Industrie und internationaler Tourismus
Gross war das Interesse am vergangenen Samstagmorgen vor der Vernissage der Ausstellung «Gruss aus Hausen». Zahlreich fand das Hausemer Publikum in den Gemeindesaal – und zeigte sich nach dem Rundgang begeistert.
«Ich war schon immer ein Sammler», verrät Walter Baer. Erst seien es Briefmarken gewesen, später heimatkundliche Dinge und schliesslich sei er auf Postkarten gekommen. Die ersten Exemplare hat er geerbt, um dann seine Sammlung auf Flohmärkten, Sammelbörsen und Auktionen immer weiter auszubauen. «Ich habe Karten durchgeblättert, bis ich wunde Finger hatte», blickt Walter Baer auf jene Zeit zurück. Später verlor das Sammelerlebnis dann seinen Reiz wieder – immer besser waren die Händler organisiert und entsprechend geringer wurde die Herausforderung. Baer verliess 1994 Hausen und die Geschichte könnte hier enden. Doch nachdem sich René Marthaler vor acht Jahren aus einem anderen Grund für die Postkarten zu interessieren begann, entstand die Idee einer Ausstellung.
Tradition der Internationalität
Um die Postkarten-Sammlung dreht sich nun alles im Hausemer Gemeindesaal. Sie zeigen das Kurhaus Albisbrunn und die Seidenfabrik Jakob Zürrer, das Schulhaus, die Kirche oder eine ganze Dorfansicht. «Wir erfahren, was den grossen Komponisten Richard Wagner oder den Kronprinzen und späteren König von Italien nach Hausen geführt hat», so Gemeinderat Georges Köpfli über die Exponate.
Hausen war sowohl ein Industrieort als auch eine internationale Tourismus-Stätte. Besucher aus verschiedenen Ländern haben zur Kur nach Hausen gefunden. «Und wenn wir nach den Herkunftsländern der Jugendlichen schauen, die heute das Albisbrunn bevölkern, so kann man sagen: Das renommierte Haus ist der Tradition der Internationalität bis heute treu geblieben», scherzt Köpfli. Unter den Lachenden ist auch Ruedi Jans, Gesamtleiter des heutigen Jugendheims.
Kurzmitteilungen einst und heute
Dem aufmerksamen Besucher der Ausstellung eröffnete sich etwa, dass der Türlersee früher Eis für die Brauerei Hürlimann lieferte, dass Fotomontagen nicht nur ein Phänomen der digitalen Fotografie sind und dass eine über hundertjährige Postkarte durchaus mit einem SMS vergleichbar ist. So haben Sekundarschüler die damaligen Postkartengrüsse in ihre heutige Sprache übersetzt. Aus «Glaube, dass Du mir sehr nahe bist» wurde «Ich glaub es lauft öppis zwüschet eus... :)», «Oh käme ein geheimes Zeichen zu jeder Stund von Dir, wie wär ich selig sondergleichen, wie jauchzte darob die Seele mir», lässt sich heute mit einem einfachen «Wür mi mega freue, wend dich wieder emal melde würsch!» ausdrücken. Zeichenkombinationen wie «<3» (Herz) runden die Aussagen ab.
Broschüre über das Gemeindehaus
Auch das hundertjährige Gemeindehaus wird in der Ausstellung gewürdigt. Und wer sein Wissen zu diesem Thema vertiefen möchte, der kann zusätzlich bei der Natur- und Heimatschutzgesellschaft Oberamt eine Broschüre beziehen, welche die Geschichte dieses ehrwürdigen Gebäudes dokumentiert – bis hin zum Primarschul-Projekt «Bauhausen» (im «Anzeiger» vom 3. Juli). Während der Ausstellung lässt sich die Broschüre auch im Gemeindesaal beziehen.
Ausstellung «Gruss aus Hausen», bis Samstag, 14. Juli, täglich 16 bis 20 Uhr, am Sonntag, 15. Juli, 11 bis 16 Uhr im Gemeindesaal. Bild-Vortrag mit Architektin Anne-Lise Diserens über Architektur im Spiegel der Zeit am Donnerstag, 12. Juli, um 20.15 Uhr.








