Der Weg der Buchstaben, bis sie gelesen werden können
Jeden Dienstag und Freitag informiert der Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern über Neuigkeiten aus dem Säuliamt. Es sind viele Arbeitsschritte nötig und ein langer Weg, bis die Leser die Zeitung geniessen können. Gedruckt wird der «Anzeiger» in Aarau auf der modernsten Druckanlage der Schweiz.

Die Feststellung «Es stand im ‹Anzeiger›» ist im Säuliamt eine nicht selten zu hörende Redewendung. Der «Anzeiger» gilt im Säuliamt als zuverlässiges Nachrichtenorgan, als Meinungsforum und nicht wenige Leser halten ihn auch für ein wichtiges Kulturgut. Die kostenlose Lieferung in jede Haushaltung wird von der Bevölkerung sehr geschätzt.
Der Weg der zirka 25'000 Exemplare von der Redaktion über die Druckerpresse bis in den Briefkasten zweimal wöchentlich, ist eine regelrechte technische und logistische Herausforderung. Diese beginnt bei der Übermittlung eines Artikels vom Journalisten an die Redaktion. Fast geisterhaft und je nach Computer sogar von einem «Windgeräusch» begleitet, rasen Texte und Bilder vom Berichterstatter ins Redaktionsbüro.
Die Ablieferung eines Zeitungsberichtes ist von keiner Uhrzeit abhängig. Verlangt der Redaktionsschluss oder die Aktualität des Themas eine Zustellung mitten in der Nacht, so stellt das technisch absolut kein Problem dar. Ein Tastendruck genügt und der Verantwortliche für die Gestaltung der Zeitung ist in der Lage, jederzeit mit der Arbeit zu beginnen. Ist die Zeitung druckbereit, genügt ein ebensolcher Tastendruck um die digitale Version nach Aarau in die Druckerei zu übermitteln. Bei der dortigen Mittelland Zeitungsdruck AG spielt ein Ungetüm namens KBA Commander CT mit Jahrgang 2014 die Hauptrolle. Albert Schützinger, Abteilungsleiter Zeitungsdruck ist sozusagen der Chef der modernsten Druckmaschine der Schweiz.
30 Minuten und 14,5 Kilo Farbe für 25'400 Zeitungen
Die 25'400 Exemplare des «Anzeigers» werden an diesem Donnerstagnachmittag in der Halle, welche so gross ist wie ein Fussballfeld, innert gut 30 Minuten gedruckt. Dafür wird zu 90% recyceltes Papier verwendet, welches in grossen dicken Rollen von rund 1,5 Metern Durchmesser angeliefert wird. Die Ausgabe Nr. 62 des «Anzeigers» vom Freitag, 5. August 2016, verbrauchte insgesamt 14,5 Kilogramm Farbe nämlich 9,9 Kilo schwarz, 1 Kilo Magenta (Purpurrot), 2 Kilo Yellow (Gelb) und 1,7 Kilo Cyan (Türkis).
Patrick Hohler, Leiter Zeitungsproduktion, ist verantwortlich für den Druck von rund einem Dutzend weiterer Zeitungen der AZ Medien. Gedruckt werden Produkte in den Formaten Broadsheet für den «Anzeiger» und Tabloid für Pendlerzeitungen wie zum Beispiel «20 Minuten». Die Zeitungen, welche unter den kritischen Augen von Patrick Hohler gedruckt werden, liest er in der Regel nie. Mit einem Augenzwinkern korrigiert er dann allerdings seine Aussage und hält fest, dass er den «Anzeiger» vielleicht bei einer der sehr seltenen Arbeitspausen doch auch schon näher angeschaut habe.
Sehr genau hinschauen muss auch Rotationsdrucker Sandro Scanga bei den ersten Exemplaren, welche am Ende der Druckstrasse vom Commander CT ausgespuckt werden. Nach dem Druck werden allfällige Werbebeilagen hinzugefügt, die Zeitungen versandbereit in spezielle Wagen verpackt, wo sie dann von der Post am späteren Nachmittag abgeholt und im Säuliamt weiterverteilt werden.


