Die Velobility AG ist konkurs
Maschwander Veloverleihfirma von Philip Douglas in Liquidation

Kurz vor Weihnachten hat der Einzelrichter am Kantonsgericht Zug den Konkurs über die Aktiengesellschaft mit (buchhalterischem) Sitz in Cham und Geschäftsstelle in der alten Sennerei in Maschwanden eröffnet. Die Velobility AG befindet sich damit in Liquidation. Für deren Gründer Philip Douglas ein harter Rückschlag: «Eine mit viel Herzblut aufgebaute Firma zum Konkurs anmelden zu müssen, geht weit über das bisher Erlebte hinaus», schreibt der Säuliämtler ineinem Communiqué.
In der Vergangenheit war der heute 41-Jährige stets als Visionär aufgefallen. Er zählte in der Schweiz zu den Ersten, die bereits im Jahr 2000 das Potenzial des Online-Handels erkannten und mit der Gründung von simpel.ch konsequent darauf setzte. Seine Idee: möglichst wartungsfreie, hochwertige Fahrräder ohne Zwischenhandel übers Internet direkt zu vertreiben. Die attraktiven Preise taten ihr Übriges.
Eine Zeit lang betrieb Douglas mit seinem Team neben dem Hauptsitz in Maschwanden noch eine Filiale im alten Güterschuppen neben dem Bahnhof Mettmenstetten, wo interessierte Kunden die Velos probefahren konnten.
Die Konkurrenz schläft nicht
Doch die Konkurrenz schläft auch im Online-Handel nicht, was zu einer Erosion der Margen geführt hat. Auch Simpel blieb davon nicht verschont. Der Standort in Mettmenstetten musste geschlossen werden. Der Geschäftssitz in Maschwanden wurde im März 2014 nach Zürich verlegt im Zuge einer Kooperation mit City-Cycles. Doch ausgerechnet ebendiese Filiale des Berner Velohändlers an der Militärstrasse musste aus verschiedenen Gründen (eine Baustelle der Stadt, die während längerer Zeit den Zugang zum Geschäft stark erschwerte sowie verändertes Kaufverhalten der Kundschaft) im August 2015 schliessen.
Douglas verlegte die Simpel-Zentrale wieder zurück ins Säuliamt in die frühere Sägerei Kehrli in Rifferswil. Ruhiger nehmen konnte er es nicht. Auch mit Velobility, die Veloverleihsysteme und -konzepte hauptsächlich für die öffentliche Hand anbietet, lief es harzig. «Publibike» ist in der Schweiz der wohl prominenteste Kunde, für den Douglas das Konzept und die Fahrradspezifikationen erarbeitet hatte; eine Bike-Sharing-Kooperation von PostAuto, SBB und Rent-a-Bike, welche die Angebote des öffentlichen Verkehrs durch Leihfahrräder in allen grossen Schweizer Städten ergänzt. Douglas schreibt denn auch, dass seine Ideen und Konzepte durchaus gefragt gewesen seien, viel Lob, Applaus und sogar Preise geerntet hätten. Letztlich könne man davon aber keine Löhne zahlen: «Ein junger, politisch getriebener Markt verhält sich noch weniger rational wie die Börse an der Wall Street. Investoren sind zwar so weit, dass sie Nachhaltigkeit in einem Engagement durchaus mitbewerten. Am Ende geht es aber einzig um die Aussicht, Gewinne erzielen zu können.»
Realität liess Projekte scheitern
Das sei die Realität, an der viele Projekte scheiterten. Der Bike-Sharing-Markt sei geprägt von gut gemeinten Ansätzen. Solange jedoch die grossen Risiken solcher Systeme und die lange Lernkurve unterschätzt, oder sogar banalisiert und «weitergereicht» würden, könne kein gesunder Markt entstehen. Für langfristig erfolgreiche Gesamtsysteme müssten die Menschen mit ihrem Bedürfnis nach sinnvoller und intelligenter Mobilität in den Vordergrund gestellt werden. Zeitdruck, und als Folge davon schlecht definierte Zielsetzungen der einzelnen Partner, sowie hauchdünne Margen verhinderten dies jedoch.
Gerne hätten wir Philip Douglas persönlich noch ein paar Fragen zur Velobility-Auflösung gestellt. Immerhin hat seine Firma Mitte 2012 den Zuschlag für die Lieferung und den Unterhalt des neuen Militärvelos «Fahrrad12» erhalten. Ein 6,8-Millionen-Franken-Auftrag der Armasuisse, den Douglas seinerzeit als «Meilenstein» für sein Unternehmen bezeichnete. Doch er liess den Interview-termin platzen, war seither telefonisch nicht mehr erreichbar. Per Mail richtete er aber aus: «Simpel und die Armee sind nicht betroffen.»


