Einblick ins Leben früherer Jahrhunderte

Blitzlichter auf Maschwandner Familien seit der Reformation

André Gut im Dorfmuseum Maschwanden. Rechts neben ihm befindet sich das von Kaspar Steger gestaltete Archäologiemodell des im 14. Jahrhundert zerstörten Städtchens Maschwanden. (Bild zvg)
André Gut im Dorfmuseum Maschwanden. Rechts neben ihm befindet sich das von Kaspar Steger gestaltete Archäologiemodell des im 14. Jahrhundert zerstörten Städtchens Maschwanden. (Bild zvg)

Der Referent, André Gut, sei seit seiner Kindheit ein passionierter Familienforscher und arbeite heute als Arzt beim Kantonsspital St. Gallen, stellte Lucia Zurbrügg als Präsidentin der Museumskommission den Gast vor. Acht Jahre lang habe er die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Zürich präsidiert, bis zu seinem Rücktritt vor gut einem Monat. Sie zeigte sich erfreut über den grossen Besucheraufmarsch, denn der dicht bestuhlte Gerbi-Saal war nahezu bis auf den letzten Platz besetzt.

«Alteingesessene Maschwandner Familien im Fokus – als der Heiratsmarkt noch in engem Radius stattfand», lautete der Titel des unterhaltsamen Referats über die Familiengeschichte von André Gut. Im Stammbaum finden sich praktisch alle Familiennamen, die aus den Ämtler Gemeinden stammen. Gut ist Maschwandner Bürger, hat zwar nie hier gelebt und dank seiner genealogischen Studien trotzdem eine enge Verbindung zum Dorf.

Doch wie gelangt man zu Angaben über die eigene Familie? Das Zürcher Staatsarchiv habe die in den Pfarrbüchern der Zürcher Gemeinden erfassten Ehedaten vom 16. bis 18. Jahrhundert elektronisch erfasst und stelle sie online zur Verfügung. Für personenbezogene Daten gelten Schutzfristen von in der Regel 80 Jahren. Auskünfte, die jüngeren Datums sind, kann nur das Zivilstandsamt einer Gemeinde in begründeten Fällen und meist gegen Gebühr erteilen. Der Referent verwies auf die Erläuterungen auf der Website des Staatsarchivs Zürich und ergänzende Unterstützung bei einem persönlichen Besuch des Archivs, das im Irchelpark am Rand des Universitätsgeländes liegt.

Besonders gross sei das Interesse an der Familiengeschichte bei Menschen aus Übersee. Die genealogische Gesellschaft erhalte oft Anfragen aus den USA oder Besuch von Nachkommen der in früheren Jahrhunderten ausgewanderten Familien und Einzelpersonen. Oft müsse allerdings der Ursprungsname rekonstruiert werden. «Gut» beispielsweise sei der englische Begriff für Darm, weshalb sich seine entfernten Verwandten von der anderen Seite des Atlantiks beispielsweise in «Goud» umbenannt hätten.

Einblick in das Alltagsleben

Familienforschung bedeute mehr als die – aufwendige – Erarbeitung eines Stammbaums. Sie gewähre einen Einblick in das Leben in früheren Jahrhunderten. Er habe eine erstaunliche soziale Mobilität festgestellt, sowohl aufwärts als auch abwärts. Deshalb konnte es auch vorkommen, dass ein Verwandter eines Untervogts, der höchsten Position, die ein Landmann in der Zürcher Herrschaft erreichen konnte, beispielsweise nach einem Konkurs armengenössig war.

Ehen wurden in der Regel zwischen jungen Leuten aus ähnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen geschlossen. Dazu reichte der Heiratsmarkt in den einzelnen Gemeinden nicht aus, dieser war vielmehr regional. Beispielsweise lasse sich ein Frick 1450 in der Leematt nachweisen, ein Leibeigener des Klosters Engelberg, der genügend wohlhabend gewesen sei, um sich von der Leibeigenschaft loszukaufen. Seine Nachfahren hätten sich in der Landvogtei Knonau ausgebreitet, wobei die Angehörigen der Oberschicht in den Quellen am häufigsten erwähnt würden, etwa Müller oder Chirurgen. So begründete der 1629 verstorbene Heinrich Frick in Uttenberg eine Müllerdynastie. 1646 wurde Jakob Frick aus der Vollenweid, ein vermögender Bauer, als einer von sieben «Rädelsführern» der Steuerrevolte der Landvogteien Knonau und Wädenswil geköpft.

Sobald die Forschung zu handschriftlichen Dokumenten führt, ist viel Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Schriften gefragt. André Gut stiess auf den Begriff Schweinehändler bei seinem Vorfahren Hans Ulrich Gut-Kleiner (1739–95), der auf der Heimkehr vom Markt in Einsiedeln beraubt und ermordet wurde. Hatte er richtig gelesen: «Schweinehändler»? Schliesslich stellte er fest, dass er sich nicht geirrt hatte. Hans Ulrich trug das Geld vom Verkauf seiner Schweine auf sich und war deshalb für die unbekannten Raubmörder ein einträgliches Opfer.

Angehörige der Familien Kleiner und Gut hätten sich während Jahrhunderten auffallend häufig miteinander verehelicht. Die Kleiner bezeichnete André Gut als seine eigentliche «Lieblingsfamilie», nicht nur wegen der – inzwischen fusionierten – Bäckereien, die er immer gerne aufgesucht habe.

Schliesslich kam der Arzt auch auf natürliche Todesursachen zu sprechen, die sich oft ebenfalls den Pfarrbüchern entnehmen lassen. Lungenentzündungen, namentlich als Folge von Tuberkulose, seien oft als Todesursache aufgeführt worden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien in der Regel als «Wassersucht» bezeichnet worden. «Auszehrung» lasse auf eine krankhafte Abmagerung beispielsweise als Folge eines Tumors schliessen.

Im Anschluss an den Vortrag offerierte die Museumskommission einen Apéro, unter anderem mit Maschwandner Wein. Zudem lud sie ein zum Besuch des kleinen, schmucken Museums, das direkt neben der Gerbi liegt, wo eine Vielzahl von Dokumenten zu besichtigen war: Stammtafeln, Auftrags- und Rechnungsbücher von Maschwandner Handwerkern, ein Plan der 54 Maschwandner Häuser im Jahr 1796.

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