Ciao, Rägle – Abschied nach 25 Jahren
Gut besuchte Konzerte des Musikvereins Hausen und Beginn einer neuen Ära
Viermal trat der Musikverein Harmonie Hausen mit seinem Jahreskonzert vor vollem Saal auf, jeweils mit einem bunten, abwechslungsreichen Programm unter dem Motto «Best of».
Die Dirigentin Rägle Brawand hatte die Werke zusammengestellt. Es waren ihre Highlights der vergangenen 25 Jahre. So lange ist es her, seit sie das Blasorchester leitet, und die vier Konzerte waren zugleich ihr Abschied. Am Samstag fand die Dernière der Dernièren statt. Die Stimmung im vollen Gemeindesaal Hausen war schon vor Beginn aufgeladen. Das Publikum wusste: Heute ist es das letzte Mal mit der beliebten rothaarigen Dirigentin.
Zur Überraschung spielte das Orchester das kurze Eingangsstück ohne ihre Leitung. Doch dann trat sie wie immer mit Schwung und einem Lächeln aufs Podest, hob den Taktstock und hatte bis zum Schluss des Abends die 50 Musizierenden und ihre Töne fest im Griff. Präsident Ueli Imhof sprach in seiner Begrüssung vom Countdown. An diesem letzten Konzert mit der geschätzten Dirigentin lief der Countdown von Stück zu Stück endgültig dem Ende einer Ära entgegen.
Die «Best of»-Auswahl war beeindruckend und zeigte einmal mehr das hohe Niveau des Vereins. Mit sauberer Intonation, unterschiedlicher Dynamik, einfühlsamer Interpretation und viel Spielfreude beglückten die Musizierenden das begeisterte Publikum. Sie nahmen die Zuhörenden mit in Klanggeschichten voller Dramatik oder zarter Harmonie. Matthias Morf, alias Hobo, führte wieder humorvoll durchs Programm und gab dem Publikum interessante Hintergrundinformationen zu den Werken. So erfuhr man zum Beispiel, was im Werk «Pilatus – Mount of Dragons» oder in «Dances with Wolves» musikalisch erzählt wird oder dass die Filmmusik «The Rock» zur abtretenden Dirigentin passt. «Es ist ein Lied über die Freiheit, Selbstbestimmung und das Lebensglück», so der Moderator.
Abschied mit Fanfaren
Die Abschiedskonzerte wurden bei einigen Stücken durch Musikerinnen und Musiker unterstützt, die in den letzten Jahren bereits mit dem Musikverein Hausen aufgetreten waren. So brachte der Dudelsackspieler Imre Antalfy Tattoo-Feeling in den Saal, und die Sängerin Barbara Brawand löste mit Liedern wie «I Will Always Love You» eine gefühlvolle Atmosphäre aus. Das 15-köpfige Streichensemble füllte die Bühne bis zum Rand und wurde zusammen mit dem Musikverein zum klangvollen Sinfonie-Blasorchester. Das Werk «Bohemian Rhapsody» war ein aussergewöhnliches Hörerlebnis mit Momenten, in denen alles rundherum vergessen ging und sich in den warmen Tönen auflöste.
