«Der Integrationsauftrag ist erfüllt»

Die Schweizer Trägerschaften verabschieden sich per Ende Jahr vom Centro Sociale in Affoltern

Die Schweizer Trägerschaften verabschieden sich zwar vom Centro Sociale, wollen aber weiterhin Kontakt pflegen – wie beim traditionellen, gemeinsamen Essen, das jeweils im Dezember im Centro stattfindet. (Bild Werner Schneiter)
Die Schweizer Trägerschaften verabschieden sich zwar vom Centro Sociale, wollen aber weiterhin Kontakt pflegen – wie beim traditionellen, gemeinsamen Essen, das jeweils im Dezember im Centro stattfindet. (Bild Werner Schneiter)

Mit dem Austritt werden natürlich keine Freundschaften aufgekündigt. Italienerinnen und Italiener, die zum Teil seit vielen Jahren im Säuliamt wohnen und arbeiten, werden den Kontakt zu den Vertretern der Schweizer Institutionen weiterhin pflegen. Von Freundschaft geprägt war auch das traditionelle, gemeinsame Jahresschlussessen im Centro an der Giessenstrasse in Affoltern.

«Integrationsmassnahmen, Hilfeleistungen und administrativer Beistand sind heute nicht mehr nötig. Der Integrationsauftrag ist erfüllt», sagte Jürg Schmidlin, Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes zum Rückzugsentscheid der Schweizer Trägerschaften. Ein Entscheid, den die italienische Seite nachvollziehen kann, aber trotzdem bedauert. «Eine grössere Trägerschaft gibt uns mehr Sicherheit und ist auch gut fürs Image. Wir müssen uns reorganisieren und haben nun auch in finanzieller Hinsicht mehr Verantwortung», sagt Franco Palattella, Vizepräsident des Centro.

Im Centro sind alle willkommen

Die Trägerschaft des Centro Sociale besteht nun aus den fünf italienischen Vereinen, dem sogenannten Comitato Cittadino Affoltern. Aus diesem Kreis wird das Centro an der Giessenstrasse in Affoltern betreut. Als Gerant verantwortet Bruno Viglione seit sieben Jahren den Restaurantbetrieb, wo es – auf Vorbestellung – auch Fisch gibt. Dieser ist wochentags von 16 bis 19 Uhr geöffnet sowie am Wochenende. Es ist vor allem ein Treffpunkt für einen Teil der 1800 Italienerinnen und Italiener, die im Säuliamt wohnen. «Es würde uns freuen, wenn auch mehr Schweizer zu uns kommen würden», sagt Franco Palattella. Das Lokal sei bestens geeignet für Familien- und Vereinsfeste, Tanzanlässe oder kulturelle Veranstaltungen, fügt er bei. Mit den Frequenzen ist man zwar zufrieden, aber es gibt offenbar noch «Luft nach oben», weil auch der Generationenwechsel spürbar ist. «Viele Junge, die hier geboren sind, kommen leider nicht ins Centro», so die Verantwortlichen, die anlässlich des 30-Jahre-Jubiläums eine ans Lokal angrenzende Boccia-Bahn gebaut haben – das Spiel der Italiener schlechthin.

Von der «Villa Roma» zum Pavillon an der Giessenstrasse

Zu hoffen bleibt natürlich, dass das Centro noch stärker zum multikulturellen Ort mutiert und weiter gedeiht. Die Anfänge konkreter Integrationsmassnahmen gehen ins Jahr 1981 zurück. Damals entstand in Affoltern das neue Pfarreizentrum, wodurch die damalige Vereinshalle «Villa Roma» nicht mehr gebraucht wurde. Sie fand auf dem gemeindeeigenen Grundstück hinter der Bier-Import AG eine neue Heimat – dort, wo heute der Coopark steht. Als dieses Grundstück beansprucht wurde, musste das Lokal weichen. Eine Verlegung erwies sich als zu kostspielig. Die Gemeindeversammlung bewilligte schliesslich 1997 im Rahmen des Voranschlags 400000 Franken Beitrag an einen Neubau am heutigen Standort, der auch dank vieler Fronstunden realisiert werden konnte. Bedeutung hat das Centro nicht nur als Vereinslokal und Treffpunkt. Viele Jahre war es auch ein Dienstleistungszentrum mit einer Verbindungsperson zum italienischen Generalkonsulat in Zürich. Für Beratungen aller Art und Erledigung von Arbeiten konnte man sich an eine Vertrauensperson wenden und einen speziellen Raum benützen.

Gemeinde, Arbeitgeberverband und katholische Kirchgemeinde halfen in all den Jahren mit, die Integration der italienischen Bevölkerungvoranzutreiben.

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