Nachtbus nach Obfelden und Postauto durch Üetliberg gefragt

Der Nachtbus von Birmensdorf übers Kelleramt nach Obfelden ist eine Erfolgsgeschichte, wie ein Blick auf den Kostendeckungsgrad zeigt. Sehr gut schneidet auch die Postautolinie 200 von Affoltern durch den Üetlibergtunnel nach Zürich-Enge ab.

Hohe Frequenzen: die Linie 200 von Affoltern durch den Üetlibergtunnel nach Zürich-Enge. (Bild Werner Schneiter)
Hohe Frequenzen: die Linie 200 von Affoltern durch den Üetlibergtunnel nach Zürich-Enge. (Bild Werner Schneiter)

Aufgrund einer dringlichen Anfrage im Kantonsrat hat der Regierungsrat erstmals detaillierte Zahlen des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) zu den Kostendeckungsgraden auf den einzelnen Bus- und Bahnverbindungen veröffentlicht. Die Forderung nach Transparenz fusst auf der bevorstehenden Diskussion über die Strategie des ZVV für die Jahre 2018 bis 2021. Vor diesem Hintergrund erachten die Kantonsräte Ruedi Lais, Robert Brunner und Barbara Schaffner den Kostendeckungsgrad als eine wichtige Entscheidungsgrundlage.

Die soeben veröffentlichten Zahlen stammen aus dem Jahr 2013. Gemäss einer Prognose wird die gesamte Kostenunterdeckung des ZVV in diesem Jahr knapp 400 Mio. Franken betragen und bis 2019 auf 438 Mio. Franken ansteigen. In der Periode 2013 bis 2019 rechnet der ZVV mit einer Zuwachsrate von 2 Prozent, die Kosten werden in der gleichen Periode jährlich um 1 Prozent steigen. Die Mehrkosten, die auch aus Angebotsverbesserungen resultieren, will der ZVV «weiterhin mit periodischen Preiserhöhungen» auffangen. So oder so wird im ZVV-Gebiet mit einer jährlichen Zunahme der Kostenunterdeckung gerechnet – Ausnahme soll das Jahr 2018 bilden. «Die Kostenunterdeckung soll künftig nur noch im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung anwachsen», heisst es in einem ZVV-Strategiepapier.

Detaillierte Zahlen

Beim Betrachten der vom Regierungsrat veröffentlichten Kostenunterdeckungszahlen der einzelnen Linien sticht die Nachtbusverbindung Birmensdorf – Oberlunkhofen – Jonen – Obfelden – (Maschwanden) ins Auge. Hier beträgt der Kostendeckungsgrad 125,4 Prozent – eine der wenigen Linien, die also Gewinn abwirft.

Dass die Postautolinie 200 von Affoltern über Bonstetten-Wettswil durch den Üetlibergtunnel nach Zürich-Enge in dieser «Rangliste» einen Spitzenplatz einnimmt, ist nicht erstaunlich. Sie wies im vergangenen Jahr kantonsweit das höchste Wachstum auf, legte um 13 Prozent zu. So liegt dieser Kostendeckungsgrad von 88,6 Prozent weit über dem kantonsweiten Durchschnitt von 62 Prozent. Klar über diesem Mittel liegt auch der Nachtbus Affoltern – Hausen – Kappel – Rifferswil – Knonau (75,9%), die Linie 215 Zürich-Wiedikon – Oberlunkhofen – Affoltern (71,7%), die N23-Linie Bonstetten – Wettswil – Stallikon – Landikon – Birmensdorf (65,3%) und die Linie 235 Zürich-Wiedikon – Hausen – Ebertswil (63,4%).

Kostendeckungsgrad nur einer von mehreren Faktoren

Für die Planung und Steuerung des ÖV-Angebots sei der Kostendeckungsgrad nur einer von mehreren Faktoren, sagt ZVV-Mediensprecher Stefan Kaufmann. Schwach frequentiere Verbindungen mit hoher Kostenunterdeckung seien häufig auch Zubringer zu starken Linien und würden aufrechterhalten, um Verbindungslücken zu verhindern, fügt er weiter an.

Auch Einflüsse aus der Politik sind massgebend bei der Planung. «Bei einer Verbindung mit fehlender Wirtschaftlichkeit ist es möglich, dass eine Gemeinde darauf pocht, das Angebot weiter aufrechtzuerhalten», betont Stefan Kaufmann.

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