Villa Stehli zum Verkauf ausgeschrieben

Die Besitzerfamilie will sich von der historischen Stätte in Obfelden trennen

Die Villa Stehli in Obfelden liegt in einem knapp 33000 Quadratmeter grossen Park und ist ein Denkmalschutzobjekt.(Bild Werner Schneiter)
Die Villa Stehli in Obfelden liegt in einem knapp 33000 Quadratmeter grossen Park und ist ein Denkmalschutzobjekt.(Bild Werner Schneiter)

Die Familie Baumgartner-Steiner, Bau- und Bauherrenberater aus Jona SG, will das Anwesen der Villa Stehli in Obfelden verkaufen, wie sie gegenüber dem «Anzeiger» bestätigt. Sie hat die historische Stätte 1997 erworben und umfassend restauriert. Mit dem Verkauf ist Wüst und Wüst AG (Zug) beauftragt. Zum Verkaufspreis gibt es keine Informationen.

Die Villa diente als Filmkulisse

Die Villa Stehli wurde 1875 von der gleichnamigen Obfelder Seidendynastie gebaut. Zum knapp 33000 Quadratmeter grossen Anwesen gehören der Park, die Villa, drei weitere Einfamilienhäuser und dazu Grün- und Waldflächen, Bäume, Lindenbach und Teich – eine Bilderbuchumgebung, die auch Filmproduzenten beeindruckte. So wurde 1977 eine Sequenz des «Heidi»-Films gedreht. Und 1992 boten Villa und Umgebung die ideale Kulisse für Dreharbeiten des Kinofilms «Kinder der Landstrasse», bei dem der (inzwischen verstorbene) Schweizer Urs Egger Regie führte, bekannt auch aus «Tatort»-Produktionen. «Kinder der Landstrasse» kam 1994 in die Kinos. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Thema ist die Zwangsassimilierung von Jenischen in der Schweiz zwischen 1926 und 1973.

Gegen ein «finanzpolitisches Abenteuer» 1994 bot die Villa Stehli AG der Gemeinde Obfelden die historische Stätte samt Umschwung zum Kauf an. Im Herbst 1996 legte der Gemeinderat der Gemeindeversammlung einen Kaufvertrag vor, nachdem er den Verkaufspreis von 2.8 Millionen auf 1.6 Millionen Franken «drücken» konnte. Der damalige Gemeindepräsident Rolf Grob legte sich leidenschaftlich ins Zeug und warb für den Kauf – unter anderem mit dem Argument, es sei die Aufgabe der öffentlichen Hand, ein solch bedeutendes Kulturgut zu übernehmen. Für 600000 Franken liesse sich das Gebäude minimal sanieren, argumentierte er. Im Raum stand damals die Errichtung eines sozialpsychiatrischen Wohnheims. Aber die von 372 Stimmberechtigten besuchte Gemeindeversammlung lehnte das Ansinnen im Verhältnis von 2:1 ab – offenkundig auch beeindruckt von Lichtbildern, bei denen der Zerfall der Villa dokumentiert wurde. Die Kosten für eine umfassende Renovation schätzten die Gegner eines Kaufs auf knapp 3 Millionen Franken. Das Argument, der Kauf stelle ein finanzpolitisches Abenteuer dar, überzeugte eine Mehrheit der Stimmberechtigten. Der Präsident der Rechnungsprüfungskommission sprach von einem «Fass ohne Boden». Fragezeichen gab es auch zum Verwendungszweck.

520 Quadratmeter Wohnfläche

Am 7. Juli 1997 erwarb die Familie Baumgartner-Steiner die Villa, die drei Einfamilienhäuser sowie die Nebengebäude. In den Jahren 2003/04 wurden die Villa, die Einfamilienhäuser und deren Nebengebäude umfassend restauriert. In der historischen Villa sind heute vier luxuriöse Wohnungen mit insgesamt 520 Quadratmetern Wohnfläche vorhanden. Dazu kommen die drei Einfamilienhäuser («Atelier», «Riegelhaus» und «Glashaus») sowie drei Nebengebäude: Garage, Gerätehaus und eine überdachte Bowlingbahn. Gebäude und Park mit rund 32900 Quadratmetern Fläche haben den Status eines Denkmalschutzobjekts von regionaler Bedeutung.

Zu den Verkaufsgründen wollen sich weder die Besitzerfamilie noch die mit dem Verkauf beauftragte Wüst und Wüst AG «aus Diskretionsgründen» äussern, ebenfalls nicht zum Verkaufspreis. Den schätzt ein Immobilienspezialist auf 15 bis 17 Millionen Franken. Der Besitzer hat auch mit der Gemeinde über den Verkauf gesprochen. Für den Gemeinderat ist das laut Stephan Hinners kein Thema. «Wir haben andere Prioritäten.»

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