. «Grundsätzlich», hält Marco Sailer weiter fest, «geht es darum, den Menschen ein bescheidenes, aber wohnliches, sauberes und schönes Zuhause einzurichten.» Damit dies auch bei einem Auszug weitgehend so bleibt, haben die Bewohner ein Depot zu leisten.

Marco Sailer und seine Helferinnen und Helfer werden die Hände allerdings nicht so bald «in den Schoss legen» können. Weist der Kanton, wie auch immer, ab Januar die knapp 100 Asylbewerbenden des erhöhten Kontingents dem Bezirk Affoltern zu, werden entsprechend weitere Wohnräume hergerichtet werden müssen. «Zum Glück sind unsere Lager mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen zurzeit gut gefüllt, womit sich ein paar Wohnungen einrichten lassen», sagt Marco Sailer. Gleichzeitig weiss er aber auch, wie rasch sich dies ändern kann: «Dann werden wir uns wiederum ganz schön anstrengen müssen, weitere Möbel, Küchenutensilien etc. zu beschaffen.» In weiser Voraussicht merkt er daher an: «Wer in den nächsten Monaten im Bezirk Möbel, Geschirr, Pfannen und Töpfe usw. austauscht, darf sich ungeniert beim Sozialdienst melden. Wir sind dankbar für jedes einzelne noch gut erhaltene Teil.»

Mehraufwand bei der Betreuung

Allerdings ist der Liegenschaftsverantwortliche nicht der einzige Sozialdienst-Mitarbeitende, welcher im Asylbereich stärker gefordert wird. Auch der Betreuungsaufwand sprengt das bis dahin übliche Mass, wie Michelle Högger, Bereichsleiterin Asyl, anmerkt: «Asylsuchende, die zurzeit dem Bezirk zugewiesen werden, sind erst seit sehr kurzer Zeit in der Schweiz – lediglich ein Monat ist keine Seltenheit – und bedürfen entsprechend intensiverer Betreuung in der Fallführung.» Diese aktuell Zugeteilten konnten in der kurzen Zeit kaum oder nicht mit den Gepflogenheiten des schweizerischen Alltages bekannt gemacht werden und diesen weitgehend selbstständig zu bewältigen, wie dies bisher bei Asylsuchenden der zweiten Phase der Fall war, ist entsprechend nicht gegeben. Sprachkenntnisse sind äusserst gering bis nicht vorhanden, die Vorstellung von Hygiene und Sauberkeit unterschiedlich, ebenso die Vorstellung von Kindererziehung.

Dies fordert verstärkte Massnahmen in der Betreuung. «Wir haben bereits so weit möglich intern Ressourcen freigemacht und verschoben», erklärt Ivo Lötscher dazu. Er befürchtet allerdings, dass dies zukünftig bei Weitem nicht reichen wird. Insgesamt spricht der Geschäftsleiter Sozialdienst von einem «gigantischen» Mehraufwand.

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