Gute Traubenqualität trotz kleinerer Erntemengen
Wegen Trockenheit begann der Wümmet auch im Säuliamt sehr früh

Eine gute Traubenqualität, aber geringere Erntemengen: Wegen der aussergewöhnlichen Wärme und Trockenheit hat der Wümmet im Säuliamt dieses Jahr sehr früh begonnen.
Der aussergewöhnlichen Frühlingswärme folgte ein extremer Hitzesommer, der die Böden ohne künstliche Bewässerung in Trockenstress versetzte. Deshalb mussten die Weinbauern auch im Säuliamt bereits im August mit der Weinlese beginnen – rund drei Wochen früher als in «normalen» Jahren.
So begann der Wümmet auf einem der höchstgelegenen Zürcher Rebberge der Familie Eberhard in der Vollenweid in Hausen Anfang September. Weil dort ein Rotmilan (lat. Milvus milvus) das 1,5 ha grosse Areal regelmässig überflog, nennen die Eberhards ihren Wein «Milvus». Sie setzen auf biologischen Anbau, sind vor allem deshalb gefordert, weil auf Pflanzenschutz verzichtet und nur noch pflanzenstärkende Mittel eingesetzt werden.
Wegen der Trockenheit in diesem Sommer schränkten die Pflanzen ihr Wachstum ein. «Die Trauben sind eher klein. Zudem hatten wir zu Beginn der Sommerferien zweimal einen kleinen Hagelschlag. Das haben die Trauben nicht so gerne», sagt Robert Eberhard. Er erwartet eine Ernte von 2000 bis 3000 kg Trauben von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten mit höheren Öchslegraden. Daraus resultieren Rot- und Schaumweine, zum Beispiel Léon Millot, Cabernet Jura und Cabernet Noir. Der Milvus-Weisswein ist eine Assemblage aus den Sorten Johanniter, Seyval Blanc und Solaris. Die Eberhard-Weine werden in Läden und Restaurants geliefert, aber auch Direktverkauf ist möglich.
Junge Rebstöcke als Herausforderung bei Trockenheit
Auch die Domaine-Guichard-Betreiber Valentin Guichard und die Geschwister Linn und Björn Thorsteinsen setzen am 1,2 ha grossen Rebberg in Knonau voll auf biologischen Anbau. Sie haben 2022 vom langjährigen Pächter Edwin Marty übernommen, der sich altershalber zurückzog. In Knonau begann der Wümmet bereits am 23. August. Der Ertrag aus den sechs Rebsorten ist noch nicht ganz klar, dürfte aber laut Valentin Guichard das letztjährige Niveau erreichen, also rund 3000 Flaschen: 60 Prozent Rot- und 40 Prozent Weissweine. «Aus einer aussergewöhnlich warmen und trockenen Saison resultiert eine hervorragende Qualität, wenngleich ein etwas geringerer Ertrag», so der Winzer. Er bezeichnet vor allem die Trockenheit als grosse Herausforderung, insbesondere, um die jungen Rebstöcke am Leben zu erhalten und den richtigen Zeitpunkt für die Weinlese festzulegen. Glücklicherweise habe unmittelbar vor Wümmet-Beginn noch Regen eingesetzt.
Wie gestaltet sich die Vermarktung? «In der Schweiz haben wir uns dafür entschieden, ausschliesslich mit Privatkunden und der Gastronomie zu arbeiten. Unsere Weine sind inzwischen auch in einigen renommierten Sternerestaurants vertreten, darunter Schloss Schauenstein, Le Cheval Blanc und das Beau-Rivage», hält Valentin Guichard fest. Auch die Präsenz auf ausländischen Märkten soll ausgebaut werden, insbesondere in Frankreich und Deutschland. Die Knonauer Produkte werden regelmässig von Schweizer Sommeliers empfohlen – darunter beispielsweise von Martina Wilhelm (Restaurant Wöschi, Zürich). Sie wurde vom «Gault-Millau» zur besten Jung-Sommelière 2027 ausgezeichnet. «Sie schätzt unseren Müller-Thurgau besonders», so Winzer Guichard.
Gut auch in Uerzlikon und auf dem Müliberg
Gute Nachrichten auch von den kleineren Ämtler Weingütern: «Ein exzellentes Jahr; die Trauben zeichnen sich durch ein gutes Zucker-Säure-Verhältnis aus und sind krankheitsfrei», sagt Peter Häggi, der zusammen mit Tina Furrer in Uerzlikon 15 Aren Reben betreut – mit pilzresistenten Rebsorten Divico (rot) und Sauviniac (weiss). Das Areal wurde 2021 komplett neu bestockt. Dieses Jahr resultieren 150 kg Weisse und 250 kg Rote. Verkauft wird (noch) ohne besondere Vermarktung.
Auch Charles Schaller ist zufrieden. Er produziert auf dem Müliberg seit gut 30 Jahren auf 17 ha ausschliesslich Weissen: Riesling x Sylvaner. Dieses Jahr sind es 510 kg – in absoluten Spitzenjahren waren es schon rund 900 kg. «Die Qualität ist gut; die Trauben weisen 86 Öchslegrade auf», sagt der Weinbauer. Verkauft wird sein Produkt im Volg in Aeugst, bei Chäs Stöckli in Affoltern, im Bergwerkmuseum Riedhof im Aeugstertal und im Kulturkeller LaMarotte in Affoltern.


