In Kappel soll jetzt doch ein GU das Schulhaus bauen

An der Gemeindeversammlung dauerte der Infoteil länger als der offizielle. Das Urteil gegen Kappel wegen Verstosses gegen das Submissionsgesetz bleibt nicht folgenlos. Trotz anderslautender Ankündigung will Gemeindepräsident Kurt Bär einen Generalunternehmer für den Ausbau und die Sanierung des Schulhauses Tömlimatt engagieren – sehr zum Unmut lokaler Gewerbetreibender, die Auftragsausfälle und Bauqualitätseinbussen befürchten.

Zankapfel Schulhaus Tömlimatt. (Bild Martin Platter)
Zankapfel Schulhaus Tömlimatt. (Bild Martin Platter)

Trotz unspektakulärer Traktanden, die in 15 Minuten erledigt waren, lockte die Kappeler Rechnungsgemeindeversammlung am Freitagabend 43 Stimmberechtigte in den kleinen Mühlesaal. Wie sich herausstellte, waren es vor allem die Informationen zum seit längerer Zeit anstehenden Schulbauprojekt Tömlimatt, die das Stimmvolk lockten.

Bär informierte über die Folgen des Urteils, die fünf Architekten aus dem Säuliamt und Zürich gegen die Gemeinde Kappel vor dem Zürcher Verwaltungsgericht erwirkt hatten. Die Richter bestätigten die Beschwerde, dass die Gemeinde Kappel bei der freihändigen Vergabe der Architekturarbeiten gegen das Submissionsgesetz verstossen hatte. Die Gemeinde musste die Gerichtskosten von 6270 Franken übernehmen und den Beschwerdeführern 3000 Franken bezahlen – durfte aber basierend auf der bereits geleisteten Architekturarbeit weiterplanen, musste also nicht, wie von den Beschwerdeführern gefordert, wieder bei Null beginnen.

«Mit der Klage in den Rücken geschossen»

In seinen Ausführungen stellte sich Bär nach wie vor auf den Standpunkt, in einer Grauzone gehandelt zu haben. Seiner Meinung nach hat der damalige Präsident des Gewerbevereins Oberamt, ein Architekt, der selber aber nicht als Beschwerdeführer auftrat, zum Rekurs angestiftet. Bär, der mit seinem Bauunternehmen selber Mitglied im Gewerbeverein ist, findet dieses Vorgehen unmöglich. Zumal man ihm gegenüber kategorisch das Gespräch verweigert habe. Bär sagte: «Der Gewerbeverband Oberamt hat uns mit dieser Klage in den Rücken geschossen.» Das habe die Gemeinde nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Monate gekostet, um die sich der dringend benötigte Ausbau und die Sanierung des Schulhauses Tömlimatt nun verzögere.

Um den Verlust zu kompensieren, und auch, um die Anzahl weiterer Klagemöglichkeiten zu reduzieren, habe er beschlossen, ein Generalunternehmen mit der Ausführung des Bauprojekts zu beauftragen. Wegen des knappen Budgets (Der Souverän hatte im April 2015 an der Urne den Fünf-Millionen-Baukredit mit 88 Prozent Zustimmung gutgeheissen) könne leider nicht mehr gewährleistet werden, bei der Auftragsvergabe in jedem Fall lokales Gewerbe zu berücksichtigen.

Mit GU tendenziell sinkende Bauqualität

Das wiederum fanden die Baugewerbetreibenden im Publikum unmöglich, wie aus den Wortmeldungen herauszuhören war. Sie wiesen darauf hin, dass die Gemeinde mit der Beauftragung eines Generalunternehmers ihr Mitspracherecht und ihre Verantwortung bei der Auftragsvergabe aus der Hand gebe. Immer wieder sei zu beobachten, dass GUs vor allem an den eigenen Profit dächten und in erster Linie billige und unqualifizierte Handwerker von auswärts und aus dem Ausland berücksichtigten. Oder die Angebote der offerierenden Handwerker derart drückten, dass keine seriöse Arbeit mehr geleistet werden könne. «Die Baugarantiezeit von fünf Jahren ist im Handumdrehen vorbei. Wir sind auch nach dieser Zeit noch da», mahnte ein ortsansässiger Plattenleger. Ein Steinmetz ergänzte, dass ein GU nicht die beste Lösung für die Gemeinde sei. Er müsse immer wieder feststellen, dass die Qualität der Arbeiten, die im Auftrag von Generalunternehmen ausgeführt wurden, tendenziell eher schlechter sei.

Bär entgegnete: «Wir werden im GU-Vertrag auf ein Mitspracherecht bei der Auftragsvergabe pochen.» Er persönlich finde den Vorfall traurig, da es sich bei der Beschwerde nur um eine Arbeitsgattung gehandelt habe. «Ihr könnt ja eigentlich nichts dafür», sagte er an die Adresse der Votanten und versprach: «Wir werden bestimmt nicht irgendwelche ausländischen Firmen anstellen. Wir werden einen GU mit guten Referenzen finden, der unseren Ansprüchen genügen wird.»

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