Blick zurück auf eine Bilderbuchkarriere

Alt Kantonsrat und Hedinger Gemeindepräsident Ernst Jud feiert den 90. Geburtstag

Als Gemeindepräsident taufte Ernst Jud im Rahmen der S-Bahn-Eröffnung 1990 eine Lokomotive. (Archivbild «Anzeiger»)

Als Gemeindepräsident taufte Ernst Jud im Rahmen der S-Bahn-Eröffnung 1990 eine Lokomotive. (Archivbild «Anzeiger»)

2021 wieder nach Mettmenstetten zurückgekehrt: Ernst Jud beim Gemeindehaus. Gemeindeversammlungen besucht der ehemalige Hedinger Gemeindepräsident in Mettmenstetten regelmässig. (Bild Werner Schneiter)

2021 wieder nach Mettmenstetten zurückgekehrt: Ernst Jud beim Gemeindehaus. Gemeindeversammlungen besucht der ehemalige Hedinger Gemeindepräsident in Mettmenstetten regelmässig. (Bild Werner Schneiter)

Vor zwei Jahren plagten ihn ernsthafte gesundheitliche Probleme. Aber die hat Ernst Jud inzwischen überwunden. «Es geht mir sehr gut», sagt er. Morgen Mittwoch, 2. September, feiert der ehemalige Hedinger Gemeindepräsident und FDP-Kantonsrat seinen 90. Geburtstag.

Tatsächlich wirkt der Jubilar vital. Das gründet auch auf den zahlreichen Aktivitäten des Jubilars. Zweimal wöchentlich geht er ins Gut-Training in Mettmenstetten, steigt ab und zu auch noch aufs Velo, klopft einen Jass und liest viel, auch übers politische Tagesgeschehen. «Das ist gutes Training für Körper und Geist», fügt er bei. In früheren Jahren unternahm Ernst Jud auch lange Wanderungen. In der Hedinger Wandergruppe hat er rund 50 Wanderungen geleitet und bei etwa 150 mitgemacht.

2021 ist Ernst Jud mit Ehefrau Trudy von Hedingen nach Mettmenstetten gezogen, vom Einfamilienhaus in eine Viereinhalb-Zimmer-Mietwohnung – also dorthin zurück, wo seine Wurzeln liegen; er ist in Dachlissen-Mettmenstetten in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und blieb bis 1962 im Dorf. «Ein guter Schritt, 2021 von Hedingen wegzuziehen, denn der Hausunterhalt wurde uns zu viel. Und etwas Distanz zu Hedingen nach so vielen Jahren ist auch kein Fehler», sagt Ernst Jud.

Früher mehr Spielraum vorhanden

Groll gegen seinen ehemaligen Wirkungsort hegt er aber auf keinen Fall, denn er sah die Gemeinde quasi als seine «Familie». Seine Erinnerungen sind denn auch durchwegs positiver Natur: Von 1990 bis 2006 wirkte Ernst Jud als Gemeindepräsident. In dieser Zeit sank der damalige Maximalsteuerfuss auch dank finanzkräftiger Zugezogener markant, und der Spielraum einer Gemeindebehörde war damals grösser als heute: Gesetze und Verordnungen engen heute stärker ein. «Als Kantonsrat pflegte ich gute Beziehungen zu Regierungsräten, das hat manchmal auch geholfen», erinnert er sich. Ernst Jud, während gut 43 Jahren im Bankenwesen in leitender Stellung tätig, profilierte sich in erster Linie als Finanzfachmann. Ging es um solche Fragen, hat er im Kantonsrat im Namen der Fraktion oft das Wort ergriffen, Rechnungen und Budgets kommentiert. «In der FDP-Fraktion haben wir uns auch mal gestritten, sind dann aber in der Ratsdebatte geschlossen aufgetreten und haben mit einer Stimme gesprochen. Natürlich gelang das nicht immer», relativiert Ernst Jud, der sich immer als liberaler Sachpolitiker sah, frei von sturer Ideologie. Seit 1967 ist er FDP-Mitglied.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament 2002, dem er sieben Jahre angehörte, setzte sich Ernst Jud noch ab und zu auf die Zuschauertribüne – insbesondere dann, wenn Zahlen im Vordergrund standen.

Grosses öffentliches Engagement

Sein öffentliches Engagement ist beeindruckend: Ernst Jud war auch acht Jahre Schulpfleger, vier Jahre Mitglied der RPK, Verwaltungsrat bei der kantonalen Gebäudeversicherung, Hauptmann im Militär, in früheren Jahren auch Präsident des 2002 aufgelösten Turnverbandes am Albis, Turnveteranenobmann, Vereinskassier und -aktuar, dazu bis im Alter von 80 Jahren Rotkreuzfahrer. Er ist Mitglied des Lions Clubs Knonaueramt. Insgesamt kommen allein 28 Behördenjahre zusammen – eine veritable Bilderbuchkarriere. «Ohne meine Frau Trudy, mit der ich seit 1962 glücklich verheiratet bin, wäre das nicht möglich gewesen. Nicht jede Ehefrau hätte das mitgemacht», fügt Ernst Jud bei. Mit grosser Freude erwähnt er auch seine drei Kinder, die sieben Enkel und sechs Urenkel. «Privat geht es uns rundum gut.»

Die Debatten im Kantonsratssaal verfolgt Ernst Jud inzwischen nicht mehr live, bei Gemeindeversammlungen in Mettmenstetten ist er aber regelmässig präsent. Und mit Behördenmitgliedern tauscht er sich regelmässig aus. Jubilar Ernst Jud bleibt auch über die 90 hinaus ein aktiver Mitbürger.

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