Die Erfinder von «Talking-Head-Comedy»

Auf der Bühne stehen sie zu zweit, den dritten Part übernimmt ein animierter Kopf. Mit ihrer neuartigen «Talking-Head»-Konzept wollen Patrick Galli und Rémy Pfeiffer von Affoltern aus die Deutschschweizer Comedy-Szene erobern.

Patrick Galli (rechts) und Rémy Pfeiffer mit ihrem digitalen Hauptdarsteller Markus Chöpfli. (Bild zvg.)
Patrick Galli (rechts) und Rémy Pfeiffer mit ihrem digitalen Hauptdarsteller Markus Chöpfli. (Bild zvg.)

Von Affoltern als Heimbasis war der Ostschweizer Rémy Pfeiffer anfangs wenig begeistert. Seine Meinung änderte er erst, als er erfuhr, dass die «Schmirinskis» – das erfolgreiche Comedy-Projekt von Stefan Schmidlin und René Rindlisbacher – hier angefangen haben: «Das ist ein gutes Omen», fand er. Seither proben Patrick Galli, der im Knonauer Amt aufgewachsen ist und mittlerweile im Freiamt wohnt, und Rémy Pfeiffer im Saal der Schule Tägerst. Die beiden jungen Männer ergänzen sich ideal: Patrick Galli hat die Ideen und schreibt die Sketches, Rémy Pfeiffer ist der gestalterische Typ und hat das Auge für die visuelle Umsetzung und Ausgestaltung. Was Spiel und Regieführung anbelangt, kommen sie gleichwertig zum Zug. Erstmals aneinandergeraten sind Galli und Pfeiffer bei der Aufnahmeprüfung zur Schauspielschule Zürich. Schon bald entstand eine Freundschaft – und der Plan, ein Comedy-Duo zu gründen. Zweiersketches, wie sie andere bereits mit mehr oder weniger Erfolg auf die Bühne gebracht haben oder immer noch bringen, seien ihnen dann allerdings zu wenig, befanden sie nach einer Analyse des Marktes. «Wir wollen der Schweizer Comedy-Szene neue Impulse geben», so Remy Pfeiffer. Patrick Galli war es dann, der die zündende Idee vom sprechenden Kopf hatte. Den Namen «Kopfsache» fügte er auch gleich hinzu.

Alles von Grund auf selber erarbeitet

Mit der Umsetzung der Idee war das Duo dann deutlich länger beschäftigt. Schliesslich betrat man komplett neue Pfade, musste alles von Grund auf selber erarbeiten. Das Resultat erster Versuche, Köpfe zu filmen und zu beamen, fiel unbefriedigend aus. Modelle aus Gips und Ton führten auch nicht zum erwünschten Effekt und den Versuch mit einer blauen Kunststoffmasse schildern die beiden gar als «Desaster». Lange Recherchearbeit führte sie schliesslich zu einer englischen Animations-Firma. «Von der Idee bis zur Umsetzung hat es fast ein Jahr gedauert», verrät Patrick Galli.

So ist das Duo also immer zu dritt auf der Bühne. Mal mit Markus Chöpfli, dem «digitalen Hauptdarsteller», dann wieder mit ganz anderen Figuren, allesamt im Photoshop gestaltet und von ihnen selber gesprochen. Ähnlich wie bei Bauchrednerpuppen liegen auch für die Köpfe die Grenzen des Tolerierbaren höher. «Denen nimmt man es weniger übel», weiss Rémy Pfeiffer. Eine Herausforderung war es auch, Sketches zu schreiben für eine Figur, die nicht aktiv in die Handlung eingreifen kann. So ist das Duo schauspielerisch damit gefordert, dass der Kopf lebendig wirkt.

Geistreicher aber leicht verständlicher Humor

Was macht den Humor von «Kopfsache» aus? «Wir arbeiten viel mit Dialekten», verrät Galli. «Ich finde es cool, in einer Figur die Sau rauszulassen und mit anderen Figuren in Konflikt zu treten», so Pfeiffer. Beide verstehen es, beim Publikum Sympathien für ihre Figuren zu wecken. Jeder Sketch ist für sich geschlossen, trotzdem führt ein roter Faden durchs Programm – teilweise mit Überleitungen durch Markus Chöpfli. Die Komik entsteht oft aus alltäglichen Situationen. «Wir stehen für geistreichen aber leicht verständlichen Humor», so Galli.

Sketches mit Wiedererkennungswert, wie bei Emil, das wollen die Nachwuchs-Comedians schaffen. Für die Tournee, die am 11. Februar in Affoltern (ausverkauft) startet, haben sie sich für ihr 75-minütiges Programm Kleintheater-Bühnen in der ganzen Deutschschweiz vorgenommen. «Das Hallenstadion haben wir auf nächstes Jahr verschoben», sagt Rémy Pfeiffer und lacht. Das gemeinsame Ziel der beiden Freunde: Die Comedy-Leidenschaft zum Beruf machen. Das innovative Konzept sollte dazu gute Voraussetzungen bieten.

Weitere Infos unter www.kopfsache-comedy.com oder www.facebook.com/kopfsachecomedy.

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