Das Säuliamt im «Schwitzerland»
Die Höchsttemperaturen von bis zu 37 Grad lösten eine eigentliche Völkerwanderung zu den Kühle spendenden Gewässern aus. Beim Hedinger Weiher, am Türlersee, in den öffentlichen Schwimmbädern sowie an den Reussufern war nur mit Mühe ein freies Plätzchen zu finden.

Am Wochenende hatten gefühlte hunderttausend Säuliämtler nur ein einziges Ziel: Sie strömten ans Wasser. «Pack die Badehose ein», hiess das Motto für die Mehrheit der Säuliämtler Einwohner. Es schien besonders am Sonntagnachmittag, dass sich die gesamte Bevölkerung des Knonauer Amtes gemeinsam in irgendeines der verschiedenen Gewässer stürzen wollte.
Mit Kind und Kegel, Schwimmringen, Flossen und Schnorchel bepackt, strömten die Badefreudigen in die Badis, an die Reuss oder an den Türlersee. Dort versichert denn auch Andi Glättli, Chef des Campingplatzes, dass dieser Samstag und Sonntag wohl als Top-Wochenende des Jahres bezeichnet werden dürfen. Er freut sich sehr über den Massenauflauf und liebt die heissen Tage, obwohl sie für ihn und sein Team immer auch viel Mehrarbeit bedeuten.
Hochbetrieb herrschte natürlich auch in den Badis Maschwanden, Mettmenstetten und Obfelden, wo sich die allermeisten Besucher entweder im Wasser oder aber ganz sicher im Schatten aufhielten. Das Thermometer in der Badi Stigeli zeigt am Samstagnachmittag stolze 37,5 Grad an. Die Tropenhitze kann jedoch den menschlichen Organismus ganz schön belasten.
Blanke Anarchie auf den Parkplätzen
Damit das Gehirn und die übrigen Organe optimal arbeiten, benötigt der Körper 37 Grad. Bei sehr hohen Umgebungstemperaturen wird er zusätzlich gefordert, um die überschüssige Wärme abzuführen. Ganz offensichtlich wirkt sich diese Anstrengung bei einigen Personen auch auf den gesunden Menschenverstand im Allgemeinen und auf Respekt und Anstand im Besonderen aus. Darüber könnten Polizistin Nadja Iten und ihr Kollege Christian Spalinger von der Kommunalpolizei einige Episoden erzählen. Der «Anzeiger» durfte am Samstagnachmittag die beiden Ordnungshüter in einem Patrouillenfahrzeug zu einigen tangierten Parkplätzen begleiten. Nur ging es bei den Ordnungshütern nicht um Abkühlung, sondern darum, den Ansturm der Fahrzeuge auf den Parkflächen und an den Ufern einigermassen in Grenzen zu halten.
Während in der Umgebung des «Stigeli» sehr diszipliniert parkiert wurde, war beim Hedinger Weiher praktisch kein Durchkommen mehr. Bei der Reussbrücke in Obfelden herrschte blanke Anarchie. Ein Feldweg war völlig überstellt und ein Teil eines Getreidefeldes wurde von offensichtlich überhitzten Automobilisten kurzerhand okkupiert und zum Autoabstellplatz umfunktioniert.
Wer auf der Reussbrücke in Ottenbach stand, konnte zeitweise im Minutentakt grössere und kleinere Gummiboote und fantasievoll gebastelte Flosse beobachten. Auf dem ruhig dahinfliessenden Fluss herrschte in Gegensatz zu den Parkplätzen erholsame Gemächlichkeit. Der grosse Ansturm auf die Gewässer verursachte aber auch viel Leergut und Müll. Wer aber glaubte, bei den Badeplätzen an der Reuss hätten die Sonnenhungrigen am Abend eine Unordnung hinterlassen, der täuschte sich. Am frühen Sonntagmorgen war zwar eine grosse Menge Kehricht rund um die überfüllte Abfalltonne gelagert. Auf den Uferwiesen und Kiesbänken aber war nicht einmal eine leere Bierdose zu finden.


