Ein Brauchtum, das Bestand hat
Keine Nachwuchssorgen: 20 Kinder am Spräggele-Baukurs in Ottenbach

In Ottenbach ist die Spräggele, dieser kulturhistorisch bedeutsame Brauch, nicht vom Aussterben bedroht, weil Nachwuchs vorhanden ist: rund 20 Kinder beteiligten sich am Spräggele-Baukurs.
Dieser Brauch wird in Ottenbach seit über 200 Jahren gepflegt: In diesem Jahr findet die Spräggele am 4. und 11. Dezember statt, erst ist der Nachwuchs dran, eine Woche später die Erwachsenen. Dann rennen die furchterregenden Schnabelgeissen – zum Grossteil Mitglieder des Turnvereins und des Pontonierfahrvereins, aber auch Vereinslose – mit grossen Hörnern und weissem Umhang durchs Dorf und schliesslich auf den Dorfplatz. Und da wird jeweils «Jagd» aufs Publikum gemacht – nicht mehr so wild wie in früheren Jahren, aber gleichwohl faszinierend für das Publikum. Das Erschrecken von Gross und Klein steht nicht mehr im Vordergrund. Der kulturhistorisch bedeutende Brauch ist mehr identitätsstiftendes Fest – geeignet, die Dorfgemeinschaft zu pflegen.
Kuh- oder Holzhorn?
Die Spräggele wird auch in den kommenden Jahren Bestand haben. Beleg dazu ist die Präsenz des Nachwuchses. An der kleinen Spräggele beteiligten sich im vergangenen Jahr rund 80 Kinder und Jugendliche. Dass das so bleiben wird, zeigt der Spräggele-Baukurs für Kinder ab der 1. Klasse. Rund 20 dieses Nachwuchses fanden sich zu Beginn dieser Woche im Schulhaus ein, um unter Anleitung von Jugi-Leitern ihre Schnabelgeiss selbst herzustellen – zumindest teilweise. Denn die Vorarbeiten leistete Köfler Holzbau in Zwillikon.
Aber die Kinder können gleichwohl Hand anlegen, Holzträmmel aufschneiden, Löcher bohren, auf einem Brett die Traggurte montieren, Umlenkrollen schrauben, eine Schnur einziehen, Holz schleifen – und wählen, ob sie ihre Schnabelgeiss mit Kuh- oder Holzhörnern versehen wollen. Kuhhörner stammen von der Ottenbacher Metzgerei Zaugg. «Im Kurs wird Basisarbeit geleistet. Die Kinder können ihre Schnabelgeiss zu Hause dann individuell verzieren, mit Haaren und/oder Tuch versehen, womöglich auch Augen beleuchten», sagt Rafael Wyttenbach von der Kursorganisation des Turnvereins, der die Vorfinanzierung übernimmt. Kinder bzw. deren Eltern leisten einen Material-Unkostenbeitrag, der sich dank Sponsoring der beteiligten Firmen in Grenzen hält.
Die Vorfreude auf die kleine und grosse Spräggele ist gross – auch, weil es «chläpperet» und die Leute erschreckt werden, wie die elfjährige Shayana sagt, bevor sie einen Nagel ins Holz schlägt.


