GV Verein Wabe – Wachen und Begleiten
Freiwillige begleiten sterbende und an Demenz erkrankte Menschen zu Hause oder in Institutionen
Ende Mai 2016 wurde der Verein Wabe Knonaueramt gegründet. Am 10. Juni 2026 konnte er anlässlich seiner neunten ordentlichen Generalversammlung im Spital Affoltern erneut auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Seit nunmehr zehn Jahren begleiten Freiwillige sterbende und an Demenz erkrankte Menschen zu Hause oder in Institutionen. Rund 25 freiwillige Begleiterinnen und Begleiter entlasten und unterstützen heute betreuende Angehörige und ergänzen die Arbeit von Fachpersonen. Der Fokus der Begleitung liegt im zwischenmenschlichen Bereich, im Da-Sein für die kranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Die Begleiteinsätze werden im ganzen Bezirk Affoltern geleistet und sind kostenlos. Die freiwilligen Begleiterinnen und Begleiter werden mit fachspezifischen Schulungen auf ihre Aufgabe vorbereitet.
Angebot auf die Delir Unit ausweiten
Präsidentin Carmen Kissling beschrieb die Hauptaufgabe des Vorstandes im vergangenen Jahr: «Wir entschieden uns, unser Angebot auf die Delir Unit zu erweitern.»
Die geschlossene Abteilung Delir Unit des Spitals Affoltern ist mit einem darauf spezialisierten und erfahrenen Behandlungsteam sowie einer ruhigen Umgebung auf akutgeriatrische Patientinnen und Patienten mit akuter Verwirrtheit oder einer Demenzerkrankung ausgerichtet.
Nun wurde aus der Idee ein Pilotprojekt. Die Freiwilligen unterstützen Fachpersonen auf der Delir Unit im Stübli, lesen den Patienten vor, machen gemeinsam Spiele oder sie unterstützen beim Essen und Trinken.
«Viele ambulante Einsätze zu Hause und in Pflegeheimen mit demenzbetroffenen Menschen basieren auf einer achtsam aufgebauten Beziehung zwischen Freiwilligen und Patientinnen und Patienten», so Carmen Kissling.
Entsprechend werden neue Freiwillige gesucht, vor allem für den Demenzbereich, stationär oder ambulant. Sie werden professionell auf diese Aufgaben vorbereitet.
Effiziente Generalversammlung
Zum Einstieg in die GV las Präsidentin Carmen Kissling aus persönlichen Berichten, die im Jahresbericht veröffentlicht wurden. Begleiterin Anneli Lengen schreibt: «Ich freue mich immer auf die Einsätze bei Frau K. Wir verstehen uns sehr gut, und es ist schön, dass ich ihr mit meinen Besuchen eine Freude machen kann.» Axel Zwahlen lernte, Hände und Füsse zu massieren, und fasste seine Erfahrungen so zusammen: «Keine Gedanken an die Schmerzen, keine Sinnfragen, kein ‹Warum ich?›, keine Verkrampfungen. Wenn ich das jeweils erreiche, sind mein Vis-à-vis und ich zufrieden.»
Die Künstlerin Susanne Baer ist schwer erkrankt und freut sich immer auf den Besuch ihrer Begleiterin: «Geben ist schön, aber Empfangen ebenso!» Ihre Bilder illustrieren den attraktiv gestalteten sowie mit Zitaten und Gedichten angereicherten Jahresbericht.
Nach der unkomplizierten Abwicklung der Geschäfte – alle Anträge des Vorstandes wurden angenommen – las Carmen Kissling ein Mundartgedicht. Sie verdankte die Leistungen aller Freiwilligen und des Vorstandes, insbesondere auch das Engagement der Koordinatorin Luzia Zaugg und der Buchhalterin Katherine von Arx. Das Gesamttotal der geleisteten Stunden aller Freiwilligen stieg im Jahr 2025 auf 2027 Stunden an. Der Verein Wabe wird durch Mitgliederbeiträge, Spenden und Legate finanziert und steht zurzeit finanziell gut da.
Wer sich bei Wabe engagiert, ist sich bewusst, dass er hautnah mit Fragen rund um Sterben und Tod konfrontiert sein wird. «Im Rahmen des selbstbestimmten Sterbens dürfen die Freiwilligen zuhören, die Anliegen ernst nehmen und bei Bedarf Fachpersonen hinzuziehen. Was sie aber nicht dürfen: Beratung zu kontinuierlicher Sedation oder zu ‹Exit› leisten», erklärte Carmen Kissling.
Martin Schuppli und DeinAdieu.ch
Im Anschluss an die ordentliche Generalversammlung vom 10. Juni 2026 erzählte Martin Schuppli, gebürtiger Säuliämtler und Journalist, von Gesprächen zum Thema «Letzte Reise» und schilderte zudem eigene Erfahrungen aus seiner Tätigkeit im Hospizbereich. Er ist Mitbegründer der Plattform DeinAdieu.ch, auf der zahlreiche Artikel, Interviews und Reportagen rund um Sterben, Tod und Abschied veröffentlicht werden. In seinem Referat nahm er aus seiner sehr persönlichen Sicht Stellung zu Fragen rund um das selbstbestimmte Sterben. Für sich würde er «Exit» wählen, sollte er sein Leben nicht mehr als lebenswert erachten.
Eine Frau aus dem Publikum stellte die Frage, ob die Entscheidung, den Zeitpunkt des Sterbens dem Zufall oder einer höheren Macht zu überlassen, nicht ebenfalls eine Form des selbstbestimmten Sterbens sei.
Markus Minder, Ärztlicher Direktor, Co-Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin und des Kompetenzzentrums Palliative Care – Villa Sonnenberg, unterstrich: «Wichtig ist, dass man sich mit der eigenen Endlichkeit befasst, sich über unterschiedliche Möglichkeiten informiert, mit seinem sozialen Umfeld darüber spricht und schliesslich entscheidet – im Wissen darum, dass man sich jederzeit neu entscheiden darf.» Oder, um es mit den Worten von Martin Schuppli zu sagen: «Es ist immer zu früh, bis es zu spät ist.»






