«Dass meine Zeit auf diese Weise endet, ist sehr traurig»

Der Wirt des «Time Out»-Cafés hadert nach dem Brand, auch andere Mieter bangen um ihr Inventar

Die Liegenschaft an der Zürichstrasse in Affoltern gilt seit dem Brand am vergangenen Samstagmorgen als einsturz-gefährdet. Das Areal wurde deshalb polizeilich abgesperrt. (Bild Livia Häberling)

Die Liegenschaft an der Zürichstrasse in Affoltern gilt seit dem Brand am vergangenen Samstagmorgen als einsturz-gefährdet. Das Areal wurde deshalb polizeilich abgesperrt. (Bild Livia Häberling)

Noch einmal legt der Pöstler am Montagmorgen die Post in den Briefkasten, als wäre nichts gewesen. Wäre da nicht das rot-weisse Flatterband, unter dem er sich hindurch ducken muss.

Seit Samstag ist dieses Areal polizeiliches Sperrgebiet: In den Stunden davor hat es hier einen mehrstündigen Feuerwehr- und Polizeieinsatz gegeben. Um sechs Uhr morgens rückten die Feuerwehr und die Kantonspolizei an die Zürichstrasse 63 aus. Aus der Liegenschaft drang Rauch, sechs Personen konnten das Gebäude selbstständig verlassen. Eine Person wurde verletzt und nach der medizinischen Erstversorgung ins Spital gebracht.

Die Spuren des Einsatzes sind noch sichtbar: Neben dem Eingang des «Time Out»-Cafés liegen Scherben, die kaputte Glasfront ist behelfsmässig mit Holzlatten geflickt. Die Türen der Liegenschaft sind versiegelt, im ersten Obergeschoss stehen mehrere Fenster offen wie erschrockene Münder. Noch immer liegt der Geruch von Verkohltem in der Luft.

Wirt des «Time Out»-Cafés will sich als Kellner über Wasser halten

Dem Abriss geweiht war das Gebäude schon länger, weil es einem Neubau weichen muss. Doch nun kam das Ende früher und vor allem anders als gedacht. «Dass meine Zeit auf diese Weise endet, ist sehr traurig», sagt Rasa Milovanovic. Der 55-Jährige hat im Erdgeschoss während 22 Jahren das «Time Out»-Café betrieben. An sechs Wochentagen hat er hier Gäste bewirtet, serbische Schnäpse ausgeschenkt und Cocktails gemixt, ab und zu draussen den Grill angeschmissen. «Mein Mietvertrag lief noch bis Ende Oktober», sagt Milovanovic.

Gemäss Facebook-Seite ist das «Time Out»-Café in der Nacht von Freitag auf Samstag jeweils bis um 4 Uhr morgens geöffnet. Manchmal habe er nach der Arbeit auch im Café geschlafen, sagt der Pächter. «Zum Glück nicht in dieser Nacht!» Wann genau er in der Brandnacht nach Hause gekommen ist, weiss Rasa Milovanovic nach eigenen Angaben nicht mehr. «Ich wurde kurz vor 8 Uhr angerufen und darüber informiert, dass es gebrannt hat.» Daraufhin sei er an den Ort des Geschehens zurückgekehrt und später von der Polizei befragt worden. Das Mehrfamilienhaus ist aufgrund der Brand- und Wasserschäden nun unbewohnbar und einsturzgefährdet. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Franken.

Ein neues Lokal habe er noch nicht in Aussicht gehabt, es sei aber seine Absicht gewesen, an einem anderen Ort wieder zu eröffnen, sagt Milovanovic. Am 31. Oktober hatte er in der bisherigen Liegenschaft noch eine kleine Abschiedsfeier geben wollen. Daraus wird nun nichts: Aufgrund der Schäden darf der Café-Betreiber das Gebäude nicht mehr betreten. Auch sein Inventar befindet sich noch darin. Was davon noch brauchbar ist, wird sich zeigen. Wie es nun weitergeht, weiss Rasa Milovanovic nicht. Zur Überbrückung werde er sich eine Stelle als Kellner suchen.

Auch Inventar des «Laternenstübli» betroffen

In der Liegenschaft eingemietet war auch die Kontaktbar «Metropol», die neben dem Barbetrieb mit Animierdamen auch Zimmer vermietet. Vieles spielte sich dort diskret und im Verborgenen ab, die Gäste kamen vorwiegend nachts. Nur einmal, im Herbst 2023, geriet das «Metropol» in die Schlagzeilen, als sechs Männer vor dem Club aufeinander losgingen. Ob und wie es nach dem Brand mit dem «Metropol» weitergeht, ist unklar. Die Inhaber waren für den «Anzeiger» nicht erreichbar.

Bereits ausgezogen sind Luciano Ponzo und Katrin Hübner mit ihrem «Laternenstübli». Seit Mitte September führen sie das Lokal im ehemaligen Restaurant Rütli in Obfelden («Anzeiger» vom 4. September). Ein Teil ihres Inventars war allerdings noch am früheren Standort an der Zürichstrasse eingelagert. «Wir wissen nicht, ob wir diese Sachen noch abholen können und ob sie überhaupt noch brauchbar oder komplett zerstört sind», sagt Katrin Hübner.

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