Im letzten Moment aus dem Lift gerettet
Fast 50 Hochwasser-Einsätze hat die Einsatzleitzentrale Zürich in der Nacht auf Montag, 8. Juni, im Säuliamt registriert. Mehr als die Hälfte betraf die Gemeinde Obfelden. Zumindest einmal ging es ums nackte Überleben.

Im luzernischen Dierikon hat es Leben gekostet, das Unwetter, das in der Nacht von Sonntag auf Montag über die Schweiz zog. So weit wäre es beinahe auch in Obfelden gekommen. An der Schützenhausstrasse blieb ein Mann nach einer Liftfahrt in den Keller stecken. Immer höher stieg der Wasserpegel in der Liftkabine. Mit Pickeln gelang es der Feuerwehr, sich von oben her Zugang zum Liftschacht zu verschaffen und das Dach der Kabine aufzuwuchten. «Er hatte das Wasser bereits am Unterkiefer», unterstreicht Feuerwehr-Kommandant Sämi Schneebeli die Dringlichkeit der Rettung.
Tiefgarage bis oben voll Wasser
Der sintflutartige Regen vom Sonntagabend gegen 21.30 Uhr zeigte sofort Wirkung. Innert zehn Minuten wurde die Feuerwehr Obfelden fast 30-mal verlangt. Wie andernorts häuften sich die Meldungen über von Meteorwasser geflutete Keller. An der Schwerzimattstrasse sprengte der Wasserdruck ein Tiefgaragentor weg. Das Untergeschoss füllte sich in der Folge mit Schlamm, Geröll und Gras.
Am schlimmsten traf es allerdings die Schützenhausstrasse. Hier musste die Feuerwehr zusehen, wie eine Tiefgarage bis unters Dach vollief. «Das Wasser floss schneller nach, als wir es herauspumpen konnten», so Schneebeli. Gegen 30 Autos erlitten in der Flut aus Wasser, Schlamm und Geröll Totalschaden. Bis zum Montagmorgen gegen zehn Uhr liefen die Pumpen auf Hochtouren, um das Wasser hier wieder aus der Garage rauszubringen.
Hangrutsche und Stromausfälle
60 Feuerwehrleute standen in Obfelden im Einsatz – und zwar bis Montagmittag. Die Retablierungsarbeiten sollten gar bis 15.30 Uhr andauern. «Wir hatten keinen Schlauch mehr im Depot», beschreibt Sämi Schneebeli die Materialschlacht. «Das habe ich noch nie erlebt.» Mit Verpflegung jeglicher Art haben Anwohner die Feuerwehrleute bei ihrer Arbeit unterstützt. Und übrigens: Wer gerne Teil dieser tollen Organisation werden möchte, der solle sich gerne melden, meint der Feuerwehrkommandant, Verstärkung sei immer willkommen.
Mit diversen überfluteten Kellern in Stallikon und Wettswil hatte es die Feuerwehr Unteramt zu tun. In der Maschwander Allmend geriet derweil an zwei Stellen der Hang ins Rutschen. Die Erdlawinen versperren einen Feldweg. Weiter fiel in Teilen von Obfelden und Ottenbach der Strom aus. Die kürzeste Störung war in gut einer Stunde behoben, die längste dauerte gut fünf Stunden, wie die EKZ mitteilten.


