Das Getreide ist unter Dach – mit schlechten Erträgen

Die Getreideernte ist vorwiegend abgeschlossen. Wie erwartet waren auch die Weizenerträge enttäuschend. Wie sich der Mais bis im Herbst noch entwickelt, ist schwierig zu prognostizieren.

Mitte Juli: viel zu niedrige Maispflanzen im Wasser. (Bild Marianne Voss)
Mitte Juli: viel zu niedrige Maispflanzen im Wasser. (Bild Marianne Voss)

Nach den schlechten Erträgen bei Gerste und Raps («Anzeiger» vom 19. Juli) traf bei der Weizenernte das ein, was alle befürchteten: ebenfalls sehr schlechte Erträge. Auch der Weizen hatte dermassen unter der Nässe zu leiden, dass er sich nicht wie gewünscht entwickeln konnte. Während der Blütezeit im Frühling regnete es, was schon die Bestäubung beeinträchtigte. Darauf folgte das viel zu kalte, nasse Wetter.

Zahlreiche Kulturen waren von Pilzkrankheiten wie Gelbrost oder Septoria befallen. Diese Pilzarten beschädigen die Blätter, was der Pflanze Kraft nimmt und ihr Wachstum einschränkt. Einzelne Weizenfelder erlitten sogar Schäden durch Mykotoxin, ein gefährlicher Pilz am Korn. Wie bei anderem Getreide war auch bei intensiven Kulturen die Behandlung mit Fungizid schwierig. Entweder regnete es oder die Böden waren zu nass, um mit Maschinen in die Felder zu fahren.

Markus Staub, Leiter Agrarhandel bei der Landi Albis, spricht von prekär schlechten Ernteerträgen. Beim extensiv angebauten Weizen liegen die Erträge in einem guten Jahr durchschnittlich bei sechs Tonnen pro Hektare. «Was in der letzten Woche abgeliefert wurde, brachte nur etwa die Hälfte davon auf die Waage.» Beim intensiv angebauten Weizen sah es etwas besser aus. «Statt der üblichen rund acht Tonnen, lag der Schnitt jetzt bei sechs Tonnen pro Hektare.» Auch die Qualität, das Hektolitergewicht, des abgelieferten Weizens sei schlecht. «Normal wären rund 77 Kilogramm. Jetzt lag es bei etwas über 70 Kilogramm, das tiefste Hektolitergewicht betrug sogar nur 68 Kilogramm.» Er habe bei vielen Lieferungen sogenannte Schmachtkörner festgestellt – also Körner, die sich nicht vollumfänglich entwickelt hatten.

Eine Herausforderung für die Landi Albis bedeutet die Verwertung von Weizen, der von Mykotoxin befallen ist. Als Brotweizen darf dieser sowieso nicht verwendet werden, aber auch bei der Verfütterung an Tiere bestehen Einschränkungen. Für Hühner oder Schweine ist der Pilz gefährlich. Im Extremfall müsse dieser Weizen in eine Biogasanlage geliefert werden, so Markus Staub.

Und der Mais?

Die grossen Maisfelder im Säuliamt sind nicht für den Menschen, sondern für das Vieh angebaut. Es handelt sich nicht um Süssmais, sondern um Futtermais. Ob Mais für Mensch oder Tier, er kommt aus Südamerika und liebt viel Sonne und Wärme. Und schon gar kein andauerndes Fussbad. Mitte Juli sahen viele Maisfelder aus wie sonst Anfang Juni. Auf 50 Zentimeter Höhe brachten es die Stängel vielleicht auf einen Meter. Normal wäre zu diesem Zeitpunkt 1,5 Meter. Was wird nun geschehen bis zur Ernte in zwei Monaten?

Ob die zurzeit meistens sehr dünnen Stängel noch erstarken? Ob sich die Kolben wirklich vollwertig ausbilden? Sicher ist der Standort, respektive der Boden, dieses Jahr entscheidend für eine gute Chance. Vermutlich wird der Körnermais für die Tierfütterung diesen Herbst aber rar sein. Und die Erträge beim Silomais werden sicher unter dem Durchschnitt liegen.

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