Die Gemeindeverwaltung Affoltern arbeitet am günstigsten

Analyse der Veränderung der Verwaltungskosten in den Bezirksgemeinden, seit 1986

Die Liste der Gemeinden ist nach der Höhe der Verwaltungskosten im Jahr 1986 geordnet. (Grafik Salomon Schneider)

Die Liste der Gemeinden ist nach der Höhe der Verwaltungskosten im Jahr 1986 geordnet. (Grafik Salomon Schneider)

Auch optisch unterschiedlich: das Gemeindehaus Rifferswil...

Auch optisch unterschiedlich: das Gemeindehaus Rifferswil...

...und das Verwaltungsgebäude in Affoltern. (Bilder sals)

...und das Verwaltungsgebäude in Affoltern. (Bilder sals)

Die durchschnittlichen Verwaltungsausgaben pro Einwohner und Jahr betrugen im Knonauer Amt im Jahr 2014 400 Franken. Im Knonauer Amt bedeutet dies eine Steigerung des Verwaltungsaufwands von 46 Prozent in den vergangenen 30 Jahren. Die Verwaltung der Stadt Zürich ist im selben Zeitraum kostenmässig genau den umgekehrten Weg gegangen. 1986 kostete sie 445 Franken pro Einwohner und Jahr – 2014 waren es nur noch 95 Franken.

Grosse Verwaltungen können günstiger arbeiten

Patrick Pons, der Sprecher des Finanzdepartements der Stadt Zürich, erklärt diese Entwicklung: «Es gibt verschiedene Faktoren, die für diese Kostenreduktion in der Stadt Zürich verantwortlich sind; wovon vier wohl den grössten Teil ausmachen. Erstens können wir dank unserer Grösse in vielen Bereichen die Effizienz steigern. So macht es einen erheblichen Unterschied, ob eine spezialisierte Abteilung 300'000 Steuerrechnungen bearbeiten muss oder Mitarbeiter einer Gemeinde neben 1000 Steuerrechnungen noch weitere Aufgaben zu erledigen haben. Zweitens konnten wir viele Prozesse automatisieren. Drittens hat die Digitalisierung zu schlankeren Abläufen auf vielen Ebenen geführt und viertens machen wir konsequent interne Verrechnungen, beispielsweise für IT-Dienstleistungen. Viele kleinere Gemeinden können Kosten nicht intern weiterverrechnen. Der Verwaltungsaufwand ist zudem ein Sammelbecken für verschiedene Ausgaben. Deshalb ist der Verwaltungsaufwand von Kleingemeinden und Städten heute nur bedingt vergleichbar.»

Die Kosten für externe Berater sowie die Organisation von Zweckverbänden werden bei den Gemeinden beispielsweise nicht unter Verwaltungsaufwand verbucht. Zudem haben die Gemeinden gewisse Freiheiten, was sie unter Verwaltungsaufwand verbuchen. Auch wenn deshalb weder der zeitliche Vergleich noch jener zwischen den Gemeinden eindeutige Resultate gibt, lassen sich klare Tendenzen erkennen.

Verdoppelung der Kosten

Vor 30 Jahren, 1986, war Aeugst mit 547 Franken pro Einwohner die Gemeinde im Bezirk Affoltern mit dem höchsten Verwaltungsaufwand – verglichen mit 106 Franken in Obfelden als günstigste Gemeinde. Affoltern lag damals mit 218 Franken im Mittelfeld. Bis 1994 stiegen die durchschnittlichen Verwaltungskosten im Bezirk von 274 auf 352 Franken pro Einwohner, wobei diese Kostenexplosion nur einige Gemeinden betraf. In Maschwanden kam es zu mehr als einer Verdoppelung der Verwaltungskosten pro Person, von 232 auf 490 Franken. Knonau hatte 1994 mit 549 Franken die teuerste Verwaltung. Langsam begann sich abzuzeichnen, dass kleine Landgemeinden überdurchschnittlich stark von den Verwaltungskosten belastet werden.

Sprunghafte Kostenanstiegefolgen einer Marktlogik

Der Affoltemer Gemeindeschreiber Stefan Trottmann erläutert, was es beim Vergleichen der Verwaltungskosten zu beachten gilt: «Es gibt immer sprungfixe Punkte, an denen die Verwaltung lange Zeit mit unveränderten Stellenprozenten zurechtkommt. Wächst eine Gemeinde, kann es passieren, dass dann mehrere Stellen gleichzeitig geschaffen oder erweitert werden müssen, was zu einer plötzlichen Kostensteigerung pro Einwohner führt.

Was die Prozesse effizienter macht, ist, wenn man spezialisierte Fachkräfte in allen Bereichen anstellen kann und auch die Stellvertretungen fachintern geregelt werden können. Dafür braucht es eine gewisse Grösse und dies ist in Affoltern der Fall. Zudem ist immer fraglich, welche Gemeinde was wo verbucht. Das kann die Statistik beeinflussen. Da Affoltern den Sozialdienst ab 2016 intern betreibt, wird der Verwaltungsaufwand steigen, weil die Kosten dann nicht mehr als Beitrag an den Zweckverband gebucht werden. Gesamthaft werden wir aber trotzdem Geld einsparen.»

Grösse der Gemeinde nicht allein entscheidend

Zwischen 1994 und 2000 änderte sich bezüglich Verwaltungskosten in den Gemeinden nicht viel, wobei einige Gemeinden etwas teurer wurden und andere ihre Kosten sogar senken konten. Knonau beispielsweise konnte in dieser Zeit die Verwaltungskosten pro Person von 549 auf 413 Franken reduzieren.

Zwischen 2000 und 2007 wurde Obfelden als verwaltungsgünstigste Gemeinde im Bezirk von Affoltern abgelöst, das nach kontinuierlichen Steigerungen die Kosten reduzieren konnte – ein Trend, der bis 2014 anhielt. Heute sind Stallikon (263 Franken pro Einwohner und Jahr) und Obfelden (285 Franken) gute Beispiele, dass nicht nur die Grösse der Gemeinde sich auf den Verwaltungsaufwand auswirkt, auch wenn es Klein- und Kleinstgemeinden sicherlich schwieriger haben, ihre Verwaltungsaufgaben kostengünstig wahrzunehmen.

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