Gut besuchte GV in Hedingen

Rechnung und Pumptrack bewilligt – scheidende Behördenmitglieder würdig verabschiedet

Die abtretenden Kommissions- und Behördemitglieder von links Rico Girardi, Baukommission, Matthias Bär, RPK, Christine Erni und Ruedi Fornaro, Gemeinderat bzw. Präsident, Peter Ackermann, Energiekommission, und Michael Grimmer, Schulpflege. Nicht
Die abtretenden Kommissions- und Behördemitglieder von links Rico Girardi, Baukommission, Matthias Bär, RPK, Christine Erni und Ruedi Fornaro, Gemeinderat bzw. Präsident, Peter Ackermann, Energiekommission, und Michael Grimmer, Schulpflege. Nicht auf dem Bild sind Andri Oertli, Baukommission, Lorenz Meng und Stephan Wildi, RPK, sowie Thomas Schweizer, Energiekommission. (Bild Martin Platter)

196 Stimmberechtigte konnte Ruedi Fornaro an seiner letzten Gemeindeversammlung am Donnerstagabend im Hedinger Schachensaal begrüssen. Neben der defizitären Rechnung 2025 stand der Projektkredit in Höhe von knapp 700000 Franken für die geplante Pumptrack- Anlage beim Sportplatz Schlag sowie eine Anfrage der SVP gemäss Paragraf 17 Gemeindegesetz zu den Asylkosten auf der Agenda. Viele dürften aber auch gekommen sein, um die scheidenden Kommissions- und Behördenmitglieder würdig zu verabschieden.

Die Jahresrechnung in Höhe von 27.129 Millionen Franken und einem Defizit von rund 700000 Franken stellte Nicole Doppler vor. Die Finanz- und Immobilienvorsteherin sowie designierte Gemeindepräsidentin sagte: «Es ist nicht zu beschönigen, wir schliessen mit einem Defizit ab. Aber wenigstens war das Defizit nicht so hoch wie budgetiert.» Dank höherer Steuereinnahmen sei der erwartete Verlust tiefer ausgefallen als erwartet. Es müsse aber festgestellt werden, dass die steigenden Anforderungen an die Gemeinde auch zu höheren Kosten führten. Doppler erwähnte den Personalaufwand, bei dem es wegen Veränderungen und Vakanzen zu Mehrkosten (+11,5 %) kam; ebenso beim Sach- und Betriebsaufwand. Per 31. Dezember 2025 weist die Gemeinde ein Eigenkapital von 50 Millionen Franken aus.

Mehrausgaben wiegen Mehreinnahmen nicht auf

Mehrausgaben gab es auch im Bereich Umweltschutz und Raumordnung wegen der Zentrumsplanung und des Biodiversitätsprojekts. Bei der Zentrumsplanung belaufen sich die Kosten durch Mehraufwendungen auf 355773 Franken (budgetiert waren 210000 Franken). 163411 Franken haben die Grundeigentümer zu übernehmen. Fast ebenso hoch sind die Kosten für Natur- und Umweltschutz (345618 Franken). Davon entfallen 200458 auf die Biodiversitätsinitiative, wo der Erfüllungsgrad nun bei 117 Prozent liege.

Bei den Steuereinnahmen schlagen 1.588 Millionen Grundstückgewinnsteuern zu Buche. Auch die Steuerkraft sei am Steigen. Pro Kopf lag sie 2025 bei 3805 Franken (2024: CHF 3695.-). Im Vergleich mit dem Kantonsmittel (ohne Stadt CHF 4454.-) liege Hedingen jedoch zurück. Bei den Nettoinvestitionen wurden nur 1.9 Millionen Franken ausgegeben, budgetiert waren knapp 3.3 Millionen, was auf diverse Projektverzögerungen zurückzuführen ist (Hedinger Weiher, Neubau Unterflurcontainer, Hochwasserschutzmassnahmen, Sportplatz Schlag, Revision Inventar schützenswerte Objekte). Nach Beendigung der Ausführungen von Nicole Doppler wurde die Rechnung mit offensichtlichem Mehr ohne eine Frage angenommen.

