«Je besser die Integration läuft, desto weniger Kosten und Konflikte»
Das Ämtler Tandem will Asylsuchenden das Ankommen im Säuliamt erleichtern. Dazu stellt es ihnen freiwillige Helfer zur Seite, die sie begleiten und unterstützen. Das Pilotprojekt ist äusserst erfolgreich gestartet.

Hier ein Asylsuchender oder eine ganze Familie, die im Alltag auf verschiedene Hürden stossen, da Freiwillige im selben Dorf, die ihnen helfen möchten, dazwischen eine zentrale Stelle, welche die Hilfe koordiniert. Das ist die Idee hinter dem Ämtler Tandem, einem Angebot der reformierten Kirchgemeinden im Bezirk. Mit sechs, sieben Freiwilligen wollte Sozialdiakonin Ursula Jarvis loslegen. An die erste Infoveranstaltung im Dezember 2015 kamen allerdings gleich 50 Interessierte. «Wir wurden vom Projekt überrollt», meint sie rückblickend. Entsprechend musste eine neue Teilzeitstelle geschaffen werden. Seit Mai leitet Jana Weiss das zweijährige Pilotprojekt in einem 30-Prozent-Pensum.
Feingefühl wird vorausgesetzt
Nicht jeder ist als Helfer geeignet. Nicht erwünscht sind etwa Missionare oder Leute, die so von sich überzeugt sind, dass sie nicht auf Augenhöhe kommunizieren können. Ein Freiwilliger braucht eine grosse Portion Feingefühl, schliesslich sind viele Asylsuchende noch eingeschüchtert oder gar traumatisiert. Zuerst gilt es deshalb, die Eignung und die Erfahrungen der potenziellen Helfer abzuklären. Das Ämtler Tandem tut dies mittels Fragebogen zum persönlichen und beruflichen Hintergrund sowie zur Motivation. Dann folgt ein Gespräch, bei dem auch der Sozialdienst vertreten ist.
Wenn neue Asylsuchende in die Gemeinde kommen, klärt der Sozialdienst deren Bedürfnisse ab und stellt bei Bedarf Kontakt zu geeigneten Freiwilligen her. 30 solcher Tandems wurden bereits gebildet. Sie treffen sich wöchentlich, alle zwei Wochen oder vorübergehend auch mal mehrmals pro Woche. Doch welche Bedürfnisse haben die Migranten? Vom Einkaufen übers Waschen bis zum Kochen mit für sie unbekannten Lebensmitteln ist vieles fremd. Immer wieder muss auch Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass Hahnenwasser trinkbar ist.
Breite Unterstützung
Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse tauschen sich die freiwilligen Helfer alle paar Wochen aus. Es ist etwa nicht einfach, wenn die Person, zu der man eine persönliche Bindung aufgebaut hat, deren Sorgen und Nöte man kennt, plötzlich ausgeschafft wird. Ein grosses Thema ist auch das Abgrenzen. So darf von den Freiwilligen nicht erwartet werden, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung stehen. Mehrheitlich dürfen sich die Helfer allerdings über sehr motivierte, dankbare und äusserst gastfreundliche Tandempartner freuen.
Als Pilotprojekt ist das ÄmtlerTandem vorerst auf zwei Jahre befristet. Danach gilt es, eine breitere Trägerschaft zu finden. «Es haben uns auch schon Gemeinderäte Unterstützung zugesagt», so Ursi Schweizer von der reformierten Kirchenpflege Mettmenstetten. Projektleiterin Jana Weiss geht davon aus, dass das Projekt wachsen muss: «Die Asylsuchenden sind da – und es kommen neue dazu.» Und:«Je besser die Integration läuft, desto weniger Kosten und Konflikte.»


