Die Detailhändler im Bezirk leiden unter dem Verdrängungskampf
Auch das kommende Jahr verlangt vom regionalen Detailhandel grosse Anstrengungen
Der Gesamtumsatz des Detailhandels in der Schweiz beträgt pro Jahr rund 100 Milliarden Franken. Die Hälfte davon generieren die Grossverteiler wie Migros, Coop und Denner. In diesem Licht betrachtet erwirtschaftet der Detailhandel mit den Dorfläden auch im Säuliamt einen ansehnlichen Teil in diesem Segment. Diese stehen jedoch einem immer stärker wirkenden Verdrängungskampf gegenüber. Die grössten Verlierer sind die unabhängigen Detaillisten und die Fachgeschäfte. René Ammann, Präsident des Gewerbevereins Affoltern am Albis, kennt die Sorgen seiner Mitglieder, welche Kleinhandel betreiben. Er weiss, dass die jetzigen Verhältnisse einiges von den Unternehmern abverlangen, um ihr Gewerbe gewinnbringend betreiben zu können.
Die Liste der Schwierigkeiten, mit denen die Kleinhändler zu kämpfen haben, ist lang. Generell werden die Rahmenbedingungen komplexer und verlangen vermehrt grösseren Aufwand und bessere Leistungen. Die Kundenfrequenz ist rückläufig, der starke Franken belastet den Geschäftsgang ebenfalls, und die Konkurrenz im Onlinehandel nimmt überhand. Auch die grosse Bautätigkeit in den Dörfern bereitet da und dort den Ladenbesitzern Kummer. Fehlende Parkplätze und eine erschwerte Zufahrt veranlassen vielfach selbst treue Stammkunden anderswo einzukaufen. Dazu kommt der Einkaufstourismus, wo Kunden für nur marginal billigere Waren ins nahe Deutschland fahren. So hat das Fotofachgeschäft an der Oberen Bahnhofstrasse in Affoltern Ende Jahr kapituliert, und einige andere Spezialgeschäfte kämpfen seit Jahren ums Überleben.
Die «Geiz-ist-geil-Denkweise» ist allgegenwärtig
Jakob Meier, Goldschmied in Affoltern, kann von der fragwürdigen Einkaufsmentalität einige Geschichten erzählen. Er hat ein hartes Geschäftsjahr hinter sich und erwartet auch im kommenden Jahr keine nennenswerte Besserung. Die «Geiz-ist-geil-Denkweise» lässt Brautpaare Eheringe in Deutschland kaufen, diese möchten sie dann aber in seinem Geschäft möglichst gratis anpassen lassen. Die Orte im Bezirk seien weitgehend Schlafdörfer geworden, und das Einkaufen in Zürich und Zug werde immer mehr bevorzugt, stellt der Goldschmied fest. Die Papeterie Kunz wiederum besitzt zwar einen treuen Kundenstamm, der Grosseinkauf wird jedoch vermehrt beim Direktanbieter getätigt. Trotz der grossen Auswahl und der Vergrösserung des Segmentes Geschenkartikel bezeichnet der Senior-Chef Fritz Kunz die Frequenz als rückläufig.
Franco Onorati von der Pulux Haushaltgeräte GmbH spürt wenig vom Einkaufstourismus, dafür sind seine Geräte zu schwer. Seine Produkte verlangen darüber hinaus auch eine ausführliche Beratung. Seine Kunden schätzen zudem den angebotenen Heimservice. Ganz generell stellt Marcel Tillmann vom Dorfmärt in Obfelden fest, dass eine Verlagerung zum kostenbewussteren Einkaufen stattfindet.
Der Franken wird zweimal umgedreht
So würde der Franken bei teureren Luxuswaren wie zum Beispiel Champagner oder teuren Weinen zweimal umgedreht bevor er in die Kasse wandert. Mit eher gemischten Gefühlen blickt Daniel Bill, Chef des Bill + Siegfried Getränkedienstes aus Affoltern, in die Zukunft. Er spürt immer stärker die Grosshändler, welche mit aggressiven Methoden im Getränkemarkt mitmischen. Mit vorzüglichen Serviceleistungen und mit dem Anbieten von ausgesuchten Spezialitäten versucht er Umsatzeinbussen aufzufangen.
Stefan Stöckli, Käsespezialist bei «Chäs Stöckli» im Bezirkshauptort, hingegen bezeichnet die jetzige Wirtschaftslage als gut bis sehr gut. Die Kundenfrequenz in seinem Geschäft sei steigend. Auch beim Käse sei der Onlinehandel, welchen «Chäs Stöckli» ebenfalls anbietet, durchaus gang und gäbe. Vor allem die jungen Konsumenten würden diese Möglichkeit vermehrt nutzen. Er sieht in der nahen Zukunft keine Probleme und blickt überaus zuversichtlich ins neue Geschäftsjahr.