Pumptrack: Bewegungs- und Begegnungsstätte

Das Pumptrack-Projekt beim Sportplatz Schlag (vis-à-vis Kolb AG), für das ein Objektkredit von 693000 Franken vorgesehen ist, wurde von Tiefbauvorsteher Marco Vanetta vorgestellt. Es sieht nicht nur einen Pumptrack mit zwei Linien vor, sondern will einen öffentlichen Begegnungs- und Bewegungsplatz schaffen mit Sportgeräten, Sitzplatz und Feuerstelle. Hinter dem Projekt steht der Verein Pumptrack Hedingen, der sich seit sechs Jahren für das Anliegen einsetzt und ein Drittel der Baukosten übernehmen wird. Laut Vanetta ist der Standort beim bereits bestehenden Fussballplatz optimal, da kein zusätzlicher Landverschleiss entstehen würde und der Platz zu Fuss und mit dem Velo gut erreichbar ist. Wenn alles rund läuft, soll der Baustart im Frühling 2027 erfolgen, die Anlage bis im Sommer bezugsbereit sein. Vereinspräsident Dirk Seeburger betonte die Wichtigkeit des Projekts für die Jugend und Familien und informierte, dass der Familienverein Hedingen bisher der grösste Sponsor sei und bereits ein Drittel des Vereinsanteils habe gesammelt werden können. Die Rechnungsprüfungskommission gab ebenfalls ihren Segen.

Die anschliessende Fragerunde drehte sich um die geplanten Sportgeräte, das Verkehrsaufkommen, die Betriebszeiten und den Unterhalt. Die Sportgeräte wurden infrage gestellt. Auch in Affoltern stünden diese Eisengestelle (einfache Fitnessgeräte fürs Krafttraining) beim Sportplatz zur Verfügung, würden aber kaum genutzt und sähen optisch nicht schön aus. Antwort Vanetta: «Wir haben noch nicht im Detail entschieden, welche Geräte beschafft werden.» Eine Anwohnerin machte darauf aufmerksam, dass keine zusätzlichen Parkplätze geplant seien und auch kein Verkehrskonzept vorliege. Sie befürchtet, dass im Quartier parkiert wird. Die Betriebszeiten abends bis 22 Uhr seien zudem sehr lange. Sie vermutet, dass es mehr Lärm geben könnte. Antwort Vanetta: «Wir wollen das Betriebskonzept erst finalisieren, nachdem wir Erfahrungen aus dem Betrieb einfliessen lassen konnten.»

Eine Votantin begrüsste das Vorhaben. Es sei eine gute Antwort auf Bestrebungen des Kantons, den Schulsport zu schwächen. «Aber wer wird die Anlage künftig unterhalten?» Antwort Vanetta: «Der Besitzer der Anlage ist die Gemeinde, sie ist verantwortlich.» Dabei werde sie vom Verein Pumptrack unterstützt. Ein Votant, der Fussballtrainer in Affoltern ist, kam nochmals auf die Geräte zu sprechen. Er sehe, dass diese in Affoltern sehr wenig genutzt werden. Allgemein finde er, dass die Vorlage zu wenig Details enthalte, um über einen so grossen Betrag abzustimmen.

Dann schwenkte die Diskussion wieder zur Parkierung. Ein Votant beobachtet schon jetzt beim Sportplatz Schlag, dass die Leute mit dem Auto kommen. Die vorhandenen sechs Parkplätze reichten nirgends hin. Das führe dazu, dass die Leute dann ihre Autos auf der Litzistrasse abstellen, was zu gefährlichen Situationen führt. Antwort Vanetta: «Es gibt keine unmittelbare Lösung. Mehr Parkplätze ziehen mehr Autos an.» Man werde die Situation beobachten und dann Massnahmen treffen, wenn sich tatsächlich viele Autos einfinden.

