Mittelschulen dort, wo Pendlerströme und Wachstum am grössten sind
Spannende Podiumsdiskussion auf Initiative der EVP im «LaMarotte», Affoltern

Kurze Wege und Dezentralisierung – das sind zentrale Punkte in der kantonalen Richtplanung. Mit neuen Kantonsschulen dies- und jenseits des Zürichsees findet das auch in der Mittelschul-Planung Gehör. Nur die Wachstumsregion Knonauer Amt soll in die Röhre gucken, wie der Regierungsrat im Dezember 2014 (vorläufig?) beschlossen hat: Statt einer eigenen Mittelschule in Affoltern soll die Kantonsschule in Urdorf ausgebaut werden.
Als Grundlage dient eine höchst zweifelhafte Prognose. Demnach würden mittelfristig lediglich 330 Schülerinnen und Schüler die Ämtler Mittelschule besuchen. Diese Prognose basiere gemäss Regierungsrat auf «Erfahrungswerten», so Kantonsrat Moritz Spillmann: «Es ist schwierig, auf Erfahrungswerte zu bauen, wo es keine Erfahrung gibt», kritisiert er. Der Ausbau einer bestehenden Schule scheint aus Sicht der Verwaltung schlicht der bequemere Weg zu sein. Ausgeblendet wurden dabei politische und qualitative Überlegungen, etwa über Synergien vor Ort oder eine optimale Schulgrösse. So seien bei einer mittelgrossen Schule mit 600 bis 1000 Schülern die Identifikation und die Betreuung besser als bei einer Grossschule.
Für eine eigene Mittelschule hat sich im Bezirk mittlerweile eine breit abgestützte Lobby formiert. Fast alle Gemeinden, Parteien und Verbände setzen sich dafür ein. Das zeigte sich auch vergangenen Freitag am Anlass der EVP im «LaMarotte». Kritische Stimmen gibt es insbesondere beim Gewerbe. Die Befürchtung: Gute Schüler könnten zunehmend auf den gymnasialen Weg setzen statt auf die Berufslehre. Das sieht Spillmann anders: «Die Maturitätsquote ist eine politische Grösse.» Dass es zu regionalen Verschiebungen käme, ist allerdings anzunehmen. Weiter dürfte das Kurz- im Vergleich zum Langzeitgymi zulegen, was wiederum die Ämtler Sekundarschulen entlasten würde.
«Knonauer Kinder müssen nicht ans Gymi», hatte sich alt Kantonsrätin Lisette Müller als Mutter an einem Elternabend einst anhören müssen. Auch im Sinne der Chancengleichheit plädierte sie deshalb für eine Kanti im Bezirk: Mit einer Mittelschule in der Region steigt die Wahrscheinlichkeit, dass talentierte Kinder, die nicht von ihren Eltern gepusht werden, den gymnasialen Weg einschlagen können. Zudem würden die Gymnasiasten nicht den Kontakt zu ihrem Wohnort verlieren und die Region käme zu wertvoller Schulinfrastruktur.
Zürcher Schüler, die nach Affoltern pendeln?
«Eine Mittelschule kann mittelfristig dazu führen, dass sich Unternehmen ansiedeln, die Abgänger suchen», ist Clemens Grötsch überzeugt. Weiter brachte Affolterns Gemeindepräsident in der Diskussionsrunde im «LaMarotte» eine komplett neue Idee ins Spiel. So schlug er vor, ein Mittelschul-Neubau im Knonauer Amt könnte in einer ersten Phase als Ausweichort genutzt werden, um die in die Jahre gekommenen Mittelschulen in Zürich zu sanieren. So könnten die Pendlerströme umgedreht werden. Anschliessend stünde die Kanti dann den Ämtler Schülern zur Verfügung.
«Wir haben gute Argumente, aber finden kein Gehör», fasst Moritz Spillmann die Situation zusammen. So sei es höchste Zeit, auf die Hinterbeine zu gehen. Dabei ist die Unterstützung der Bevölkerung gefragt. Eine entsprechende Petition ist bereits lanciert.


