Chef in einem sicheren Bezirk

Der bisherige Stellvertreter Kurt Bernet ist vom Polizeikommando zum neuen Bezirkschef ernannt worden. Offiziell tritt der Nachfolger von Markus Huber das Amt am 1. Mai an – in einem vergleichsweise sicheren Bezirk.

Kurt Bernet, der neue Bezirkschef der Kantonspolizei in Affoltern. (Bild Werner Schneiter)
Kurt Bernet, der neue Bezirkschef der Kantonspolizei in Affoltern. (Bild Werner Schneiter)

Ein paar Wochen nach der Verabschiedung von Markus Huber, der bei der Kantonspolizei neue Führungsaufgaben wahrnimmt, übernimmt nun Kurt Bernet das Amt des Bezirkschefs – kein Unbekannter in Affoltern. Von 1993 bis 2000 arbeitete er im Posten als Sachbearbeiter, wurde Gruppenchef im Stützpunkt Neubüel sowie später Kreischef in Thalwil und ist seit 2011 Stellvertretender Bezirkschef. Nur logisch also, dass er jetzt Chef wird? So ganz selbstverständlich ist das nicht. Aber mit seiner Wahl, die nach einer internen Bewerbung erfolgte, erfüllte sich der Wunsch seines Vorgängers und jener der Mannschaft in Affoltern. Diese umfasst neu 15 Polizistinnen und Polizisten, womit das Soll vollauf erfüllt ist. «Wir sind tatsächlich sehr gut aufgestellt, in personeller und materieller Hinsicht – sogar so gut wie noch nie», freut sich Kurt Bernet.

Auch wenn der neue Bezirkschef von einem vergleichsweise «sehr sicheren Bezirk Affoltern» spricht, mangelt es bei der Kantonspolizei nicht an Arbeit. Sie ist verantwortlich für die Grundversorgung in der Region, die mit Ausnahme der verkehrspolizeilichen Tätigkeit fast alles umfasst. Die Hauptarbeit in Affoltern findet allerdings im Bereich der Vermögensdelikte statt, also vom Ladendiebstahl bis zum Einbruch. Und gerade hier kann die Kapo Erfolge vermelden, ist doch auch im Bezirk Affoltern die Zahl der Einbrüche massiv gesunken – auch wenn es immer wieder zu «Schüben» kommt. «Die Zahl hat sich im Vergleich zu den 80er-Jahren halbiert», fügt Kurt Bernet bei.

Auch belastende Situationen

Selbstverständlich rücken Kapo-Mitglieder aus Affoltern auch bei Kapitalverbrechen aus. Sie sind bei Tötungsdelikten mitunter die Ersten vor Ort und leiten in diesem Fall die Koordination der verschiedenen Spezialdienste ein. Aber das kommt nicht so oft vor wie beispielsweise das Einschreiten bei häuslicher Gewalt. Diese Fälle tauchen in Statistiken häufiger auf als in früheren Jahren – auch, weil es sich in diesem Bereich nach einer Gesetzesänderung nicht mehr um ein Antrags-, sondern um ein Offizialdelikt handelt. Hat die Polizei Kenntnis von einem Fall, ist sie verpflichtet, aktiv zu werden. Es kommt zur Zusammenarbeit mit anderen Behörden wie zum Beispiel der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Kurt Bernet räumt ein, dass solche Fälle auch für Polizistinnen und Polizisten sehr belastend sein können, vor allem dann, wenn ihnen die Personen persönlich bekannt sind. «Kommt hinzu, dass wir uns auch machtlos fühlen, weil wir letztlich das Problem nicht immer lösen können», hält der neue Bezirkschef fest.

Ähnlich verhält es sich bei Vermisstenanzeigen. Bei der Suche nach vermissten Personen – zum Beispiel verwirrte Ältere oder Demente, die weglaufen – betreibt die Polizei einen sehr grossen Aufwand. Bis zu einem gewissen Punkt. «Wir können natürlich für einen Fall nicht endlos Leute einsetzen», sagt Kurt Bernet. Er erwähnt auch den Druck, dem die Kapo von Angehörigen ausgesetzt ist. Und den Zeitdruck, weil die Zeit oft gegen die Suchenden läuft und Angehörige ungeduldig macht. In solchen Fällen heisst es dann schnell: «Die Polizei unternimmt zu wenig». Manchmal kann (oder darf) sie gar nichts unternehmen, etwa dann, wenn ein Vermisster aufgefunden wird, der von zu Hause aus irgendeinem Grund «abgehauen» ist und nicht will, dass die Angehörigen von seinem Aufenthaltsort erfahren. «Dann dürfen wir keine Auskunft geben. Jeder gesunde Mensch kann frei entscheiden, was er tut», fügtBernet bei.

Verstärkte Zusammenarbeit mit der Kommunalpolizei

Die Übernahme des neuen Amtes geht nicht einher mit grossen Veränderungen bei der Kantonspolizei in Affoltern. «Markus Huber, mein Vorgänger, und ich sind da in allen (Führungs-) Bereichen nahe beieinander», stellt Kurt Bernet fest.

In Zukunft wird der Bereich Prävention und Gewaltschutz auch im Bezirk Affoltern weiter verstärkt, ebenso die Zusammenarbeit mit der Kommunalpolizei Affoltern, die Kurt Bernet schon heute als sehr gut bezeichnet. Hier sollen aber noch vermehrt Erkenntnisse ausgetauscht werden und auch eine stärkere Einbindung der Kommunalpolizei erfolgen.

 

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