Ein Votant stellt den Antrag, den Pumptrack und die Geräte als separate Projekte zur Abstimmung zu bringen. Dagegen argumentierte jedoch ein anderer: Er sei dafür, dass das Projekt als Einheit behandelt werde, denn er finde es schlüssig. Auch mit den Betriebszeiten und einem allfälligen Verkehrskonzept solle man zuerst beobachten und Reaktionen sammeln und erst dann entsprechende Massnahmen ergreifen. Die Wortmeldung wurde mit Applaus quittiert. Ein Votant wollte wissen, ob es nicht die Möglichkeit einer mobilen Anlage gebe. Antwort Vanetta: «Wir haben mehrere Varianten geprüft, uns dann aber für etwas Robustes und Dauerhaftes entschieden, das wetterresistent ist und auch einen Platz für die ganze Familie bietet.» Eine Anwohnerin befürchtet, dass die Anlage viele Leute anzieht und entsprechend viel Abfall liegenbleibt. Darauf entgegnete der Bademeister vom Hedinger Weiher, dass er selbst auf Pumptracks fahre und auch schon Anlagen in anderen Kantonen besucht habe: «Ich glaube, dass die Leute Sorge tragen werden – wie auch am Hedinger Weiher.» Erneuter Spontanapplaus. Ein weiterer Votant fand die Platzierung hinter dem Fussballplatz nicht optimal, denn diese blockiere eine allfällige Erweiterung der Fussballanlage. Antwort Vanetta: «Wir müssen den Gewässerabstand einhalten.» Zudem sei das Bauen an dieser Stelle auch rein organisatorisch am einfachsten – ohne zusätzlichen Verschleiss an Landwirtschaftsland.

Ein Votant beruhigte: «Es gibt wenige Sportanlagen, die weniger Lärm verursachen. Die Leute schauen tatsächlich aufeinander. Es wäre toll, wenn man den Sportplatz da unten noch etwas aufwerten könnte, etwas mehr für die Jungen in der Gemeinde machen könnte.»

In der Abstimmung hatte der Antrag, den Pumptrack und die Sportgeräte zu separieren, keine Chance und wurde abgelehnt. Die Hauptabstimmung zum Pumptrack wurde angenommen mit offensichtlichem Mehr, Applaus und Jubel.

Anfrage zur Kostenentwicklung im Asylwesen

Zur Anfrage gemäss Paragraf 17 Gemeindegesetz zur Kostenentwicklung im Asylwesen von 2021 bis 2024 (abzüglich Bundeszuschüsse) antwortete der Gemeinderat mit folgender Zahlenreihe. 2020 war der Nettoaufwand 120715 Franken für 10 Geflüchtete. 2021 194996 Franken (+61,5% ggü. 2020) für 8 Geflüchtete. 2022 192671 Franken (+59,6% ggü. 2020) für 31 Personen. 2023 383983 Franken (+218,1% ggü. 2020) für 36 Leute. 2024 438123 Franken (+262,9% ggü. 2020) für 36 Personen. Wobei es bei den 438123 Franken von 2024 zu Fehlbuchungen gekommen sei. Das habe zu Verschiebungen zwischen einzelnen Kostenstellen geführt, die aber keine Auswirkungen auf die Jahresrechnung gehabt haben. Die Kostensteigerungen hängen mit den Erhöhungen bei den kantonalen Aufnahmequoten zusammen, was auch in den anderen Gemeinden der Schweiz feststellbar sei.

Ob in der Gemeinde weitere Asylkosten für Bildung, Soziales oder Gesundheit anfallen, beantwortete der Gemeinderat im Konjunktiv. Da diese Leistungen für alle Einwohnerinnen und Einwohner erbracht werden, würden die daraus entstehenden Kosten nicht gesondert erhoben – auch aufgrund des Gleichbehandlungsprinzips, des Datenschutzes und aufgrund fehlender rechtlicher Grundlagen. Deshalb könne auch keine Schätzung gemacht werden. Sehr pragmatisch auch die Antwort auf die Frage, wie der Gemeinderat dazu steht, dass die Gemeinde die finanzielle Verantwortung für die Beschlüsse von Bund und Kanton zu tragen hat: «Der Gemeinderat muss akzeptieren, dass der Bund sowie der Kanton den Gemeinden im Asylbereich weitgehende Vollzugspflichten übertragen, ohne ihnen entsprechende Steuerungs- oder Mitbestimmungsrechte einzuräumen.» Man sei verpflichtet, die Zugewiesenen aufzunehmen und habe keinerlei Möglichkeit, die Anzahl, die Aufenthaltsdauer und die Fallentwicklung aktiv zu beeinflussen.