Gegen Ende des Programms brauten sich die Emotionen zusammen. Unter den Fanfarenklängen zum Lied «Ciao, bella ciao» wurde die Dirigentin Rägle Brawand offiziell verabschiedet und beschenkt. Die begleitenden Worte von mehreren Mitgliedern des Vereins waren von Dank geprägt: «Du hast uns animiert, mit Begeisterung zu spielen und über uns hinauszuwachsen. Du hast uns gezeigt, was es heisst, gute Musik zu machen.» Ein Abschied bedeutet aber auch die Chance für Neues. Somit wurde der neue Dirigent Stefan Bänziger herzlich begrüsst, und Rägle Brawand übergab ihm einen Dirigentenstab. Zum letzten offiziellen Stück «When the Saints Go Marching in» schwenkten die Musizierenden ihr zum Abschied violette Tücher. Sie ihrerseits brauchte in diesem Moment ein Taschentuch. Die Zugaben waren die grossen Schlussbouquets. In der ersten mit «De Heiri hät sis Chalb verchauft» trat Hobo als Heiri vo Huuse auf. Die zweite Zugabe und zugleich das allerletzte Stück musizierten alle Beteiligten zusammen, das Sinfonie-Blasorchester mit Gesang und Dudelsack. Ein Abschluss, der das Publikum zu den lang anhaltenden Standing Ovations von den Stühlen riss. Das letzte Wort – vor der Quizauflösung, der Bestellung von Kaffee oder dem Besuch in der Bar – hatte die Dirigentin. Sie dankte für das schöne gemeinsame Vierteljahrhundert. «Unsere Ziele waren immer, gute Musik zu machen und die Kameradschaft zu pflegen. Ich wünsche meinem Nachfolger viel Spass mit dieser tollen Bande.»
Nachgefragt
Rägle Brawand, Sie haben nach 25 Jahren den Dirigentenstab an einen Nachfolger übergeben. Warum?
Ich bin jetzt noch fit und gesund. Ich möchte nun die Freiheit geniessen, ohne getakteten Terminkalender mit mehreren Proben pro Woche. Mir ist zudem bewusst, dass der Abschied so oder so irgendwann kommt.
Was war ihr erstes Erlebnis mit dem Musikverein Harmonie Hausen?
Das Schlüsselerlebnis fand 2001 statt. Da der Dirigent erkrankt war, sprang ich spontan ein und reiste mit dem Verein ans Eidgenössische Musikfest nach Fribourg. Dort lernten wir uns kennen, und ich spürte, dass ich mit diesen Musikantinnen und Musikanten gerne zusammenarbeiten würde.
Was macht für Sie den Musikverein Hausen aus?
Es ist einfach ein cooler Haufen. Sie haben es gut miteinander und sie strahlen eine grosse Spielfreude aus. Alle geben ihr Bestmögliches. Zudem sind sie immer wieder offen für originelle neue Projekte.
Und wie umschreiben Sie Ihren Einsatz für das Blasorchester?
Dirigieren und Leiten, das ist meine Leidenschaft. Ich habe stets versucht, aus den Mitgliedern ihre musikalischen Fähigkeiten herauszukitzeln. Ich habe sie gefordert. Sie liessen sich auch fordern und haben enorme Fortschritte gemacht.
Das Programm dieses letzten Konzertes setzte sich aus Ihren Lieblingswerken zusammen, die Sie mit dem Musikverein Harmonie Hausen während der letzten 25 Jahre einstudiert haben. Welches war besonders herausfordernd?
Das über zehn Minuten dauernde Stück «Pilatus – Mountain of Dragons» von Steven Reineke. Es beinhaltet viele Solopartien und ist für die Musizierenden durch seine Vielseitigkeit, die Einsätze und die unterschiedliche Dynamik anspruchsvoll. Aber auch das Werk «Bohemian Rhapsody» zusammen mit dem Streicherensemble stellte hohe Anforderungen.
Waren Sie zufrieden mit den Auftritten an den Konzerten?
Ja, ich war sehr glücklich und zufrieden mit den Leistungen des Orchesters, und ich habe ihnen natürlich jeweils auch ein grosses Lob ausgesprochen.
Was bleibt nun nach dem Abschied?
Es bleibt natürlich etwas Wehmut. Aber ich nehme als Erinnerung grossartige musikalische Erlebnisse, langjährige Beziehungen und viel Dankbarkeit mit. Dankbarkeit von mir, aber auch Dankbarkeit, die ich erlebt habe vom Verein und immer wieder vom Publikum. (mv)
Rägle Brawand, scheidende Dirigentin Musikverein Harmonie Hausen.










