Die Chance zum Singen geben

Caroline Wenger leitet zwei, bald drei Kinderchöre

Singen stärkt die Selbstwahrnehmung, fördert die Konzentration und die Körperbeherrschung.

Singen stärkt die Selbstwahrnehmung, fördert die Konzentration und die Körperbeherrschung.

Caroline Wenger (rechts) begleitet mit schwungvollem Klavierspiel und motiviert Kinder zum lustvollen, selbstsicheren Singen. (Bilder Regula Zellweger)

Caroline Wenger (rechts) begleitet mit schwungvollem Klavierspiel und motiviert Kinder zum lustvollen, selbstsicheren Singen. (Bilder Regula Zellweger)

«Singen kann man lernen und üben. Jede und jeder kann Fortschritte machen. Ich kann beispielsweise nicht Fussball spielen. Aber wenn ich trainieren würde, könnte auch ich ein Tor schiessen», erklärt Caroline Wenger. «Ich bringe auch sogenannte Brummerkinder dazu, sich mit Tönen auszudrücken.» Sie leitet je einen Kinderchor in Knonau und Affoltern und übernimmt nach den Sommerferien zusätzlich den Kinderchor der Musikschule Knonauer Amt in Mettmenstetten.

Singen in der Familie scheint aus der Mode gekommen zu sein. Vielleicht quetscht man unter der Dusche, im Auto oder in einer akustisch reizvollen Unterführung ein paar Töne heraus. Caroline Wenger versteht Singen jedoch viel weiter: «Man singt mit dem ganzen Körper und mit der Seele – und es tut gut.» Genau diese Erfahrung möchte sie möglichst vielen Kindern ermöglichen. Mit ihrem Engagement an der Musikschule Knonauer Amt will sie Kinder für Musik und Gesang begeistern – eine Freude, die sie im besten Fall ein Leben lang begleitet.

Kinderchöre als günstige Alternative

Im Knonauer Amt gibt es verschiedene Chöre. Die Musikschule Knonauer Amt bietet Kinderchöre in Affoltern, Birmensdorf, Bonstetten, Knonau, Mettmenstetten und Obfelden an, und in Mettmenstetten probt ein Jugendchor. Auf der Webseite heisst es: «Die Singschule vermittelt auf der Basis des Singens eine allgemeine musikalische Bildung. Die Singstimme ist das nächstliegende und ursprünglichste Instrument. Das Training der Atmung und der kontrollierten Luftführung, die Aus- und Weiterbildung der Stimmen, die Entwicklung des Gefühls für musikalische Linienführung, die Phrasierung und Gestaltung sowie das Lesen der Notenschrift und deren Umsetzung in Musik gehören zu den Zielsetzungen der Singschule. Die Chöre veranstalten regelmässig Konzerte mit lustigen und ernsteren Volksliedern, Schlagern, Chansons, Songs, Spirituals, Musicals, Kunstliedern aus aller Welt.» Das Singen in einem Kinderchor ist günstiger als Instrumentalunterricht und wird sowohl als Vorstufe als auch als Ergänzung zum Instrumentalunterricht empfohlen.

Der Kinderchor Sunnechind probt jeweils am Dienstag in Zwillikon. Gabriela Bächinger leitet den Chor, komponiert, textet und produziert Notenhefte und CDs.

Der Mauritius-Kinderchor der katholischen Kirche Bonstetten, Stallikon, Wettswil tritt bei Gottesdiensten und weiteren Anlässen auf.

Chorleiterin und Musikpädagogin

«Wir sind ein Chor und schauen, dass alle gleich laut sind», ermahnt Caroline Wenger die zwei Jungen und acht Mädchen aus der zweiten bis sechsten Klasse, die im Knonauer Kinderchor mitsingen. Mit schwungvollem Klavierspiel begleitet sie die Kinder – so machen selbst Stimmübungen und Tonleitern Spass. Sie lässt ein Lied in kleinen Gruppen vorsingen. Am liebsten würden fast alle Kinder bei einem Konzert ein Solo übernehmen. Ermutigend lobt sie: «Das klingt schon sehr gut.»

Sofia sang bis im letzten Jahr im Chor mit. Jetzt wird sie stimmlich speziell gefördert, singt für das Konzert aber nochmals mit den früheren Gspänli. Ist der Kinderchor der erste Schritt auf dem Weg zu einer Sängerkarriere?

«Singen macht Spass, aber nicht nur. Mit meinem Unterricht will ich Kinder fördern – indem ich sie fordere. Singen verlangt ebenso Disziplin und Körperbewusstsein wie Sport.» Man hört ihren leichten englischen Akzent. Caroline Wenger wuchs in England auf und studierte Theologie und Französisch. Sie lebte fünf Jahre in Paris und arbeitete unter anderem für die britische Botschaft. Trotz ihrer interessanten Tätigkeiten galt ihre grosse Liebe stets der Musik. Ihr Mann brachte sie in die Schweiz und ermunterte sie, sich musikalisch weiterzubilden. Sie liess sich in Zug zur Chorleiterin ausbilden und schloss an der ZHdK mit dem Master in «Elementare Musikpädagogik» ab. Gern leitet sie auch Musikprojekte mit Erwachsenen und engagiert sich musikalisch in der Kirche.

Singen ist gesund

Dass Caroline Wenger die Arbeit mit Kindern liebt, spürt man bereits, wenn man sie als Chorleiterin erlebt. Die Kinder brauchen keine Noten. Sie singen Melodien und Texte wiederholt nach, bis sie sicher sitzen. Caroline Wenger gestaltet den Unterricht abwechslungsreich, wertschätzend und erlebnisorientiert. So setzen sich die Kinder beispielsweise paarweise Rücken an Rücken auf den Boden und singen. Dabei erklärt sie anschaulich, wie sich diese Haltung auf Stimme, Atmung und Körper auswirkt.

«Der Chor ist für alle Kinder, nicht nur für musikalisch Hochbegabte. Die Kinder sollen mit Freude entdecken, wie vielfältig die Wirkung des Gesangs ist. Musik beeinflusst die Psyche, sie kann beispielsweise trösten. Mit Musik kann man sich ausdrücken – auch ohne Worte.»

Singen fördert die Gesundheit, denn es stärkt das Immunsystem, unterstützt den Stressabbau durch die Ausschüttung von Glückshormonen wie Endorphinen und verbessert durch tiefes Atmen die Lungenkapazität und stärkt das Herz-Kreislauf-System. Caroline Wenger ist überzeugt: «Singen in einem Chor bedeutet, sich selbst, den eigenen Körper und das eigene Befinden wahrzunehmen – gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten und Erfolge miteinander zu feiern.»

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