Grosses Publikumsinteresse, aber noch wenig Konkretes zum Windpark Birch

An der Informationsveranstaltung in Bonstetten wurden die Pläne für einen künftigen Windpark erläutert

Der Gemeindesaal in Bonstetten vor Beginn der Infoveranstaltung. (Bilder Marcus Weiss)

Der Gemeindesaal in Bonstetten vor Beginn der Infoveranstaltung. (Bilder Marcus Weiss)

Rolf Schilliger, Gemeinderat von Hedingen und Mitglied der dortigen Energiekommission, wandte sich ebenfalls an die Besucherinnen und Besucher.

Rolf Schilliger, Gemeinderat von Hedingen und Mitglied der dortigen Energiekommission, wandte sich ebenfalls an die Besucherinnen und Besucher.

Ein brechend voller Gemeindesaal, TV-Aufzeichnungen vor dem Eingang schon eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung, dazu engagierte Diskussionen im Foyer: Das Interesse am Thema eines geplanten Windparks auf dem Hügel Birch zwischen Bonstetten und Hedingen zeigte sich überdeutlich am vergangenen Donnerstag bei der Infoveranstaltung in Bonstetten. Das hinter dem Projekt stehende Unternehmen «Windenergie Schweiz AG» hatte keinen Aufwand gescheut, den Saal mit zahlreichen Informationstafeln zur Windenergie im Allgemeinen und zum Vorhaben auf der Birch im Speziellen zu bestücken. Auf einer Tafel wurde ein Landkartenausschnitt präsentiert, der die Umgrenzung des möglichen künftigen Windparks im sogenannten Eignungsgebiet Nummer 51 sichtbar machte. Die Windenergieanlagen würden demnach auf dem bewaldeten, nördlichen Teil des Hügels im Bereich der Gemeindegrenze zwischen Hedingen und Bonstetten zu liegen kommen, der mit 652 Metern über Meer höchste Punkt der Erhebung im Bereich Fromooshau liegt gemäss der gezeigten Karte ziemlich genau am südlichen Rand der definierten Zone.

«Zwei Drittel der Windstrom-Produktion fallen im Winterhalbjahr an»

Saskia Bourgeois vom Bundesamt für Energie eröffnete die Infoveranstaltung mit ein paar Fakten zur allgemeinen Klimaproblematik. «Wir sind jetzt bei 1,4 ° Celsius angelangt bei der Klimaerwärmung, die Schweiz reagiert etwas sensibler, deshalb sind wir hier schon bei 3 ° Celsius», erklärte die Expertin. «Um die Erderwärmung zu bremsen, müssen wir von der fossilen Energie wegkommen», so das weithin bekannte Fazit. Bourgeois verwies auf die Abstimmungen in den Jahren 2017, 2023 und 2024, in denen das Schweizer Stimmvolk jeweils mit deutlicher Mehrheit den Bestrebungen der Regierung zur Eindämmung von fossilen Energieträgern und der Ausrichtung des Energiesystems auf das Netto-Null-Klimaziel zugestimmt hat.

«Es wurde nicht nur abgestimmt, es hat sich auch schon viel getan in den letzten zehn Jahren», so die Fachspezialistin für erneuerbare Energien. Mittlerweile könne rund ein Sechstel des Stromverbrauchs in der Schweiz aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. In der gezeigten Präsentation, welche die Entwicklung zwischen den Jahren 2000 und 2024 veranschaulicht, war ersichtlich, dass das Wachstum bei der Sonnenenergie in einer sehr steilen Kurve nach oben zeigt, während die Windenergie trotz mittlerweile fünfzig erstellten Anlagen ein noch sehr bescheidenes Schattendasein fristet. Fakt sei, dass in ganz Europa mehr Wind- als Sonnenenergie produziert werde und dass die grosse Stärke bei der Windenergie in der Schweiz der Umstand sei, dass zwei Drittel der Produktion im Winterhalbjahr anfallen, während bei der Solarenergie beispielsweise im Dezember nur rund zwei Prozent der Jahresproduktion erzielt werden.

Die Baudirektion des Kantons Zürich (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) war an der Veranstaltung durch Maria Schnyder vertreten. «Es gibt mehrere Nutzungsinteressen im Kanton Zürich, die im starken Konflikt mit der Windenergie stehen, nach Bereinigung wegen der Nutzen- und Schutzinteressen bleibt nicht mehr viel vom Kanton übrig», bemerkte Schnyder mit Blick auf die Karte der Eignungsgebiete. Letztlich sind neunzehn von den ursprünglich zweiundfünfzig Gebieten übriggeblieben. «Ein Richtplan ist keine Baubewilligung, sondern eher die Festlegung: Wenn Windkraft, dann an diesem Standort», betonte sie.

Der Bonstetter Gemeinderat Roger Schuhmacher (Ressortvorsteher Liegenschaften, Umwelt und Energie) zeigte sich erfreut, dass so viele Interessierte der Einladung in den Gemeindesaal gefolgt waren. «Es ist ein mega Bild, das sich mir bietet, es beweist, dass den Einwohnerinnen und Einwohnern das Thema nicht egal ist», meinte er mit Blick auf das Publikum. Schuhmacher verglich die heutige Situation bei der Energieproduktion in der Schweiz mit einer lange zurückliegenden Lage: «Wir waren schon einmal an einem Punkt, wo wir vollkommen von Kohleimporten aus dem Ausland abhängig waren, erst durch massive Investitionen in die Wasserkraft konnte damals die Wende herbeigeführt werden.» Auf die heutige Kaufkraft umgerechnet, würden die in der erwähnten Periode getätigten Investitionen sechzehn Milliarden Franken pro Jahr entsprechen. Dieser Summe gegenüber stehe die Zahl von zwölf Milliarden Franken, die man im Krisenjahr 2022 ans Ausland gezahlt habe. Roger Schuhmacher liess die Anwesenden abschliessend wissen, dass die Gemeinde Bonstetten weder in Verbindung mit dem Unternehmen «Windenergie Schweiz» stehe noch Verträge mit ihm habe.

