Differenzen in der Richtplanung konkretisiert
Die «Anzeiger»-Serie zur Richtplanung hat klare Differenzen zwischen Region und Kanton aufgezeigt. Sie schliesst ab mit einem Interview mit dem Chef des Amts für Raumentwicklung, Wilhelm Natrup, in dem er mit den zentralen Kritikpunktenkonfrontiert wird.
Für Wilhelm Natrup ist es klar, dass die umstrittenen Vorgaben zur Bevölkerungsentwicklung, die der Mettmenstetter Gemeindepräsident René Kälin als «Schnee von gestern» bezeichnet hat, nicht den Realitäten der aktuellen Entwicklung entsprechen, wie er im Interview einräumt. Dies bedeutet aber nicht, dass sie wirkungslos wären: Solange eine Gemeinde über diesen Werten liegt, sind Einzonungen indiskutabel, wenn Gemeinden unterhalb der fraglichen Werte – konkret Affoltern und Hedingen – noch über Bauland verfügen. Dies dient zweifellos dem Schutz des Kulturlandes und dem ländlichen Charakter eines Grossteils der Region.
Die Kehrseite äussert sich namentlich beim öffentlichen Verkehr: Weil das Amt für Raumentwicklung die Ausweitung der Agglomeration Zug auf den südlichen Teil des Knonauer Amts, die bereits in vollem Gang ist, ablehnt, wendet es sich gegen einen Viertelstundentakt der S-Bahn nach Zug. Auch die Erschliessung mit Postautos insbesondere in Richtung Zug dürfte künftig in Gemeinden mit einem Bevölkerungswachstum über den Vorgaben nicht einfach durchzusetzen sein.
Bonstetten und Wettswil ebenfalls urbane Wohnzone?
Ob die Erwartung des Amtes für Verkehr dereinst zutrifft, dass der Anteil des motorisierten Privatverkehrs angesichts zunehmender Staus und Parkplatzengpässe in den Städten auch ohne Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes zurückgeht, ist zumindest fraglich. Kompromissbereit zeigt sich Wilhelm Natrup bei der Frage, ob Bonstetten und Wettswil nicht auch, wie Affoltern und Hedingen, als urbane Wohnzone einzustufen seien. Er verlangt allerdings gemeinsame Konzepte der beiden Gemeinden.
Unbestreitbar positiv ist, dass die Richtplanung dazu nötigt, sich mit der künftigen Entwicklung der Region bewusst und transparent auseinanderzusetzen. Die Differenzen zwischen den Vertretern der Region und des Kantons sind noch erheblich. Es lohnt sich zweifellos, diese nicht zu übertünchen, sondern die Konflikte auszutragen.


