Ausserordentlicher Rücktritt in Kappel
Gemeindeversammlung heisst Einbürgerung, Budget und gleichbleibender Steuerfuss gut

Die Kappeler Budgetgemeindeversammlung warf keine grossen Wellen. Dennoch lauschten am Freitagabend im kleinen Mühlesaal 46 Personen (davon 41 stimmberechtigt) den Ausführungen von Gemeindepräsident Kurt Bär. Das 5,263-Millionen-Franken-Budget von politischer und Primarschulgemeinde sieht bei gleichbleibendem Steuerfuss von 90 Prozent einen mutmasslichen Aufwandüberschuss von 653000 Franken vor, der dem Eigenkapital belastet werden soll. Dieses würde auf 7,248 Mio. Franken schrumpfen.
Hauptverantwortlich für den negativen Voranschlag 2016 ist ein markanter Rückgang von fast 500000 Franken beim Ressourcenausgleich, weil die Steuerkraft von Kappel stärker angestiegen ist wie das kantonale Mittel. Ausserdem rechnet die Gemeinde mit weniger Steuereinnahmen (minus 85000 Franken). Demgegenüber steht ein 21-prozentiger Kostenanstieg im Bildungsbereich im Vergleich zum Rechnungsabschluss 2014. Der Souverän segnete das Budget ohne Frage ab. Auch die Einbürgerung der Familie Jankovic aus Bosnien, die sympathischerweise persönlich anwesend war und sich kurz vorstellte, gab keinen Anlass zu Wortmeldungen und wurde mit Applaus quittiert.
Klage gegen die Gemeinde
Nach 15 Minuten war der offizielle Teil der Gemeindeversammlung abgeschlossen. In der anschliessenden Fragerunde informierte Kurt Bär über den Stand des Schulhausbaus. Dieser wird derzeit blockiert. Ein Architekten-Kollektiv hatte die Gemeinde beim Zürcher Verwaltungsgericht wegen Verstosses gegen das Submissionsgesetz eingeklagt. Bär ist überzeugt, dass an Kappel ein Exempel statuiert werden soll, und spricht von einer «Grauzone», in der man sich bewegt habe. Das Mandat des bisher für Kappel planenden Architekten Roos, die Ursache für die Klage, sei aufgelöst worden. Nun sei man am Warten auf das Gerichtsurteil. Die Kläger verlangten, dass Kappel planerisch nochmals bei Null beginne. Das ärgert Bär gleich doppelt. Einerseits, weil mit der Warterei kostbare Zeit verplempert werde. Andererseits, weil das Verfahren Steuergeld koste, das er lieber in den Bau investiert hätte.
Schulpräsident und Gemeinderat Christian Plüss gab am Schluss der Versammlung seinen Rücktritt per Ende Schuljahr bekannt. Er begründete seinen Entscheid mit beruflicher Überlastung. Als designierten Nachfolger nannte Bär Markus Kunz. Der Kappeler, der als Leiter Schulaufsicht der Zuger Bildungsdirektion arbeitet, und sein Talent als Brückenbauer in schulischen Belangen bereits unter Beweis gestellt hat (Kappeler Mittelschüler dürfen das Gymnasium in Zug besuchen), zeigte sich interessiert. Er habe sich aber noch nicht definitiv entschieden, sagte Kunz.


