In Affoltern soll verdichteter gebaut werden können

Die Gemeindeversammlung stimmt mehrheitlich für die teilrevidierte BZO des Gemeinderates

Das Gebiet «Spitzen Stein», exklusive Mehrzweckgebäude links oben, soll vorerst noch Industriezone bleiben. (Bilder Martin Platter)

Das Gebiet «Spitzen Stein», exklusive Mehrzweckgebäude links oben, soll vorerst noch Industriezone bleiben. (Bilder Martin Platter)

Der vordere Teil der rarer werdenden Grünflächen in der Industrie Lindenmoos bleibt Industriezone, wird aber von der Gestaltungsplanpflicht befreit. Das Feld hinten links, wo einst der Brauiweiher lag, wird zur Freihaltezone ohne Gestaltungsplanpflicht.

Der vordere Teil der rarer werdenden Grünflächen in der Industrie Lindenmoos bleibt Industriezone, wird aber von der Gestaltungsplanpflicht befreit. Das Feld hinten links, wo einst der Brauiweiher lag, wird zur Freihaltezone ohne Gestaltungsplanpflicht.

Von der massiven Zuwanderung bleibt auch der Bezirkshauptort nicht verschont. Der Gemeinderat ist deshalb bestrebt, in Zentrumsnähe beim Bahnhof verdichteter zu bauen. Dazu wurde eine neue Zone WG4 in die Bauordnung aufgenommen, die bis zu 85 Prozent Ausnützungsziffer zulässt, die maximale Gebäudehöhe auf 14,5 Meter festlegt und Gebäudelängen bis 60 Meter erlaubt. Bei den bisherigen Zonenkategorien W3, W4, WG2, WG3 sowie der neuen WG4 wird neuerdings auch eine Mindestausnützungsziffer definiert, die zwischen 40 und 65 Prozent liegt.

Der Grossteil der Beratung, die mehr als drei Stunden andauerte, bezog sich denn auch auf die Gebiete Lindenmoos (liegt zwischen Bahnlinie und Industriestrasse), Spitzen Stein (zwischen Büel-, Industrie- und Zürichstrasse) und altes Zeughaus (zwischen Zürich- und Zeughausstrasse). Mitten im Lindenmoos liegt der Brauiweiher, ein liebliches Schilfgebiet, das sich in Gemeindebesitz befindet. Zeuge einer industriellen Vergangenheit, in der der Naturschutz noch nicht den heutigen Stellenwert besass und so mancher Umweltfrevel begangen wurde. Auf dem Areal entlang der Bahngeleise stand einst die Brauerei Winkelmann (heute Mü's Vinothek), die noch vor dem Ersten Weltkrieg von der Chemischen Fabrik Zürich gekauft und umgebaut wurde. Man raffinierte petrochemische Produkte, «verschüttete dies und das», wie es Hochbauvorstand Hans Finsler ausdrückte. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik bei einem Grossbrand zerstört; das Unternehmen ging Konkurs. Die Familie Störi, die das Land besitzt, machte nie einen Hehl aus der Vergangenheit des Baugrundes. Sie schenkte der Gemeinde die Parzelle mit dem Brauiweiher.

Wie weiter mit dem Brauiweiher?

Ein Teil der Diskussion drehte sich darum, was mit dem kontaminierten Gebiet künftig geschehen soll – jedoch ohne Ergebnis. Gemäss revidierter BZO des Gemeinderates wird derBrauiweiher nun aus dem Industriegebiet ausgeschieden und zur Freihaltezone ohne Gestaltungsplanpflicht (GPP). Die Grünfläche bis zur Industriestrasse gleich neben dem McDonalds bleibt in der Industriezone, wird aber von der GPP befreit. Der Teil des Perimeters entlang der Bahnlinie bis zur Büelstrasse wird vom Industriegebiet mit GPP in Z4 (viergeschossige Zentrumszone) mit GPP umgezont.

