Entsteht am Lindenbach die Alterswohnform der Zukunft?
Alterswohnformen beschäftigen momentan Bevölkerung und Politik im Säuliamt. In Obfelden wird ein privates Wohnprojekt für den dritten Lebensabschnitt gebaut, das der Diskussion um Alterswohnformen neue Impulse verleihen kann.
Neues entsteht meist so, dass Bisheriges genommen und verändert wird. Die Idee für die Überbauung Lindenbach stammte vom Projekt solinsieme.com, das 2002 in St. Gallen realisiert worden ist. Die Obfelder RemoSciessere und Bernhard Borner haben sich dieses Projekt angesehen und sich entschieden, für ihre dritte Lebenshälfte etwas Ähnliches zu realisieren.
Wohneigentum und Genossenschaft
«Die Idee besteht darin, gemeinsam älter zu werden und trotzdem individuelle Freiheiten zu haben und zu erhalten. Deshalb werden die Wohnungen im Wohneigentum erstellt, wobei alle Besitzer und Bewohner Genossenschafter sind und die gemeinschaftlichen Räume zusammen tragen», erklärt der Architekt Remo Sciessere die Idee.
Im Freundeskreis seien immer wieder Ideen für nachfamiliäres Wohnen diskutiert worden und es sei schnell klar gewesen, dass eine gemeinsame Lösung erarbeitet werden sollte. Bei der Planung liessen sie sich von den Machern von solinsieme.com beraten. Deshalb wurden 18 Prozent des Innenraums für öffentliche Räume eingeplant: zwei Gästezimmer, zwei Ateliers, zwei grosse Gemeinschaftsräume, eine Werkstatt, eine Sauna, ein Fitnessraum, ein Waschraum und ein Baderaum. Remo Sciessere erklärt: «Die Wohnungen und Terrassen sind etwas kleiner konzipiert und die Nasszellen sind nur mit Duschen ausgestattet. Ein Grossteil der Freizeit kann gemeinsam verbracht werden – gleichzeitig sind die Rückzugsräume so gross, dass jeder für sich sein kann.»
Nur noch eine Wohnung leer
Nachdem erste Pläne gezeichnet und ein geeignetes Grundstück gefunden waren, wurde im August 2013 die Genossenschaft Lindenbach gegründet – mit sieben Genossenschafterinnen und Genossenschaftern. Im Januar 2014, als das Grundstück gekauft werden konnte, waren es bereits 21 Genossenschafter. Ende 2014 waren 18 von 19 Wohnungen bereits verkauft – eine 4,5-Zimmer-Wohnung ist noch nicht besetzt.
«Geplant sind die 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen für den dritten Lebensabschnitt, weil wir uns momentan in diesem befinden. Grundsätzlich kann aber jeder hier eine Wohnung kaufen, vorausgesetzt dass er oder sie auch Genossenschafter wird», erzählt Remo Sciessere. Die Wohnungen seien grundsätzlich natürlich verkäuflich, die Genossenschaft habe aber immer ein Vorkaufsrecht. So könne sichergestellt werden, dass auch innerhalb der Genossenschaft die Wohnung gewechselt werden kann.
Naturschwimmbad im Garten
Auf das Zusammenleben wird viel Wert gelegt. Beispielsweise die Gästezimmer werden gemeinsam genutzt. Dies ist einerseits kosteneffizienter, andererseits kann so die Nutzungsregelmässigkeit dieser Räumlichkeiten erhöht werden. Alle Innenräume sind trockenen Fusses erreichbar. Im Garten entsteht Platz für Begegnung, Hochbeete und Obstbäume. Zudem entsteht ein Naturschwimmbad, das mittels Bio-Filtertechnik gereingt wird.
Das Bedürfnis nach alternativen Wohnformen im dritten Lebensabschnitt zeigt sich auch daran, dass ohne Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bereits fast alle Wohnungen verkauft worden sind. Nach dem Einzug Ende 2015 wird sich zeigen, wie gut das Konzept funktioniert – Pioniercharakter hat es auf jeden Fall.








