Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen

Nirgends im Säuliamt wird mehr Sonnenstrom produziert als in Knonau. Vergangenen Donnerstag herrschte auf dem Stampfiplatz auch die grösste Dichte an Elektroautos. Kein Wunder, referierte doch Solar-Pionier Louis Palmer im Stampfisaal.

Im Solartaxi um die Welt: Louis Palmer liess in der Stampfi Knonau an seinem grossartigen Abenteuer teilhaben. (Bild Thomas Stöckli)
Im Solartaxi um die Welt: Louis Palmer liess in der Stampfi Knonau an seinem grossartigen Abenteuer teilhaben. (Bild Thomas Stöckli)

«Haben Sie auch Träume?», fragt der Innerschweizer Solar-Pionier Louis Palmer zu Beginn seines Vortrags in den gut besetzten Stampfisaal, Knonau. Mit einem Traum hat für ihn alles begonnen. Es war der Traum von einer Weltreise im Solarmobil, der ihn seit der Schulzeit nicht mehr losliess. Doch die Elektromobilität war damals noch nicht so weit. So musste er 1994 für sein siebenmonatiges Afrika-Abenteuer von Kenia nach Kapstadt in die Pedalen seines Velo treten, zwei Jahre später hob er für eine Überquerung der Vereinigten Staaten mit einem Ultraleichtflugzeug ab. «Louis, du spinnst», hätten ihm die Leute jeweils erklärt, erzählt Palmer rückblickend. Er selber habe jedoch gelernt, nie aufzugeben.

Diese Zuversicht bewährte sich, als der Abenteuerreisende, diesmal im Kleinbus unterwegs, kurz vor dem 11. September 2001 auf dem Heimweg aus Indien in Afghanistan Station machte. Mit 100 Dollar in der Tasche fragte er sich, was er für den Wiederaufbau einer im Krieg zerstörten Schule tun könnte. Kurzerhand wechselte er das Geld in die Lokalwährung Afghani um. Rund 320 Mio. Afghani, ein ganzes Kilogramm Papiergeld, bekam er dafür. Das Geld schmuggelte er zurück in der Schweiz und verkaufte es an die Besucher seiner Vorträge. 150000 Franken kamen so zusammen – weit mehr als für den Schulhausbau benötigt wurden.

Enttäuscht von der Autoindustrie

Dem Traum von der Fortbewegung mit Sonnenenergie war Louis Palmer allerdings immer noch nicht nähergekommen. So beschloss er, nicht mehr länger auf die Autoindustrie zu warten, sondern die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Um sein Solarauto zu bauen, so nahm er sich vor, würde er künftig täglich 125,6 Minuten investieren, die Zeit also, die ein Schweizer durchschnittlich vor dem Fernseher verbringt. Top-Batterien im Wert von 30000 Franken besorgte er sich im Tessin – im Tausch gegen Werbefläche auf seinem künftigen Auto. Für die Planung konnte er eine Gruppe von Studenten gewinnen, den Alurahmen fertigte ein Lifthersteller.

Nachdem auch das Strassenverkehrsamt dem Bastelwerk seinen Segen gegeben hatte, konnte die Reise am 3. Juli 2007 losgehen. Als ersten Fahrgast nahm er Bertram Piccard im Solartaxi mit. Erst noch belächelt, wurde Louis Palmer, der im deutschen «Spiegel» über seine Reise bloggte, bald mit Einladungen aus aller Welt eingedeckt. In Wien durfte er mit seinem Solartaxi ins UNO-Gebäude hineinfahren, in Syrien erhielt er nach einem leichten Auffahr-Unfall eine Polizeieskorte – «Ich habe mich gefühlt wie ein Präsident», so Palmer – und in Jordanien wurde er von einem Prinz empfangen. Sogar das sonst so restriktive Saudiarabien hiess das Solartaxi willkommen. Ein Solarauto im Erdölparadies, wie passt das? «Die Erdöl-Party ist in 10, 20 Jahren vorbei und das nächste Exportgut ist Sand für Solarzellen», erklärt Palmer.

Shuttle-Dienst an der Klimakonferenz

Über Indien – in Delhi nahm die damalige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey für einige Meter im Solar-taxi Platz – ging die Reise nach Bali. Dort stand Palmer im Shuttle-Dienst für die hochkarätigen Teilnehmer der Klimakonferenz. In einem Greenpeace-Schiff ging es weiter nach Neuseeland. Dort decken erneuerbare Energiequellen 80% des Strombedarfs. Möglich machen es geothermische Kraftwerke. Anders sieht es beim «Nachbarn» Australien aus: 60% des Strombedarfs werden hier durch die schier endlosen Kohlevorkommen abgedeckt, das Interesse an erneuerbarer Energie hält sich entsprechend in sehr engen Grenzen. «Ich war sehr, sehr enttäuscht», gesteht Palmer.

In China hingegen wurde für das Solartaxi überraschend der rote Teppich ausgerollt. Das Land der Gegensätze ist nämlich nicht nur Umweltsünder Nummer eins, sondern investiert auch am meisten in erneuerbare Energien. So sehe man überall Elektroroller, Solarzellen auf den Dächern sowie Windräder. Ähnliches gilt auch für die USA. Dort ist Grün in. So lobten etwa Tony Shalhoub, Hauptdarsteller der TV-Serie «Monk» und Talkmaster Jay Leno die Mission von Louis Palmer in den höchsten Tönen. Ein persönlicher Höhepunkt sei für ihn allerdings gewesen, als er UN-General-sekretär Ban Ki Moon in New York zur Arbeit fahren durfte, so Palmer.

Elektroautos bald günstigere Alternative?

Mit der Ankunft in Polen ging die Weltumrundung des Solartaxis am 3. Dezember 2008 zu Ende – damit allerdings nicht das Engagement von Louis Palmer für nachhaltige Mobilität. «Ich bin begeistert von Elektromobilität», gesteht er. Und es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Elektroautos die günstigere Alternative zum herkömmlichen Verbrennungsmotor werden. Diesen Entwicklungsschritt, so ist er überzeugt, werden allerdings nicht die Autokonzerne vorantreiben, sondern branchenfremde Unternehmen. Doch auch Louis Palmer wollte seinen Teil dazu beitragen, der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. So hat er die Elektroauto-Rallye «Wave» ins Leben gerufen, welche von Jahr zu Jahr mehr alltagstaugliche «Stromer» anlockt. Die diesjährige Austragung soll Mitte Juni in acht Tagen von der Nordsee bis in die Alpen führen.

Nicht nur die Elektromobilität hat es Louis Palmer angetan. So streute er in seinen Vortrag immer wieder Beispiele ein, wie sich der Energieverbrauch optimieren lässt: Häuser aus Stroh etwa können ohne Heizung auskommen. Oder wenn in der Schweiz auf jedem Dach eine Solaranlage installiert würde, könnte man alle Atomkraftwerke ausschalten – Anregungen, die beim Apéro rege diskutiert wurden. «Bleiben Sie dran an Ihren Träumen», gab der Referent seinem beeindruckten Publikum mit auf den Heimweg.

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