Grosser Einsatz für Hilfsbedürftige

Der Sozialdienst Bezirk Affoltern lud zur Jahresversammlung in die Senevita Obstgarten

Der Verwaltungsrat (von links): Geschäftsführer Alexander Schibli, Harry Koch (neu), VR-Präsident Rico Roth, Gisèle Stoller Laubi, Priska Dosch (neu), Isabelle Egger, Oliver Bär, Christoph Schaufelberger und Röbi Müller. (Bild Patrick Caplazi)

Rico Roth, Verwaltungsratspräsident des Sozialdienstes Bezirk Affoltern (Soba), begrüsste am Donnerstagabend Mitarbeitende, Vertreter der Gemeinden und der Kesb und weitere Gäste. An der Jahresversammlung stand das vergangene Jahr im Mittelpunkt. Eine der grössten Veränderungen war der Wechsel der Geschäftsleitung. Nachdem Ivo Lötscher als langjähriger Geschäftsführer im Januar 2023 kündigte, galt es, binnen sechs Monaten für eine Nachfolge zu sorgen.

Im Mai 2023 informierte der Verwaltungsrat die Mitarbeitenden, die Trägergemeinden und die Öffentlichkeit über die Wahl von Alexander Schibli zum neuen Geschäftsführer des Soba. Schibli trat die Stelle am 1. September 2023 an. Des Weiteren stellte der Verwaltungsrat die Weichen für eine innovative Zukunftsgestaltung. Dabei wurden die Legislaturziele 2022 bis 2025 überprüft und die abgeleiteten Massnahmen den neuen Gegebenheiten ­angepasst. Zudem soll die Organisationsstruktur optimiert werden.

Der Verwaltungsrat startete dafür das Projekt «Soba Go!». Dies soll für weitere Optimierungen sorgen. «Unser Hauptziel ist es, keine Trägergemeinden zu verlieren», sagte Roth dazu. Die Dienstleistungen sollen noch zielgerichteter erbracht und damit verbunden die Zufriedenheit und das Vertrauen der Kunden gesteigert werden. Die Analysen über die verschiedenen Bereiche des Soba laufen, in der zweiten Jahreshälfte sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Menschen für Menschen

Der Sozialdienst Bezirk Affoltern bot im vergangenen Jahr insgesamt 1342 Personen und 596 Familienmitgliedern seine Hilfe an. Ein Grossteil der Hilfeempfänger sind Kinder und Jugendliche. Zählt man die jungen Erwachsenen dazu, dann sind rund 48 Prozent unter 25 Jahre alt. «Dies zeigt, welchen Stellenwert Bildung und Sprache, Ausbildung und Beruf sowie damit verbunden die soziale Integration haben», sagte Geschäftsführer Alexander Schibli an der Versammlung.

Die mit Abstand meisten Zugänge waren im Asyl- und Migrationsbereich zu verzeichnen. Wie im Vorjahr hatte der Soba im Frühjahr 2023 einen grossen Zuwachs an neuen Klientinnen und Klienten im Asylbereich – dies aufgrund der Aufnahmequotenerhöhung im Kanton Zürich von 0,9 Prozent auf 1,3 Prozent. Ende 2023 unterstützte der Soba rund 600 Personen mit Asylfürsorge. Für die temporäre Unterbringung von Asylsuchenden mussten im Bezirk zwei Kollektivunterkünfte genutzt werden: die Zivilschutzanlage Obfelden und die Militärunterkunft Bonstetten. Das Team Asyl- und Migrationswesen beschäftigte 15 Personen.

Wechsel bei der Berufsbeistandschaft

Nach zehn Jahren als Leiter der Berufsbeistandschaft entschied sich Thomas Luder, den Sozialdienst Bezirk Affoltern zu verlassen. Ivonne Klein, die seit mehr als elf Jahren in der Berufsbeistandschaft im Soba tätig ist und Luders Stellvertretung innehatte, übernahm ab Anfang Jahr die Leitung. Eine weitere einschneidende Veränderung ergab sich aus dem Entscheid der Gemeinden Bonstetten, Stallikon und Wettswil, ihre Beistandschaften nicht mehr von der Berufsbeistandschaft des Soba, sondern von derjenigen der Stadt Affoltern führen zu lassen. Anfang 2023 hatte das Team der Berufsbeistandschaft der Soba insgesamt 203 Fälle, am Jahresende waren es noch 161.

Für die Abteilung Persönliche Hilfe war das vergangene Jahr vielfältig, turbulent und intensiv. Die Fragestellungen in der Klientenarbeit und die Aufträge wurden stets herausfordernder. Die Gründe dafür sind vielfältig. «Der ausgetrocknete Wohnungsmarkt, die Flüchtlingslage und die generell hohe psychische Belastung der Menschen tragen zu dieser Intensität und Komplexität in der Fallarbeit bei», schreibt Alexander Schibli in seinem Geschäftsbericht. Mit insgesamt 89 geführten Fällen im Jahr 2023 bei 120 Stellenprozenten war die Auslastung sehr hoch und ausgeschöpft. Nebenbei kam es im Februar zu einem Leitungswechsel: Michel Duc übernahm die Funktion des Bereichsleiters anstelle von Michelle Högger.

Die Suchtberatung des Soba war ebenfalls gefordert. Im Schnitt wurden 35 bis 40 Fälle behandelt. Aufgrund der hohen Fallbelastung konnten einige Projekte nicht durchgeführt werden. «Für den nach wie vor hohen Bedarf an Suchtberatung werden verschiedene Gründe vermutet. Die Sorgen beziehen sich auf Inflation, Krieg, Gesundheit und Arbeitsplatz, wobei die emotionale Belastung nach der Pandemie ebenfalls noch mitschwingt», so Schibli weiter.

Die Abteilung Wirtschaftliche Sozialhilfe führte 2023 für die Bereiche Sozialhilfe und Sozialhilfe Asyl insgesamt 249 Dossiers. Hierbei wurden 400 Personen unterstützt. Der mit grossem Abstand meistgenannte Grund bei der Anmeldung war «Gesundheit psychisch», was im Hinblick auf eine ­mögliche berufliche Integration der Klientinnen und Klienten sowie in der täglichen Arbeit der Fallführenden einen grossen Einfluss hatte.

Jahresrechnung 2023

Beatrice Herger, Leiterin Finanz- und Rechnungswesen, stellte an der Versammlung die Jahresrechnung vor. Im April 2023 beschloss der Verwaltungsrat eine erstmalige Ausschüttung aus dem Eigenkapital an die Trägergemeinden von 631000 Franken. Die Auszahlung wurde nach den Vorgaben des Gemeindeamtes des Kantons Zürich der Erfolgsrechnung belastet.

Der ordentliche Jahresgewinn des Geschäftsjahres 2023 betrug 433000 Franken. Nach Berücksichtigung der Rückzahlung an die Gemeinden schliesst die Erfolgsrechnung mit ­einem Aufwandüberschuss von 198000 Franken ab. Der Gesamtaufwand belief sich auf 25 Millionen Franken. Der grösste Posten war das Asyl- und Migrationswesen (52 Prozent), gefolgt von der Wirtschaftlichen Sozialhilfe (24 Prozent). Die Gemeindebeiträge beliefen sich auf 8,84 Millionen Franken.

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