Interaktive Wahlveranstaltung mit Kahoot und Ballwurf

Die zahlreichen Kandidierenden präsentierten sich dem Publikum in Mettmenstetten

Dies sind die sieben Anwärterinnen und Anwärter für den Gemeinderat Mettmenstetten (von links): Josua Suter, Jürg Meili, Fabio Oetterli, Lukas Stucky, Vreni Spinner, Melanie Vollenweider und Marcel Eicher. (Bild Sandra Isabél Claus)
Dies sind die sieben Anwärterinnen und Anwärter für den Gemeinderat Mettmenstetten (von links): Josua Suter, Jürg Meili, Fabio Oetterli, Lukas Stucky, Vreni Spinner, Melanie Vollenweider und Marcel Eicher. (Bild Sandra Isabél Claus)

Anders als in anderen Gemeinden des Bezirks wurde die Wahlveranstaltung in Mettmenstetten am vergangenen Montag nicht von einer Partei oder einem Verein organisiert. Hier war es die Gemeindeverwaltung, die zum Kennenlernen der Kandidierenden lud. Nach einleitenden Begrüssungsworten der amtierenden Gemeindepräsidentin Vreni Spinner zog sie sich aus der Moderation zurück, da sie am 8. März neben fünf weiteren Kandidierenden für eine neue Amtszeit kandidiert. Insgesamt 20 Einwohnerinnen und Einwohner stellten sich für die Behörden des Gemeinderats, der Primarschulpflege, der Sozialbehörde sowie der Rechnungsprüfungskommission zur Wahl und nutzten die Chance, sich dem Publikum vorzustellen.

Durch den Abend führte Oliver Bär, Geschäftsführer der Gemeinde Mettmenstetten. Er wartete mit einer Überraschung auf: «Wir drehen heute den Spiess um: Die Bevölkerung darf zuerst auf verschiedene Fragen antworten, bevor die Kandidierenden Stellung nehmen.» Dabei half ihm Kahoot. Alle Anwesenden konnten mit ihrem Mobiltelefon einen QR-Code scannen und hatten so die Möglichkeit, aus vier vorgegebenen Antworten zu wählen. Die Aktion stiess auf rege Resonanz. Die Kandidierenden wiederum konnten mit einem Wurf eines Balls in eine Box signalisieren, dass sie auf die gerade projizierte Frage eingehen möchten.

Zuerst traten die sechs Anwärterinnen und Anwärter für den Gemeinderat auf die Bühne. Den Auftakt der Vorstellungsrunde machte der 37-jährige Josua Suter, der sich neu zur Wahl stellt und damit die Behörde komplettieren würde. Er wuchs in Mettmenstetten auf, absolvierte hier Schule und Lehre. Heute ist er Vater von drei Kindern und arbeitet als Polizist. Die übrigen Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat stellten sich ebenfalls vor; sie sind der Bevölkerung aber bereits aus der laufenden Legislatur bekannt.

Nun wurde es Zeit für die erste Frage, welche die Schulden und den Steuerfuss betraf. Mettmenstetten hatte sich in den letzten vier Jahren stark verschuldet, um eine Schulraumentwicklung von rund 34 Millionen Franken finanzieren zu können. Nun stehen weitere 31 Millionen Franken an Investitionen in den Schulraum an. Die Anwesenden konnten aus vier Aussagen in folgender Reihenfolge wählen: «Die Schulden sollten vollständig durch Einsparungen reduziert werden», «Eine kleine Steuererhöhung bis maximal vier Prozent ist nun gerechtfertigt», «Keine Steuererhöhung» und «Eine Steuererhöhung von mehr als vier Prozent ist nun angebracht».

Die grosse Mehrheit des Publikums wählte die zweite Option und hielt somit eine kleine Steuererhöhung bis maximal vier Prozent für gerechtfertigt. «Dieses Resultat freut mich. An den letzten Gemeindeversammlungen mahnte ich, dass künftig eine mindestens vierprozentige Steuererhöhung nötig sei. Der Kanton hat seinen Steuerfuss um drei Prozent gesenkt, sodass die Erhöhung für die Steuerzahlenden von Mettmenstetten minim ausfiele», erläutert der amtierende Vorsteher Finanzen und Immobilien, Fabio Oetterli.

Die Gemeindepräsidentin Vreni Spinner ergänzt: «Ich bin klar der Meinung, dass unsere Schulden nicht der nächsten Generation übergeben werden dürfen. Niemand bezahlt gerne Steuern, doch die aktuellen grossen Investitionen rechtfertigen eine moderate Steuererhöhung.»

Auch die nächste Frage behandelte ein heisses Eisen: Die Miet- und Wohnpreise sind in Mettmenstetten stark gestiegen, und in immer mehr Gemeinden werden Rufe nach staatlich subventioniertem Wohnraum laut. Die Antwortmöglichkeiten reichten von aktivem Wohnungsbau durch die Gemeinde und vergünstigtem Wohnraum für alle über bevorzugten Zugang für Ältere bis hin zu der Position, dass sich die Gemeinde aus dem Immobilienmarkt heraushalten solle. Interessanterweise stimmte eine deutliche Mehrheit für Letzteres. Ressortvorsteher Hochbau Lukas Stucky zeigt sich erleichtert: «Es wäre der falsche Weg, als Gemeinde Einfluss auf den Immobilienmarkt zu nehmen und mit Steuergeldern Wohnungen zu verbilligen. Wohnraum fördern wir derzeit konkret auf dem Erspach-Areal, wo wir den Eigentümern erlauben, einen hohen Wohnanteil zu realisieren.»

Der Gemeinderat widmete sich noch zwei weiteren Themen, bevor die Kandidierenden für die Primarschulpflege Rede und Antwort standen. Für diese Behörde wird es am 8. März spannend, da sechs Interessierte um fünf Sitze buhlen. Zu den vier Bisherigen gesellen sich zwei neue Willige. Melanie Vollenweider ist derzeit Primarschulpräsidentin und möchte dieses Amt in der nächsten Legislatur weiterführen. Im Falle der Wahl wird sie automatisch das siebte Gemeinderatsmitglied.

Auch die Kandidierenden der Sozialbehörde sowie der Rechnungsprüfungskommission wurden nacheinander auf die Bühne gebeten und bezogen aufgrund der vorgegebenen Fragen ihre Positionen. Diese deckten sich grösstenteils mit den Reaktionen der anwesenden Bevölkerung.

So blieben bis zum Schluss keine Fragen offen, und die Wahlveranstaltung ging nach regem Engagement aller Beteiligten zu Ende.

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