Messen mit unterschiedlichen Ellen
Das Forum Kirche und Wirtschaft in Kappel zum Thema Ethik in der Migrationspolitik

Christoph Balmer, Geschäftsstellenleiter des Forums Kirche und Wirtschaft der katholischen Kirche Zug, hatte recht, als er Andreas Cassee als «provokanten und pointierten» Redner ankündigte. Der 34-jährige Zürcher, der zur Ethik der Migration promoviert hat, plädierte gleich zu Beginn der Vortragsreihe für eine Welt ohne Grenzen. Eine Welt, in der die Reise- und Entscheidungsfreiheit des Individuums als oberste Prämisse gilt. Auch im weiteren Verlauf des Abends outete sich Cassee als Frei-, um nicht zu sagen, Querdenker. Er räumte aber auch ein, dass kein prinzipielles Recht auf die Einwanderung in einen Staat bestehe. Barbara Büschi, stellvertretende Direktorin des Staatssekretariats für Migration und frühere Caritas-Mitarbeiterin, berichtete aus ihrem Alltag. Sie könne nicht beantworten, was eine ethische Lösung für das Migrationsproblem ist. Im Gesetz komme das Wort Ethik nicht vor. Aber das Recht reflektiere unsere ethischen Werte. Zur Zuwanderungsinitiative fragte sie: «Ist es legitim, nur denjenigen ein Bleiberecht einzuräumen, die uns wirtschaftlichen Nutzen bringen?» Sie sagte aber auch, dass es das Recht des Stimmvolks sei, eine Güterabwägung vorzunehmen.
«Wir tun fast alles»
Annette Luther, Standortleiterin von Roche Diagnostics International in Rotkreuz gab einen Einblick, was multinationale Firmen heute unternehmen, um die hellsten Köpfe für sich zu gewinnen. So ziemlich alles, wenn jemand führend in der Forschung auf einem gewissen Gebiet ist, auf dem das Unternehmen weiterkommen will. Dabei spiele auch die Lebensqualität, die ein Standort bieten könne, eine wichtige Rolle damit die Umworbenen kämen; Faktoren wie Rechtssicherheit, politische Stabilität, Familienfreundlichkeit, öffentlicher Verkehr, Natur und die Freizeitangebote. «Die globalen Unternehmen in der Schweiz sind ein Wohlstandsfaktor», sagte Luther. Es sei wichtig, auf der ganzen Welt die besten Leute anwerben zu können. Spiele ein Staat dabei nicht mit, sei es jedoch kein grosses Problem, die Hochqualifizierten in einer anderen Niederlassung im Ausland zu beschäftigen.
Esther Dunn, Leiterin der Fachstelle Migration Zug, plädierte für eine offensive Informationspolitik gegenüber den Ankommenden und den Einheimischen. «Integration ist eine Investition», so Dunn. 70 Prozent der Einreisenden seien gut gebildet und hätten bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Sie verstehe, dass da bei den Einheimischen Verlustängste bezüglich Arbeit und Wohnung entstehen können. Aber: «Einwanderer bringen nicht nur Defizite mit, sondern auch Ressourcen.»


