Motivationsprobleme in der dritten Sekundarschule
Der Ebertswiler Beat Zürrer schrieb eine CAS-Abschlussarbeit über das für die Meisten letzte Schuljahr

Auf dem Höhepunkt der Pubertät haben die meisten Jugendlichen in der dritten Oberstufe bereits einen Lehrvertrag unterschrieben, Andere haben noch keine Stelle gefunden und stehen beruflich vor einer ungewissen Zukunft. Dies sind nur einige Faktoren, die sich zentral auf die Motivation von Jugendlichen in der dritten Sekundarschule auswirken. Der Ebertswiler Dozent für Motivationsfragen, Beat Zürrer, ist im Rahmen seiner Abschlussarbeit des CAS (Centificate of Advanced Studies) an der Hochschule für soziale Arbeit in Luzern der Frage nachgegangen, weshalb die Motivation von Schülerinnen und Schülern der dritten Sekundarschule oft zu wünschen übrig lässt.
60 Jugendliche machen mit
Beat Zürrer hat als Betreuer in einem Jugendtreff Vorgespräche mit Jugendlichen durchgeführt und gemeinsam mit ihnen einen Fragebogen für die Evaluation möglicher motivationsrelevanter Indikatoren entwickelt. Anschliessend haben je 30 Säuliämtler Schülerinnen und Schüler den Fragebogen mit zehn Fragen ausgefüllt. Die Jugendlichen waren alles angehende Lernende, die mehrheitlich bereitseinen Lehrvertrag unterschrieben hatten. Da bei Jugendlichen, die in die Kantonsschule übertreten, keine Motivationsschwierigkeiten zu erwarten waren, wurden diese bewusst nicht befragt. Die Fragen waren binär codiert – es gab nur die Optionen Ja und Nein. Die Fragen wurden in dieser Form gestellt, da multivariate Datenniveaus (beispielsweise mit Angabe von Tendenzen) den Umfang der Arbeit gesprengt hätten.
Übertritt ins Berufsleben ist ein zentrales Thema
Die Auswertung der ausgefüllten Fragebogen hat ergeben, dass für fast alle demotivierten Jugendlichen der Übergang ins Berufsleben motivationshemmend wirkt. Wer bereits einen unterschriebenen Lehrvertrag in der Tasche hat, muss sich vorerst nicht mehr beweisen. Der Fokus verschiebt sich deshalb bei zahlreichen Jugendlichen weg von der Schule und hin zu Spass, Freunden, Beziehung, Grenzen austesten und Freizeitaktivitäten – bevor mit der Lehre der «Ernst des Lebens» anfängt. Diese Fokusverschiebung geht oft einher mit abnehmenden schulischen Leistungen im letzten Pflichtschuljahr. Zudem erwartet die Jugendlichen im Lehrlingsleben eine neue Welt. Nach einem Jahrzehnt im Schulsystem, kennen sie dieses System – mit seinen Stärken, Schwächen und Schlupflöchern – hervorragend. Der Schritt ins Lehrlingsleben bedeutet einen Übertritt in ein neues System, mit anderen Regeln, Voraussetzungen, Forderungen und Unsicherheiten. Nur vier der 60 befragten Jugendlichen machte diese Aussicht keine Angst.
Die neuen Herausforderungen
Diese Angst vor dem Übertritt von der Schule ins Berufsleben ist auch auf die lange Zeit im «sicheren» Schulumfeld zurückzuführen. Es liegt dabei die Vermutung nahe, dass gerade verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler durch Störaktionen nach Möglichkeiten suchen, wieder Spannung in gewohnte Abläufe zu bringen. Unterstützt wird diese Vermutung von der Tatsache, dass viele verhaltensauffällige Jugendliche in der Lehre diese Auffälligkeiten sofort wieder ablegen – wenn ihnen die Arbeit im Betrieb grundsätzlich gefällt. «Junge Lehrkräfte, die neuen Wind in die Schule bringen und stärker auf praktische und berufsrelevante Inhalte setzen, kommen deshalb beim Grossteil der Jugendlichen besser an», kommentiert Beat Zürrer die Resultate.
Hinter Motivationsproblemen und den oft damit verbundenen sinkenden schulischen Leistungen verbirgt sich jedoch eine grosse Gefahr für alle Jugendlichen. «Wer am Anfang der dritten Sekundarklasse den Lehrvertrag unterschreibt, hat noch fast ein Jahr Zeit bis zum Anfang der Lehre. Wer schulisch zu stark abhängt, kommt oft in der Lehre nicht mehr mit, was immer öfter zu Lehrabbrüchen oder Entlassungen führt», meint Beat Zürrer besorgt. Dies komme meist zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, mitten in der Pubertät. Gerade männliche Jugendliche seien zu dieser Zeit oft von Selbstzweifeln geplagt, würden gesellschaftlich aber bereits in eine Rolle der Stärke gedrängt.
Motivieren und fördern
Beat Zürrer sieht als wichtigsten Indikator, um die Motivation von Schülerinnen und Schülern zu erhalten, eine Anpassung des Unterrichtsstils: «Bei angehenden Kantonsschülern macht ein schulisches Förderprogramm sicher Sinn, angehende Lernende stürzen sich jedoch auf alles, was sie auf die Lehre vorbereitet.» So müsse eine Balance zwischen Motivation und schulischem Fortschritt gesucht werden. Denn auch in der Berufslehre seien die Berufsschulfächer und deren Lerninhalte zentral.
Einen wichtigen Beitrag zur Motivation der Jugendlichen müssen zudem die Eltern leisten. Hier braucht es jedoch noch mehr Fingerspitzengefühl als bei den Lehrkräften – denn während sich gezielte Fördermassnahmen positiv auf Vertrauen und Lernerfolg der Jugendlichen auswirken, führt zu viel Druck oft zu noch schlechteren Leistungen als Desinteresse seitens der Eltern.


