Frieden beginnt mit einer Idee
Podiumsgespräch über mehr Investitionen in die Friedensförderung im Kloster Kappel

Am vergangenen Samstag fand im Rahmen der zweiten Tagung «Schule des Friedens» in der Kirche des Klosters Kappel eine Podiumsdiskussion zum Thema Frieden statt. Zugegen waren Benedikt Roos, Chef der Schweizer Armee, Margot Kässmann, ehemalige Bischöfin der evangelischen Kirche Hannovers, Laurent Goetschel, Professor für Politikwissenschaften an der Universität Basel und Direktor der Schweizerischen Friedensstiftung (swisspeace) und überraschenderweise die Grüne-Zürcher-Nationalrätin Marionna Schlatter, welche spontan für die verhinderte Parteipräsidentin der Grünen Schweiz, Lisa Mazzone, hatte einspringen können. Vor knapp 80 Zuschauerinnen und Zuschauern diskutierten die illustren Persönlichkeiten unter Moderation von Andreas Nufer, Theologischer Leiter des Klosters Kappel und Pfarrer, über die Idee «1 % für den Frieden». Es handelt sich dabei um eine sich noch im Prozess der Entstehung befindende angedachte eidgenössische Volksinitiative, mit dem grob gesteckten Ziel, dass ein Prozent des staatlichen Haushaltsbudgets für Friedensförderung aufgewendet werden soll.
Was bedeutet Frieden?
Zuallererst galt es jedoch, den Begriff Frieden zu klären. Aus Sicht von swiss-peace und friedensfördernden Organisationen sei Frieden, so Goetschel, die Abwesenheit von Gewalt bei gleichzeitigem Verständnis der Ursachen von Gewalt. Konflikte generell seien nicht problematisch, sondern würden teils auch Lösungen herbeiführen.
Biblisch gesprochen, so Kässmann, sei Friede, wenn Menschen ohne Angst, Hass und Gewalt zusammen leben könnten, aber auch im sozialen Ausgleich.
Schlatter schloss sich als Politikerin dem an und betonte aber, dass man zudem die Abwesenheit von Gewalt in unterdrückten Gesellschaften nicht akzeptieren dürfe. Individuelle Freiheit, sich selbst entfalten zu können, gehört für die Grüne-Nationalrätin auch dazu.
Was denn der Chef der Armee dazu sage, der Krieg sei ja schliesslich sein Geschäft, gab Nufer provokant Roos das Wort, der souverän konterte: «Das wäre ein bisschen kurz gegriffen, wenn wir das so definieren würden. Im Gegenteil, wir sehen uns eigentlich als ein Mittel zur Friedensförderung. Wir schaffen die Grundlagen, dass Frieden überhaupt möglich ist.» Für ihn persönlich sei Frieden ein Zustand, bei dem es keine zwischenstaatlichen Konflikte und Kriege gebe, aber auch, wenn innerstaatlich respektvoll miteinander umgegangen werde. «Und zwar nicht nur respektvoll gegenüber anderen Menschen, sondern auch gegenüber unseren Lebensgrundlagen», präzisierte Roos.
Versöhnlich stellte Nufer fest, dass man sich recht einig sei, sodass es nicht weiter vertieft werden müsse. Bei der letzten Tagung sei man zum Schluss gekommen, dass es, damit Frieden herrschen kann, eine politische Debatte brauche, eine Auseinandersetzung, Gerechtigkeit. Dafür braucht es wiederum auch Aktivismus, weshalb kurz über die Friedensbewegung diskutiert wurde.
Formel der Bedrohung
Andreas Nufer nutzte die Gelegenheit, dem Chef der Armee auf den Zahn zu fühlen: «Braucht die Armee in der Schweiz mehr Geld, als sie jetzt hat?» Roos stellte daraufhin die Formel für den Grad der Bedrohung auf: «Potenzial mal Absicht mal Opportunität.» Er legte die Eskalationsspirale vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs dar: 2008 habe Putin an der Münchner Sicherheitskonferenz sein Konzept offen gelegt, 2009 wurden Teile von Georgien von Russland besetzt, 2014 die Krim annektiert. «Die geopolitische Lage hat sich so verändert, dass wir auch im Bereich der Schweizer Armee mehr tun müssen», antwortete Roos schliesslich. Ob er dafür sei, dass die Schweiz der Nato beitrete, fragte Nufer. Das verneinte Roos und ärgerte sich darüber, dass sofort dieser Eindruck entstehe, wenn man Kooperationen eingehe. «Wir können die neuen Bedrohungsformen nicht mehr alleine bewältigen, also müssen wir zusammenarbeiten», rechtfertigte er. Er hält es für falsch und bezeichnet es gar als eine «Schweizerische Vorstellung», dass einem gleich geholfen werde, wenn man erst kooperiere, wenn ein Problem da sei. Kooperation bedeute auch, einen Beitrag zu leisten. «Wenn Europa bedroht ist, ist auch die Schweiz bedroht, darum sage ich, wir müssen in Friedenszeiten diese Verbindungen haben. Wir müssen miteinander sprechen können, nicht nur die Menschen, sondern auch die Systeme», sagte Roos, nur so könne im Ernstfall reagiert werden. Weiter ging das Podium mit dem Ansatz, den Krieg stattdessen mit allen Mitteln zu verhindern.
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