Ein Thurgauer Schlussgang – und das Säuliamt als Sieger
Glanzvolles Zürcher Kantonalschwingfest in Mettmenstetten
Eine hervorragende Organisation, ein herrlicher Festplatz, spannende Wettkämpfe, keine Zwischenfälle und 5150 gut gelaunte Besucherinnen und Besucher, das ist die Bilanz des 116. Zürcher Kantonalschwingfests am Sonntag in Mettmenstetten. Einen wesentlichen Teil dazu beigetragen hat natürlich auch das Wetter. Während es in den Tagen zuvor immer wieder geregnet und am Vortag, am Samstagnachmittag, sogar vorübergehend «geschüttet» hatte, blieb der Sonntag trocken, wenn auch für die Jahreszeit etwas kühl. Zusammen mit den schneebedeckten Alpen im Hintergrund und den kleinen Wölkchen am meist blauen Himmel präsentierte sich die buchstäblich auf der grünen Wiese hochgezogene Mettmenstetter Schwingerarena wie ein Foto, bei dem man die Verwendung von KI hätte vermuten können. Fast zu perfekt, um wahr zu sein ...
Dass am Ende nicht ein Zürcher im Schlussgang stand, sondern zwei Gästeschwinger, die Thurgauer «Eidgenossen» Schneider Domenic und Giger Samuel, tat der Begeisterung keinen Abbruch. Beide zählten von Beginn weg in Mettmenstetten unter den 150 Schwingern zu den Publikumslieblingen, wobei der spätere Festsieger Giger am Ende all seiner Gänge jeweils am meisten Applaus einheimste.
Eigentlicher Sieger waren ohnehin der für den Grossanlass verantwortliche Schwingklub am Albis, das Organisationskomitee, Mettmenstetten und das Säuliamt. Und mit ihnen die rund 2000 Helferinnen und Helfer, darunter auch Zivilschützer, die beim Auf- und Abbau und über das Festwochenende im Einsatz standen. Nicht zu vergessen auch die vielen Sponsoren, Spender, Partner, Verbände, Landeigentümer und sowie der Kanton und die beteiligten Gemeinden, die auf die eine oder andere Weise das Fest ermöglichten. Für das Wochenende mit dem 84. Kantonalen Nachwuchsschwingfest am Samstag und dem Kantonalschwingfest am Sonntag soll das Budget rund 800000 Franken betragen haben.
Fast zweijährige Vorbereitung
Beim Apéro für die Ehrengäste am Sonntagmorgen zugegen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Sport, unter ihnen Regierungsrat Mario Fehr und Kantonsratspräsidentin Romaine Rogenmoser (beide verfolgten das Schwingfest von der ersten bis zur letzten Minute). OK-Präsident Mirco Kurt erinnerte in einer kurzen Ansprache an die fast zweijährige Vorbereitungszeit, die vielen Sitzungen des 35-köpfigen OK und den Einsatz «der vielen hundert Chrampferinnen und Chrampfer». Viele von ihnen hätten sich bereits lange im Voraus für das Fest verpflichtet, andere spontan. Kurt: «Es zeigt, was alles möglich ist, wenn man in dieser Region etwas auf die Beine stellt.» Speziell erwähnt Kurt auch die Gemeinde Mettmenstetten für die «grosszügige und unkomplizierte Zusammenarbeit». – Kurt hatte 2019 bereits das OK des regionalen Turnfests in Obfelden geleitet; in Mettmenstetten ist er mit seiner Firma Kurt Wohndesign gleichzeitig einer der Hauptsponsoren, zusammen mit der ZKB, der Landi Obfelden und dem Sportamt des Kantons Zürich.
Wie viele Freiwillige hinter den Kulissen agierten, davon konnten sich die 1900 geladenen Gäste auch beim Bankett über Mittag im Festzelt überzeugen: Innerhalb von nur einer Stunde waren alle verpflegt. Als Hauptgang gab es Hackbraten, Kartoffelstock mit «Seeli» und Gemüse.
Das Menü wurde – lobend und augenzwinkernd – sogar von Mario Fehr in seiner Festrede am Nachmittag erwähnt. Unter dem Gelächter und dem Applaus der Festbesucherinnen und Festbesucher sprach er die «üppige Bewirtung an, und zwar MIT Fleisch». Das sei er sich als jemand, der oft in der Stadt Zürich an Anlässen teilnehme, gar nicht mehr gewohnt. Daneben lobten alle Festakt-Rednerinnen und -Redner auf die eine oder andere Weise die typischerweise mit dem Schwingen verbundenen Werte wie Fairness, Kameradschaft, Durchhaltewillen, Respekt. Fehr: «Schwingen gehört zu unserer DNA, ist Schweizer Tradition wie Turnen oder Schiessen. Schwingen ist Kulturgut.» Mettmenstettens Gemeindepräsidentin Vreni Spinner zeigte sich ihrerseits beeindruckt vom «grossartigen Fest», das für «uns eine grosse Ehre und Freude ist» und einen auch mit Stolz erfülle. Dies letztlich auch das Verdienst des lokalen Gewerbes. Es zeige, wie sehr man «in unserem Dorf und im Säuliamt» zusammenstehe.
Übergabe der Fahne
Symbolischer Höhepunkt des Festakts war die Übergabe der Fahne des Zürcher Kantonal-Schwingerverbands vom OK des letzten Kantonalschwingfests in Urdorf an das OK in Mettmenstetten.
Es habe eine «unglaublich positive Stimmung und Wertschätzung» gespürt, erklärte OK-Präsident Mirco Kurt in einer ersten Bilanz am Sonntagabend. Viele Besucherinnen und Besucher hätten ihm und damit stellvertretend allen Beteiligten ihren grossen Dank dafür ausgedrückt, dass ein solcher Grossanlass in der Region stattfinden kann. Auch die Schwinger selber hätten sich sehr zufrieden gezeigt.
Ein besonderer Moment, so Kurt, sei für ihn persönlich der Schluss seiner Rede im Rahmen des Festakts gewesen, als er realisiert habe, dass alle Rädchen ineinandergegriffen hätten und dass das Wetter trotz auffrischenden Windes für die letzten Wettkämpfe und den Schlussgang halten wird. In diesem Moment sei viel Druck von ihm abgefallen.












