Der Buchdrucker wütet in den Wäldern in Reussnähe
Die kiesigen Böden im Reusstal können nicht so viel Wasser speichern wie Böden in höheren Lagen. Deshalb fielen 2015, durch die lange Trockenheit, zahlreiche Rottannen dem Fichtenborkenkäfer zum Opfer.
Fichtenborkenkäfer oder Buchdrucker sind vier bis fünf Millimeter kleine, braune Insekten, die sich bevorzugt in geschwächte Rottannen einfressen. Rottannen oder Gemeine Fichten sind feuchtigkeitsliebende Bäume, die flach wurzeln. Dies macht sie besonders anfällig für Trockenheit, da sie – im Gegensatz zu Pfahlwurzlern – Wasser nicht aus der Tiefe holen können. In Gegenden wie dem Reusstal, wo der Boden stark kieshaltig ist, sind Fichten besonders trockenheitsgefährdet.
2015 war ein gutes Käferjahr
Der Frühling 2015 war verhältnismässig feucht, weshalb die Bäume trotz des warmen und trockenen restlichen Jahres genug Wasser hatten. «Auf wasserdurchlässigen Schotterböden, welche auch im Reusstal vorhanden sind, waren die Fichten jedoch grossem Stress ausgesetzt und konnten sich nicht so gut wie gesunde Bäume vor dem Befall des Buchdruckers schützen – dieser konnte sich dank des warmen und trockenen Wetters zudem bis in höhere Lagen gut vermehren», erläutert Franz Meier, von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf.
600 Kubikmeter Fichten sind dem Buchdrucker zum Opfer gefallen
Normalerweise würden sich Rottannen durch Harzproduktion vor dem Eindringen des Fichtenborkenkäfers schützen. Wenn sie jedoch angeschlagen sind, funktioniert dieser Abwehrmechanismus nicht mehr vergleichbar gut und sie sondern sogar einen Botenstoff ab, der Buchdrucker anzieht. So sind bis zum Winter 2015 in den Forstrevieren von Obfelden, Ottenbach, Knonau und Maschwanden – auf einer Fläche von 650 Hektaren Wald – 600 Kubikmeter Fichten dem Buchdrucker zum Opfer gefallen. «Dies entspricht rund zehn Prozent der Jahresnutzung des Forstreviers. Die Waldbesitzer müssen dabei Verkaufseinbussen über 25 Prozent im Vergleich zu gesundem Frischholz in Kauf nehmen», erklärt Revierförster Flurin Farrer.
Da Fichtenborkenkäfer extrem kälteresistent sind, wird es im kommenden Sommer eine im Vergleich zu den Vorjahren grosse Buchdrucker-Population geben – egal wie kalt der Winter noch wird. «Der Schädling befällt aber nur in Extremfällen auch gesunde Bäume, wie beispielsweise im Jahr 2003, als die Buchdrucker-Population extrem hoch war; dies aufgrund des Sturmes Lothar, der 1999 über die Schweiz gefegt ist und für Unmengen Totholz in den Wäldern gesorgt hatte», erläutert Franz Meier.








