Einheimisch und erneuerbar

Standortförderung und Gemeinden planen die regionale Energiezukunft

Die Fernwärmeanlagen – hier diejenige in Affoltern – werden künftig ausgebaut. Da die Region Knonauer Amt bereits Nettoimporteur von Holz ist, stehen dabei andere erneuerbare Energien im Vordergrund. (Bild Bernhard Schneider)
Die Fernwärmeanlagen – hier diejenige in Affoltern – werden künftig ausgebaut. Da die Region Knonauer Amt bereits Nettoimporteur von Holz ist, stehen dabei andere erneuerbare Energien im Vordergrund. (Bild Bernhard Schneider)

Im Anschluss an die Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt von vergangener Woche stellte der Standortförderer Johannes Bartels zusammen mit den Energieplanern Rita Gnehm und Matthias Schlegel die aktuellen und geplanten Schritte hin zum Klimaziel der Energieregion Knonauer Amt vor: Bis 2030 sollen vier Fünftel der hier verbrauchten Energie aus regionalen erneuerbaren Quellen stammen. Alle 14 Gemeinden des Bezirks Affoltern sind am Projekt beteiligt.

Das Potenzial der regionalen Wälder ist bereits ausgeschöpft. Diese liefern jährlich etwa 36 Gigawattstunden Wärmeenergie. Der Verbrauch der Wärmeverbunde beläuft sich jedoch bereits auf 38 Gigawattstunden. Hinzu kommen 56 Gigawattstunden, die als Pellets in privaten Holzheizungen verbrannt werden. Der Bezirk Affoltern ist somit Nettoimporteur von Holz zu Heizzwecken.

Grosses Potenzial der Viehwirtschaft

Noch grösser als das Potenzial der Wälder ist jenes der 248 Landwirtschaftsbetriebe der Region. Ihre derzeit 18263 Grossvieheinheiten könnten jährlich rund 45 Gigawattstunden Biogas liefern. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, wie dieses Potenzial genutzt werden kann. Diese Woche findet ein Informationsanlass für Landwirte statt, um praktische Erfahrungen mit der Biogasnutzung auszutauschen und zu diskutieren, welche organisatorischen Lösungen aus Sicht der Landwirtschaft sinnvoll sind. Dabei soll auch die Frage erörtert werden, wo Einzelanlagen zweckmässig sind und wo zentrale Anlagen Vorteile bieten.

Genutzt werden können zudem Erdwärme, Grundwasser, Umgebungsluft über Wärmepumpen und betriebliche Abwärme. Für die regionale Stromproduktion kommen vor allem Solar- und Windenergie infrage, die sich gegenseitig optimal ergänzen, denn in der Regel bläst der Wind dann, wenn sich die Sonne nicht zeigt. Eine Studie von 2023 zeigte, dass nur an 15 Tagen sowohl wenig Wind als auch wenig Sonneneinstrahlung zu verzeichnen waren.

Im Knonauer Amt könnte die Hälfte des Strombedarfs, nämlich 152 Gigawattstunden, mit Grosswindkraft hergestellt werden. Demgegenüber hat sich herausgestellt, dass die bodennahe Kleinwindkraft viel zu viel Raum benötigte, um dieselbe Energiemenge zu liefern. Das regionale Potenzial von Solarstrom beläuft sich auf 340 Gigawattstunden. Hinzu kommen 110 Gigawattstunden, die sich für Wärmeproduktion nutzen lassen.

Wärmeverbunde im Wandel

Die bereits bestehenden Wärmeverbunde werden sich verändern. Für den Sommer werden Alternativen entwickelt, die ohne fossile Energieträger und Holz auskommen. Die beiden grossen Gasanbieter der Region, Energie 360° und Wasserwerke Zug, bereiten zudem den Ausstieg aus der Gasversorgung für die Wärmeproduktion vor. Nur noch Prozessgas soll zur Verfügung gestellt werden. Eine Konzeptstudie soll Möglichkeiten der saisonalen Wärmespeicherung prüfen. Der Projektabschluss ist für Anfang 2027 vorgesehen.

Vorreiterrolle der Standortförderung

Die Standortförderung Knonaueramt nimmt im Energiebereich eine Vorreiterrolle wahr. Johannes Bartels ist selbst Nachhaltigkeitsspezialist. Er erläuterte, dass das Bundesamt für Energie die Energieregion Knonauer Amt 2010 offiziell anerkannte. Deshalb ist es möglich, Bundesbeiträge für Projekte zu beantragen. Dass die Projekte von allen Gemeinden mitgetragen werden, erhöht dabei ihre Chancen. So hat die Standortförderung beispielsweise für das erwähnte Projekt zur Planung der Biogasproduktion Fördergelder von Bund und Kanton erhalten.

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