Dazu komme, dass nach Ablauf der gesetzlichen Fristen (vorläufig Aufgenommene nach 7 Jahren, anerkannte Flüchtlinge nach 5 Jahren) diese Personen vollständig in die Zuständigkeit der Gemeinde fallen. Der Gemeinderat sieht diese Entwicklung kritisch und hat seinen Unmut zusammen mit anderen Gemeinden in einem Schreiben an Bundesrat Beat Jans und Regierungsrat Mario Fehr bereits zum Ausdruck gebracht. Nach dem Informationsblock wurden die abtretenden Gemeinderats- und Kommissionsmitglieder gewürdigt und mit ihnen am gemeinsamen Apéro angestossen. Die nächsten Gemeindeversammlungen finden am 1. Oktober (ausserordentlich) und am 3. Dezember statt.

Detaillierte Informationen: hedingen.ch/politik/gemeindeversammlungen.html/41

Standing Ovations für Ruedi Fornaro

Engagiert, weitsichtig, verantwortungsbewusst, beharrlich, fleissig, kompetent, verlässlich, umsichtig, sorgfältig, präzise, geduldig, humorvoll. Bei der Laudatio für den abtretenden Gemeindepräsidenten Ruedi Fornaro wurde nicht mit wohlwollenden Adjektiven gespart.

20 Jahre war der 67-Jährige Mitglied im Hedinger Gemeinderat als Vorsteher Tiefbau und Sicherheit, die letzten acht Jahre davon als Präsident und Sicherheitsvorsteher. Mit einem besonderen Faible für das Familien- und Vereinsleben im Dorf, den Hedinger Weiher, die Feuerwehr und zuletzt die Zentrumsplanung. Vor seinem Einzug in die Dorfpolitik war Fornaro Präsident des Turnvereins und während 25 Jahren in der Feuerwehr, davon 15 Jahre als Kommandant. «Mit Ruedi verlieren wir nicht nur einen erfahrenen Gemeindepräsidenten, sondern auch ein lebendiges Archiv der Gemeindegeschichte. Es gab kaum ein Thema, bei dem er nicht bereits die Vorgeschichte, frühere Diskussionen, Geschäfte sowie beteiligte Personen kannte. Vielleicht bietet dir deine politische Pensionierung eine Möglichkeit, um das historische Gedächtnis in geeigneter Form zu dokumentieren und für kommende Generationen zugänglich zu machen», würdigte Ratskollege Marco Vanetta.

Auch der Humor sei an den zirka 440 Gemeinderatssitzungen nicht zu kurz gekommen. Irgendwann in einer Klausur bei der Erarbeitung des Gemeindeleitbildes habe man im Gremium bestimmt, dass er der attraktivste Gemeindepräsident sei. «Es gibt Beschlüsse, die werden einmal gefasst, und dann nie mehr hinterfragt», so Vanetta mit einem Augenzwinkern.

Sehr bescheiden seien allerdings Fornaros Kochkünste. Er und vor allem seine Frau Jacqueline freuten sich deshalb bestimmt, dass er diesem Handicap ab Juli entgegenwirken werde. In der Freizeit ist Fornaro viel mit dem E-Mountainbike unterwegs und weile im Anschluss an die Touren gerne am Hedinger Weiher, wo seine Frau aushilft. Daneben ist er regelmässig in der Männerriege. Und dort jeweils ziemlich ehrgeizig, wie von einem Turnkollegen im Publikum zu erfahren war.

In seiner kurzen Replik bedankte sich Fornaro und sagte, dass er stets versucht habe, für alle da zu sein. Die Anwesenden dankten es ihm mit einer langanhaltenden, stehenden Ovation. (map)

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