Die Brücke ist voll – gebaut wird trotzdem noch lange nicht

Bereits 2009 galt die Querung als knapp bemessen − dennoch soll ein Ausbau bis 2040 warten

Diese Aufnahme ist an einem Dienstag nach 7 Uhr entstanden. Zu sehen sind die beiden Zufahrtsstrassen, die von Obfelden durch das Dorf (linker Bildbereich) und via Überdeckung Bickwil zur Autobahnquerung führen. (Bild CH Media)
Diese Aufnahme ist an einem Dienstag nach 7 Uhr entstanden. Zu sehen sind die beiden Zufahrtsstrassen, die von Obfelden durch das Dorf (linker Bildbereich) und via Überdeckung Bickwil zur Autobahnquerung führen. (Bild CH Media)

«Trampolinspringen ist für die Kinder schlicht das Grösste», sagt die 46-jährige Claudia. An einem Samstag Anfang September steht sie vor der neuen Multisporthalle Movecity, die an jenem Tag offiziell Eröffnung feiert. Claudia wohnt in Sarnen (OW). Sie sagt, bisher sei Affoltern ein Ort gewesen, an dem sie «höchstens vorbeigefahren» sei. Aber dann sei Hornbach gekommen, und nun diese Halle mit den Trampolinen. «Da nimmt man den Weg gerne in Kauf.»

Über die Brücke ins Industriegebiet

Für Gewerbetreibende wie Hornbach oder Movecity sind Kundinnen wie Claudia ein Glücksfall. Sie sind der Beweis, dass die Wette aufgeht, die hinter solchen Neuansiedlungen steht. Für die lokale Bevölkerung dagegen sind diese Gäste, sofern sie mit dem Auto anreisen, ein Ärgernis: Bevor sie im Hornbach zwischen gefühlt Hunderten von Schrauben auswählen oder im Movecity auf dem Trampolin hüpfen, führt ihr Weg über die Autobahnquerung – und später wieder zurück.

Nun ist diese Querung in Affoltern keines jener Bauprojekte, die ihren Anspruch in der Vergangenheit erfüllt haben und nun an veränderten Erwartungen der Gegenwart scheitern. Bereits zwei Wochen vor der Eröffnung der A4, im Oktober 2009, hielt der Regierungsrat fest, dass der Anschluss Affoltern nicht genügend Kapazität habe, um neben dem nationalen auch den regionalen Verkehr aufnehmen zu können.

Damals verfolgte Affoltern das Ziel, für Industrie und Gewerbe attraktiver zu werden. Zu diesem Zweck wollte die Stadt das Industriegebiet neben dem Autobahnanschluss entwickeln. Der Albispark (heute Pfister und Movecity) und Hornbach waren noch nicht eröffnet, doch die Bauabsichten lagen vor. Zusammen mit der Eröffnung der Autobahn A4 würden diese Geschäfte «spürbaren Mehrverkehr» auslösen, darüber war man sich einig. Deshalb sollte neben dem Fuss- und Veloverkehr auch für eine ausreichende Strassenkapazität gesorgt werden.

Also verknüpfte der Regierungsrat mit der Teilrevision des Richtplans zwei Vorhaben miteinander: Einerseits sollte sich verkehrsintensives Gewerbe neben der Autobahn in Affoltern ansiedeln können. Andererseits wurde die planerische Grundlage geschaffen für eine zweite Autobahnquerung, um den erwarteten Mehrverkehr zu entflechten.

Die Region wächst, der Engpass bleibt

Seither sind 17 Jahre vergangen. Aus Unternehmen, die am Horizont ihre Standortabsichten andeuteten, sind ansässige Betriebe geworden: Hornbach wurde 2018 eröffnet, der Albispark mit Pfister und OBI im Herbst 2021. Letzterer hat inzwischen dem Freestyle- und Trendsportzentrum Movecity Platz gemacht, das Anfang September eröffnet wurde und sich in Zukunft an Spitzentagen 1000 bis 2000 Besucherinnen und Besucher erhofft. Hinzu kommen weitere Ansiedlungen; ein Beispiel ist etwa der Neubau des Bürogebäudes von HYDAC, mit dem zusätzliche Arbeitsplätze nach Affoltern verlagert werden.

Parallel dazu hat sich die Region entwickelt. Seit der Eröffnung der A4 ist die Einwohnerzahl im Bezirk Affoltern um rund 22 Prozent gestiegen; von 48065 auf 58442 Personen. Das wiederum macht die Stadt als Bezirkshauptort auch für grössere Handelsketten attraktiv: Die deutsche Drogeriemarktkette Müller kam, demnächst zieht Rossmann ins Zentrum Oberdorf ein. Coop hat ebenfalls in seinen Standort investiert und den Coopark vor einigen Monaten komplett renoviert.

Für sich allein scheint jede dieser Entwicklungen die Verkehrslage nur wenig zu beeinflussen. In der Gesamtheit zeichnet dieser Wandel indes ein deutlicheres Bild: Rund um den Autobahnanschluss konzentrieren sich immer mehr Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangebote und Arbeitsplätze. Das Zusammenspiel aus dem starken Bevölkerungswachstum im Bezirk und dieser Konzentration hat die Belastung der Querung in den vergangenen Jahren stetig erhöht. Längere Wartezeiten vor und auf der Autobahnquerung gehören für viele Ämtlerinnen und Ämtler längst zur Alltagsrealität.

Ändern wird sich daran so schnell nichts. Der Kanton rechnet erst ab 2040 mit Handlungsbedarf. Wie passt das zusammen?

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