Bekannte Dossiers – unbekannter Parlamentsbetrieb
Viele Dossiers sind ihm als Direktor des schweizerischen Gewerbeverbandes vertraut, an den Betrieb muss er sich noch gewöhnen: FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler sprach im «LaMarotte» in Affoltern über seine ersten Tage im Parlament.

Das Kellertheater LaMarotte in Affoltern war am Mittwochabend übervoll: Die Stimmung beim Neujahrsapéro innerhalb der Bezirks-FDP widerspiegelte die jüngsten Wahlerfolge auf kantonaler und eidgenössischer Ebene. «Bei den Kantonsratswahlen war unsere Partei nicht weit weg vom zweiten Sitz», sagte Margrit Meuter, die für den abwesenden Bezirksparteipräsidenten Olivier Hofmann die Begrüssung übernahm. Ihr Dank galt allen, die sich als Wahlhelfer und -helferinnen ins Zeug gelegt hatten, allen vor an Herbert Früh aus Bonstetten für sein Engagement als Wahlkampfleiter bei den Kantonsratswahlen. «Wahlen», so Margrit Meuter, «sind auch mit Ausgaben verbunden. Deshalb bitte ich darum, unseren Pot zu alimentieren». Worauf Marcus Gschwend verkündete, die neu gegründete FDP Bonstetten-Wettswil-Stallikon äufne die Kasse nach ihrem Zusammenschluss mit 500 Franken.
Für den neuen FDP-Nationalrat aus Affoltern, Hans-Ulrich Bigler, hat denn auch die Basis wesentlich zum Erfolg der FDP beigetragen. Und dieser Erfolg sei auch für ihn in Bern eine Herausforderung. Bigler musste sich allerdings in Geduld üben, ehe er unter der Bundeshauskuppel Platz nehmen durfte. Bei den Nationalratswahlen landete er auf der FDP-Liste auf dem ersten Ersatzplatz. Mit seiner Wahl in den Ständerat schaufelte dann Ruedi Noser den Weg frei für Hans-Ulrich Bigler, der dann noch Fristen abwarten musste. Am 8. Dezember um 8 Uhr war es dann so weit: Tagwache um 5 Uhr, Reise von Affoltern nach Bern – mit dabei: Ehefrau Erika, der Göttibueb und die 90-jährige Mutter. «Meiner Frau bin ich zu Dank verpflichtet. Sie hält mir den Rücken frei.»
Nach der Vereidigung, die H.U. Bigler als «schlicht und einfach» bezeichnete, gings dann los. Weil er die Dossiers als Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes kennt, ist ihm inhaltlich schon vieles bekannt gewesen – von aussen. An den Parlamentsbetrieb muss sich Hans-Ulrich Bigler erst noch gewöhnen. Er stieg just einen Tag vor den Bundesratswahlen ein, die er als speziellen Moment bezeichnete.
Weniger Regulierung – ein Kernanliegen
Mit einem Geschäft hat er sich in der dritten Sessionswoche intensiv auseinandergesetzt: mit einer Motion von Jean-René Fournier, die ein Kernanliegen der FDP und insbesondere von Hans-Ulrich Bigler betrifft, das Reduzieren der Bürokratie beziehungsweise das Eindämmen der Regulierungskosten. Der Vorstoss, der aufs Jahr 2010 zurückgeht, verpflichtet den Bundesrat, entsprechende Massnahmen umzusetzen. Der Neu-Nationalrat wird sich an langwierige Prozesse gewöhnen müssen. Gleichwohl sagte Hans-Ulrich Bigler: «Ich freue mich extrem auf die Arbeit». Und diese wird ja zur Hauptsache in Kommissionen geleistet. Nicht alltäglich ist der Umstand, dass ein neuer Nationalrat von Beginn weg gleich in zwei Kommissionen Einsitz nehmen darf. Bigler gehört der Finanzkommission und der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) an.


