Höchster Fremdstimmenanteil reichte nicht zur Wiederwahl

Nach achtjähriger Zugehörigkeit zum Kantonsrat wurde der Grüne Hans Läubli abgewählt. Er darf sich im Säuliamt mit einem Fremdstimmenanteil von knapp 46 Prozent «Panaschierkönig» nennen, wohl ein schwacher Trost.

Wählerinnen und Wähler können bei den Kantonsratswahlen ihre Gunst individuell verteilen. Bei der Wahl müssen sie sich zwar für eine Liste entscheiden, können diese aber nacheigenem Gusto verändern – und dabei die auf der Liste aufgeführten Kandidatinnen und Kandidaten kumulieren, also jemanden streichen und die Person nach Wahl zweimal aufführen. Aber sie können die Liste auch mit parteifremden Bewerberinnen und Bewerbern garnieren. Lisette Müller aus Knonau erreichte bei den Wahlen von 2007 und 2011 Fremdstimmenanteile von mehr als 50 Prozent und holte sich damit zweimal den Titel einer «Panaschierkönigin». Die Auswertung des Statistischen Amtes des Kantons Zürich zeigt, dass davon auch im Säuliamt rege Gebrauch gemacht worden ist. Und das insbesondere bei den Grünen. Der 2007 ins Parlament gewählte Hans Läubli aus Affoltern erhielt fast 46 Stimmenprozente aus dem nicht grünen Lager. Besonders häufig taucht der Affoltemer auf SP-Wahlzetteln auf (395-mal) – gut dreimal mehr als Hans Wiesner von der glp, der zwar bei den Gesamtstimmen eine Stimme hinter Läubli liegt, aber trotzdem gewählt wurde. Läubli ist ein «Opfer» des Krebsgangs seiner Partei. Und auch der mangelnden Mobilisierung: Aus der eigenen Partei bekam Läubli 433 Stimmen – gerade mal 38 mehr als von der SP...

Im Säuliamt hat die EVP den Grünen-Sitz mit dem Affoltemer Daniel Sommer nach einem werbemässig ausserordentlichen Effort nach vier Jahren zurückerobert. Die Auswertung zeigt, dass er sowohl im bürgerlichen Lager als auch bei Grünen, Grünliberalen und SP gepunktet hat. Offenbar ging Schreinerei-Inhaber Sommer als Gewerbler mit sozialpolitischer Kompetenz durch. Von der SVP erhielt er 127 der insgesamt 1788 Stimmen, von der SP 266, von der FDP 123 und von den Grünen 108. Sommer folgt mit rund 43 Prozent Fremdstimmenanteil knapp hinter Läubli. Mit rund einem Drittel Fremdstimmen verbleibt glp-Vertreter Hans Wiesner im Kantonsparlament. Der Bonstetter punktete ausserhalb der eigenen Partei insbesondere bei SP und bei FDP, aber weniger bei den Grünen.

Gewisse Sympathien im bürgerlichen Lager geniesst auch SP-Vertreter Moritz Spillmann aus Ottenbach, der 108 seiner 3052 Stimmen aus dem FDP-Lager holte – nicht ganz so viele wie von den Grünen, Grünliberalen und von der EVP. Insgesamt erhielt er knapp ein Fünftel Fremdstimmen.

Ungleichgewicht zwischen SVP und FDP

Die Auswertung des Statistischen Amtes offenbart noch immer ein Ungleichgewicht zwischen SVP und FDP. Mitglieder und Sympathisanten der Volkspartei unterstützten Freisinnige auch dieses Mal mehr als umgekehrt. So erhielt der wiedergewählte FDP-Vertreter Olivier Hofmann 245 seiner 2694 Stimmen von SVP-Wählern, derweil sich SVP-Spitzenreiter Martin Haab mit 198 Stimmen aus dem FDP-Lager begnügen musste, aber die insgesamt höchste Stimmenzahl erreichte (4468). Auffallend, dass Energiepolitiker Hofmann aus dem glp-Lager wesentlich mehr Stimmen zuteil wurden als seinen bürgerlichen Mitstreitern. Hofmann kommt auf gut 17 Prozent, Haab auf rund 10 Prozent Fremdstimmen. Bei Susanne Leuenberger liegt dieser Anteil wesentlich tiefer.

Sommerauer oder Finsler?

Von Interesse ist ausserdem, was bei der SVP passiert, falls Martin Haab im Herbst in den Nationalrat entschwindet. Rutscht mit der Hausemerin Beatrice Sommerauer Nägelin nach Susanne Leuenberger eine zweite Frau nach? Sie, die Viertplatzierte auf der SVP-Liste, hat am 12. April exakt gleich viele Stimmen (3412) erreicht wie der auf Listenplatz drei installierte Hans Finsler aus Zwillikon, dessen Fremdstimmenanteil höher ist als bei Beatrice Sommerauer Nägelin. Dem Vernehmen nach will die SVP diese Frage nach einer allfälligen Wahl von Martin Haab in den Nationalrat per Los beantworten.

 

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