Der Klimawandel zeigt sich auch in den Säuliämtler Freibädern

2014 und 2016 waren verregnete Sommer, 2015 war es rekordheiss und trocken. Die Betreiber von Badi-Restaurants im Bezirk Affoltern sind dieser Akzentuierung des Klimas schutzlos ausgeliefert. Das rentable Betreiben einer Badi-Beiz wird deshalb immer schwieriger.

Kinder sind die treusten Badi-Kunden. Sie geniessen das Wasser auch wenn der Himmel bewölkt ist. (Bild Salomon Schneider)
Kinder sind die treusten Badi-Kunden. Sie geniessen das Wasser auch wenn der Himmel bewölkt ist. (Bild Salomon Schneider)

Der Betrieb eines Freibades ist für eine Gemeinde nicht nur ein wichtiger Standortfaktor, sondern auch ein belebendes Element für das Dorfleben. Das kostendeckende Betreiben einer Badi wäre zwar wünschenswert, ist aber unrealistisch. Die Bau- und Unterhaltskosten sind hoch, um die Sicherheit zu gewährleisten, müssen Badmeister und Schwimmaufsichten eingestellt werden und die Eintritte sollen im moderaten Rahmen liegen, gerade für einheimische Besucher. In den Freibädern in Mettmenstetten, Obfelden und Affoltern sind die Badmeister beim Werkdienst angestellt. So sind sie flexibel verfügbar. Maschwanden hat eine Bademeisterin gefunden, die im Stundenlohn arbeitet und auch den Badi-Kiosk führt.

Nicht zum Treffpunkt geworden

Das Badi-Restaurant wird verpachtet und sollte eigentlich den Betrieb mitfinanzieren. Doch der Klimawandel und die damit einhergehende Akzentuierung der Wetterverhältnisse, machen den Betreibern der Badi-Beizen das Leben schwer. Das immer extremere Wetter führt in sonnigen Sommern zu überlaufenen Badis, in anderen Jahren sind die Freibäder fast leer. Das Problem dabei ist, dass sich die Badis mit jeder Saison neu als Treffpunkt etablieren müssen – und zwar bevor die Sommerferien beginnen. In warmen Jahren, wie dem Sommer 2015, funktioniert dies super und auch während der Sommerferien waren die Badis gut besucht. Dieses Jahr ist das Wetter seit Anfang der Sommerferien zwar gut, aufgrund des durchzogenen Frühlings sind die Badis jedoch nicht zum primären Familien-, Freundes- und Feierabend-Treffpunkt für das ganze Dorf geworden.

Die Besucherzahlen variieren von Jahr zu Jahr extrem stark

Die Besucherstatistik der Badi Mettmenstetten zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich das Freibad in den vergangenen Jahren besucht worden ist. Dieses Jahr war die Badi seit Saisonbeginn an 27 Tagen geschlossen und nur an neun Tagen waren um 16.30 Uhr, der Zeit mit dem höchsten Besucheraufkommen, über 150 Personen im Freibad. 2015 war die Badi im selben Zeitraum nur an zehn Tagen geschlossen und an 21 Tagen waren um 16.30 Uhr über 150 Personen anwesend. Das Jahr 2014 war nur wenig besser als dieses Jahr; das Jahr 2013 war ein Durchschnittsjahr, mit vielen geschlossenen Tagen aber vielen Besuchern, da der Frühling sehr mild war.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich auch in Affoltern, wo dieses Jahr seit Saisonbeginn erst 18315 Personen die Badi besucht haben, im Vergleich zu 33497 Besuchern in derselben Periode des Vorjahrs.

Flexibles Personal ist gefragt

Für die Betreiber der Badi-Restaurants ist das sehr unterschiedliche Besucheraufkommen eine grosse Belastung.Einerseits sind die in der Gastronomie ohnehin bereits schwierig einschätzbaren Umsätze noch unregelmässiger, andererseits ist die Personalplanung nur äusserst kurzfristig möglich. «Bei vielen Besuchern bin ich auf kurzfristig verfügbares Personal angewiesen, bei Schlechtwetterperioden kann ich dieselben Leute manchmal tagelang nicht beschäftigen», erklärt Roland Bulliard die alltägliche Zwickmühle der Badi-Beiz-Betreiber. Die Folge ist, dass es an Sonnentagen in den Badi-Restaurants schnell stressig wird, während die Angestellten und die Betreiber bei Schlechtwetter in finanzielle Schieflagen kommen können. Optimal für den Betrieb einer Badi-Beiz ist, aufgrund des sehr unterschiedlich anfallenden Arbeitsaufwands, eine Familie, bei der alle mithelfen. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass auch in einem schlechten Sommer die gesamte Familie auf das Einkommen aus der Badi angewiesen ist. Zudem müssen sich die Wirte einer Badi-Beiz auch noch im Winter um ein Auskommen kümmern, wenn die Arbeitsmarktsituation sowieso angespannter ist.

Parkierregime und Auswärtigenbenachteiligung

Neben dem schlechten Wetter haben die Betreiber der Badi Mettmenstetten noch mit veränderten äusseren Bedingungen zu kämpfen. Die Parkplätze kosten neu einen Franken pro Stunde und Auswärtige zahlen zwei Franken mehr als bisher, dafür wurden die Preise für die Saisonkarten für Einheimische reduziert. René Kälin verteidigt die Einheimischenbevorzugung: «Ich glaube nicht, dass das Parkregime dafür verantwortlich ist, dass die Badi dieses Jahr bisher so schlecht besucht ist, gerade auch, da es neu sehr viel mehr Fahrradparkplätze hat, die natürlich immer noch kostenlos sind.»

Schlussendlich sind es jedoch nicht die äusseren Umstände, sondern die Stammgäste, die in den Badi-Beizen den Unterschied machen – egal, ob diese einheimisch oder auswärtig sind. Nur wenn sich die wöchentliche Jassrunde, der Kaffeetreff oder der Mittagsstammtisch im Sommer ins Freibad verlagern, haben die Betreiber der Badi-Beizen eine Chance, auch in regnerischen Sommern ein lebenssicherndes Einkommen erwirtschaften zu können.

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