Einzig die Anzahl der möglichen Windräder steht schon fest

Das eigentliche Projekt auf dem Hügel Birch wurde anschliessend von Martina Nigg als Vertreterin von «Windenergie Schweiz AG» vorgestellt. «Wir wissen noch nicht, ob ein Windpark Birch Sinn macht, da müssen wir noch ganz viel prüfen», meinte sie einleitend. Man wolle nicht negieren, dass ein Windrad Auswirkungen auf seine Umgebung habe, die Frage sei aber, wie man damit umgehe. «Das einzige Thema, das man nicht sachlich angehen kann, ist das Landschaftsbild», räumte sie ein. Es folgten Fotos von der Baustelle einer Windkraftanlage im Wald an einem nicht näher genannten Ort in Süddeutschland, die von 2015 stammen. «Wir planen hier auf der Birch mit drei Anlagen, wo genau sie stehen würden, können wir noch nicht sagen, ebenso wenig die genaue Höhe und den Anlagentyp», gab Nigg zu verstehen. Man sei noch relativ am Anfang, erst wenn in vielen Jahren bei allen relevanten Punkten (unter anderem ist hier die Umweltverträglichkeitsprüfung zu nennen) ein Häkchen angebracht werden könne, sei der Weg zur konkreten Umsetzung frei.

Das vom Unternehmen bei der Waldhütte aufgestellte Lidar-Gerät sei in der Lage, bis in 260 Meter Höhe die Bewegung von Partikeln in der Luft zu messen und auf diese Weise die Windgeschwindigkeit zu bestimmen. Nur wenn es wirklich Sinn mache, werde man eine Baubewilligung anstreben, betonte die Vertreterin von «Windenergie Schweiz». Das Unternehmen fungiere in diesem Fall als eine Art Generalunternehmer für Planung, Bau und Begleitung, das Konzept des «Bürgerwindparks» sehe dabei vor, dass bis zu drei Viertel der Anteile in Form von Aktien lokal abgegeben würden. Ziel sei auch ein vergünstigter Windstromtarif, dies könne allerdings wegen ausstehender politischer Entscheidungen noch nicht versprochen werden.

Hedingen zeigt Skepsis gegenüber der Anzahl Eignungsgebiete

Als letzter Redner sprach Rolf Schilliger, Gemeinderat von Hedingen und Mitglied der gemeindeeigenen Energiekommission. «Wir sind momentan nicht sehr euphorisch unterwegs bei der Energiekommission Hedingen, ob wir diese Standorte rund um Hedingen für geeignet halten können», äusserte er sich. «Wie wir gesehen haben, sind die Anlagen sehr gross, und gleich mehrere Eignungsgebiete befinden sich um Hedingen herum.» Diese Haltung bestätigte er später auch im persönlichen Gespräch mit dem «Anzeiger». «Mit der Anzahl Windräder rund um unsere Gemeinde können sich sowohl die Energiekommission wie auch der Gemeinderat nicht anfreunden, es handelt sich um insgesamt elf Windräder in vier Eignungsgebieten», gab er zu Protokoll.

Bei der abschliessenden Fragerunde ging es unter anderem auch um die Rolle des Unternehmens, das den Windpark Birch plant. «Wir sind eine private Firma mit einem Investor im Hintergrund, und wir bringen sehr viel Erfahrung in der Windenergie mit», erklärte Martina Nigg. Eine Fragestellerin erkundigte sich über die mögliche Wiederverwendung von Fundamenten nach dem Ende der Nutzungszeit der Anlagen. «Der Auf- und Abbau geht viel schneller, als man denkt, und der Betreiber ist verpflichtet, das Fundament nach der Ausserbetriebnahme einer Anlage wieder zu entfernen», lautete hier die Rückmeldung.

Auch die (bislang) nicht gegebene Einsehbarkeit der Windmessdaten wurde erfragt. «Die Rohdaten bringen Ihnen nichts, erst die Auswertung der spezialisierten Firma wird tatsächliche Aussagen erlauben», so die Antwort gemäss Gedächtnisprotokoll. Die Fragerunde ging am Schluss relativ abrupt zu Ende, da zum sichtlichen Missfallen der Auskunftspersonen einige Anwesende wiederholt Statements einbrachten, die keine eigentlichen Fragen waren. Darauf angesprochen, wie man mit Widerspruch in der Bevölkerung zu Windkraft-Projekten umgehe, antwortete Martina Nigg gegenüber unserer Zeitung, man sei sich bewusst, dass es jeweils etwa zehn bis zwanzig Prozent «Hardcore-Befürworter und -Gegner» gebe, dies sei auch in anderen Gegenden so. «Sechzig Prozent sind unserer Erfahrung nach positiv-kritisch. Es ist klar, dass es Diskussionen gibt, aber wenn wir es nicht machen, dann machen es eben andere.»

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