Den Standort neu vermarkten
Die neuen Besitzer, die anonym sind, wollen die Autobahnraststätte erhalten und den Standort neu vermarkten. Das nimmt Zeit in Anspruch, aber Zeitdruck besteht nun aufgrund der neuen finanziellen Ausgangslage nicht mehr.

Fehlende Frequenzen und ein zu teurer Bau – zwei Hauptgründe für den Krebsgang der Autobahnraststätte MyStop. Nachdem Sanierungsmassnahmen nichts fruchteten und sich zeigte, dass aus eigener Kraft keine Befreiung aus der misslichen Lage möglich ist, beschloss die ausserordentliche Generalversammlung der Autobahn-Raststätte A4 AG im letzten Winter, Immobilie und Betrieb zu verkaufen – und das gelang im Frühjahr 2015. Mit einer Investorengruppe, die auch heute nicht näher bekannt ist, konnte das Verkaufsgeschäft getätigt werden; über den Kaufpreis wurde – wie in solchen Fällen üblich – Stillschweigen vereinbart. Mutmasslich ein «Schnäppchen». Die neue Besitzerin ist eine sowohl in der Schweiz als auch international tätige Immobilien-Investmentfonds-Gruppe, die sämtliche Geschäftsaktivitäten, die Konzession, die Liegenschaft, Mitarbeitende und Lieferanten übernahm.
Seither ist die Autobahn-Raststätte A4 AG Geschichte und heisst nun Raststätte Knonaueramt AG. Durch die Erhöhung der Rangrücktritte konnte ein Konkurs abgewendet werden. Die Abschreiber der Banken – Zürcher und Urner Kantonalbank – sind beträchtlich. Immerhin wies die alte AG ein Fremdkapital von 16 Mio. Franken aus. Gleichwohl zeigten sich beide Banken gegenüber den Aktionären kulant, indem sie ihnen knapp 300 000 Franken auszahlen. «Eine aussergewöhnliche Geste», sagte Verwaltungsratspräsident Peter Zgraggen an der letzten Generalversammlung in der Geschichte der Autobahn-Raststätte A4 AG. Derzeit läuft über ein Treuhandbüro aus der Ostschweiz eine bis 30. Juli 2015 befristete Rückkaufaktion von Aktien. Den Besitzern wird ein Preis von Fr. 16.50 geboten; wie viele davon schon Gebrauch gemacht haben, wollte der zuständige Treuhand-Mitarbeiter nicht bekannt geben. Klar ist, dass das der berühmte «Tropfen auf den heissen Stein» ist. Auch die Aktionäre müssen einen happigen Abschreiber in Kauf nehmen, lag doch der Wert der Aktie einst bei 1000 Franken. GastroZürich beispielsweise investierte damals über 3 Millionen Franken ...
Zum attraktiven Platz machen
«Die neuen Besitzer sind sehr stark mit Weichenstellung beschäftigt. Klar ist, dass sie die Raststätte als solche erhalten wollen», sagt MyStop-Geschäftsführer Thomas Lohmann. Dabei dienen ihnen auch die vom «alten» Verwaltungsrat erarbeiteten Ideen und Lösungsansätze. Klar ist, dass die Raststätte auch in Zukunft über ein Restaurant verfügt, wie das die Konzession verlangt – in welcher Form und auf welcher Etage ist laut Lohmann offen. Gewiss ein heikler Punkt, denn mit dem Restaurantbetrieb in der dritten Etage brachten es die vorgängigen Betreiber nie auf einen grünen Zweig.
Als positiv vermerkt der Geschäftsführer den Umstand, dass der neue Verwaltungsrat über mehr Zeit für Sanierungsmassnahmen verfügt und durch die jetzige finanzielle Situation mit den neuen Besitzern der Druck gewichen ist. Gleichwohl bleibt die erforderliche Neuvermarktung der Raststätte eine Herkulesaufgabe. «Während fünf Jahren hat man stets den gleichen Satz gehört: MyStop läuft nicht, ist ein Sanierungsfall. Dieses Image gilt es nun mit den neuen Besitzern zu korrigieren», hält Thomas Lohmann fest – auch er ist bestrebt und willens, die Raststätte zum attraktiven Platz zu machen.
Nun, das erste Quartal dieses Jahres lief umsatzmässig gut, das zweite wegen des Euro etwas harziger. Bei den Benzinverkäufen verzeichnet die Raststätte einen Einbruch wie andere auch, wogegen die Shops nach wie vor Umsatztreiber sind. «Da haben wir mehr als im Vorjahr», fügt Thomas Lohmann bei.