Dasselbe Ziel hätte der Gemeinderat auch mit dem Gebiet «Spitzen Stein» auf der anderen Seite der In-dustriestrasse (exklusiv Feuerwehr-Mehrzweckgebäude, das sich in der Zone für öffentliche Bauten befindet) gehabt. Für das freie Landstück zwischen Schmidlin, Ruckstuhl und McDonalds liegt eine rechtsgültige Baubewilligung vor, die vor 18 Monaten erteilt wurde und noch 18 Monate Bestand hat. Auf Antrag der Grünen wurde diese Umzonung jedoch abgelehnt, die Parzelle bleibt Industriezone mit Sonderbauvorschriften. Bezirkspartei-Vorstandsmitglied Lilian Hurschler begründete den Vorstoss mit der Befürchtung, dass durch die Umzonung womöglich grössere Lebensmittelgeschäfte (Aldi/Lidl) im «Spitzen Stein» angesiedelt würden, was unsinnig sei. In Zentrum von Affoltern stünden Ladenlokale leer.

Der zweite Antrag der Grünen, vorgetragen von Hans Läubli, bezog sich auf das alte Zeughaus. Der Gemeinderat beantragte die Umzonung von WG3 ohne GPP in WG4 mit GPP. Läubli geht der Vorschlag zu wenig weit. Auch die Parzelle zwischen Zeughausstrasse und Bifang, die ebenfalls dem Bund gehört, solle mit der GPP belegt werden, was eine Mehrheit von 88 gegen 53 Stimmen befürwortete.

Zahlreiche Einwendungen pariert

Ein Grossteil der 13 Einwendungen mit 27 Begehren gegen die revidierte BZO konnte dank der kompetenten Bearbeitung und der ruhigen Versammlungsführung von Urs Meier von der Planpartner AG pragmatisch gelöst werden. Als zu fortgeschrittener Stunde immer neue Ideen und Anträge eines Votanten geäussert wurden, ermahnte Meier: «Man kann einer Gemeindeversammlung eine gewisse Kreativität angedeihen lassen, sollte aber aufpassen, dabei seriös zu bleiben.» Ein Grossteil der Anträge, die auf eine Einschränkung der Gebäudebesitzer und Verkomplizierung des Baurechts abzielten, wurde vom Plenum denn auch wuchtig verworfen.

Konsultativabstimmung ohne rechtliche Bindung

Der letzte Antrag vor der Schlussabstimmung, der im Gebiet Schwanden die Aufzonung der Gewerbe- und Industriezone in eine Wohn- und Gewerbezone WG3 forderte, stiess auf reges Interesse. Gemeindepräsident Clemens Grötsch machte jedoch darauf aufmerksam, dass dies nicht Gegenstand der Versammlung sei. Zudem verstosse der Antrag gegen übergeordnetes Recht. Urs Meier präzisierte: Die Versammlung müsse dem Gemeinderat zuerst den Auftrag erteilen, zu veranlassen, dass der regionale Richtplan geändert wird. Es kam schliesslich zu einer Konsultativabstimmung, die ergab, dass ein überwiegendes Interesse daran vorhanden ist. Die Abstimmung hat jedoch keine rechtliche Bindung. In der Schlussabstimmung wurde der revidierten Bau- und Zonenordnung schliesslich grossmehrheitlich zugestimmt. Die BZO geht nun zur finalen Prüfung an die Zürcher Baudirektion, die das Regelwerk absegnen muss.

Nach dem offiziellen Ende der Versammlung um 23.17 Uhr gab Clemens Grötsch bekannt, dass das Projekt Integration Sozialdienst auf Kurs sei; Hoch- und Tiefbauabteilung seien aus Platzgründen neu im Kopfbau des Kasinos eingerichtet. Und er gab einen Ausblick auf die bevorstehende Gemeindeversammlung am 7. Dezember, an der nicht minder kontroverse Themen behandelt werden: Parkraumverordnung, Gebührenverordnung und das Budget 2016.

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